Seid wachsam! Allein Gott ist der Herr der Welt

27. November 2011 in Aktuelles


Benedikt XVI.: Der Advent – die Zeit, die auf das Antlitz des wahren Herrn ausrichtet. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Neujahr: am ersten Advent beginnt die Kirche ein neues Kirchenjahr (Lesejahr B), das mit der Mahnung Jesu anhebt: „Seid wachsam!“ (Mk 13,33.35.37). Diese Mahnung gilt den Jüngern, sie ist aber auch an alle gerichtet. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. heute an die zahlreich auf dem Petersplatz versammelten Pilger und Besucher in seiner Ansprache vor dem traditionellen Gebet des Angelus.

Der Beginn des Kirchenjahres bedeute einen neuen Weg des Glaubens, den es in den kirchlichen Gemeinden zu leben gelte. Ebenso sei er in der Geschichte der Welt zurückzulegen, um diese dem Geheimnis Gottes und dem aus seiner Liebe kommenden Heil zu öffnen.

Der Aufruf Christi zur Wachsamkeit erinnere daran, dass das Leben nicht nur eine irdische Dimension habe, sondern über diese hinaus projiziert sei, „wie eine kleine Pflanze, die aus der Erde aufkeimt und sich für den Himmel öffnet“. Der Mensch sei frei und verantwortlich. So werde ein jeder gerufen werden, Rechenschaft darüber abzulegen, wie er gelebt und seine Fähigkeiten genutzt hat.

Auf die erste Lesung aus dem Buch Jesaja eingehend betonte Benedikt XVI., dass der Prophet die Fehler seines Volkes anerkenne und sage: „Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, festzuhalten an dir. Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen“ (Jes 64,6). Diese eindrucksvollen Worte „scheinen gewisse Panoramen der postmodernen Welt widerzuspiegeln: die Stadt, in der das Leben anonym und horizontal wird, wo Gott abwesend und der Mensch der einzige Herr zu sein scheint, als sei er der Urheber und Regisseur von allem. Die Bauten, die Arbeit, die Wirtschaft, die Transporte, die Wissenschaften, die Technik: alles scheint allein vom Menschen abzuhängen“.

Dann aber geschehe es, dass sich in dieser Welt, die fast perfekt erscheine, in der Natur oder in der Gesellschaft erschütternde Dinge zutragen, so dass der Mensch denke: Gott hat sich zurückgezogen und ihn sich selbst überlassen.

Der wahre Herr der Welt jedoch sei nicht der Mensch, sondern Gott. Der Advent erinnere jedes Jahr daran, damit das Leben des Menschen seine rechte Ausrichtung wiederfinde, „hin zum Antlitz Gottes“: „Nicht das Antlitz eines Herren, sondern eines Vaters und Freundes“.

Nach dem Angelus erinnerte der Papst daran, dass am Montag, 28. November, in Durban (Südafrika) die Arbeiten der Konvention der Vereinten Nationen über die Klimaveränderung und das Kyoto-Protokoll aufgenommen werden. Benedikt XVI. sprach die Hoffnung aus, dass die internationale Gemeinschaft zu einer verantwortlichen, glaubhaften und solidarischen Antwort auf dieses besorgniserregende und komplexe Phänomen gelange, in Achtung der Bedürfnisse der ärmsten Volker und der künftigen Generationen.


Die Pilger aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Ganz herzlich grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache an diesem ersten Adventssonntag. Im Kirchenlied „O Heiland reiß die Himmel auf“ klingt der Flehruf des Propheten Jesaja nach, den wir heute in der ersten Lesung gehört haben: „Reiß doch den Himmel auf und komm herab!“ (63, 19b). Auch wir dürfen uns in der Zeit des Advent diesen Ruf zu eigen machen im festen Vertrauen, dass Gott unser Beten hört, dass ihn alle Not berührt und er als Heiland, als der, der alles heil machen will, zu uns kommt. Der Herr schenke Euch eine gesegnete Adventszeit.

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