Anglikaner-Bischof warnt vor Gebrauch des römischen Messbuchs

20. November 2011 in Aktuelles


Hauptproblem des neuen katholischen Messbuchs aus anglikanischer Sicht ist ein Gebet für den Papst, welches „Ausdruck einer Gemeinschaft mit ihm“ sei.


London (kath.net/KNA) Weil anglikanische Geistliche das neue römisch-katholische Messbuch verwenden wollen, drohen Verstimmungen in der anglikanischen Kirche von London. Bischof Richard Chartres (Foto) erklärte am Samstag, er habe «mit einiger Bestürzung» von der Absicht mancher seiner Priester erfahren, vom ersten Advent an nach dem römischen Messbuch zu zelebrieren. «Ich bitte sie dringend, keine weitere Uneinigkeit zu erzeugen, indem sie die neuen Riten annehmen», mahnte der Londoner Bischof. Die englische Neuübersetzung der liturgischen Texte wird in der katholischen Kirche Englands mit Beginn des Advent eingeführt.

Chartres verwies darauf, dass das römische Messbuch auch Gebete für den Papst enthalte. Er äußerte zwar Verständnis dafür, in anglikanischen Messen auch für den Papst als «Patriarchen des Westens» zu beten; der römische Ritus enthalte aber «nicht nur ein Gebet für den Papst, sondern den Ausdruck einer Gemeinschaft mit ihm». Im Blick auf Anglikaner wäre dies «eine Gemeinschaft, die Papst Benedikt XVI. sicherlich ablehnen würde», so der Londoner Bischof.

Der anglikanische Oberhirte verwies auf «veränderte Umstände» nach der Einladung des Papstes an Anglikaner, unter Wahrung ihrer Tradition zur katholischen Kirche überzutreten. Außerdem weiche die Neuübersetzung des römischen Messtextes «beträchtlich von seinem Vorgänger» und ebenso von der anglikanischen Liturgie ab. Sie zeige eine größere Nähe zum lateinischen Original und eine «Rückkehr zu einer traditionelleren Sprache».

Priester und Pfarreien, die das neue römische Messbuch annähmen, bekundeten damit ihre Trennung nicht nur von der anglikanischen Kirche, sondern auch von der römischen Gemeinschaft, so Bischof Chartres. Dies sei «seelsorgliche Rücksichtslosigkeit» und ein ernsthafter kirchenrechtlicher Verstoß. «Es wird keine Verfolgung und keine Schaffung liturgischer Märtyrer geben, aber niemand wird sagen können, dass die Weisung des Bischofs unklar war», so Chartres.

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