Anglikaner-Primas sorgt mit Kreuz-Zitat für Empörung

13. März 2012 in Aktuelles


Anglikaner diskutieren über die Äußerung von Rowen Williams, ein Kreuz zu tragen sei für viele Menschen eine bloße «religiöse Dekoration» statt eines essenziellen Teils ihres Christseins geworden.


London (kath.net/KNA) Mit einem Zitat über das christliche Kreuz als «religiöser Schmuck» hat der anglikanische Primas von England, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, in seiner Kirche für Empörung gesorgt. Anlass der Kontroverse ist die geplante Klage von vier Christen vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg wegen Diskriminierung. Zwei der Kläger verloren ihre Stellen als Krankenschwester bzw. bei der Fluggesellschaft British Airways, weil sie sich weigerten, während der Arbeit ihr Kreuz um den Hals abzulegen.

Britische Medien zitierten am Montag aus einer Predigt von Williams in Rom. Dort habe der Primas gesagt, ein Kreuz zu tragen sei für viele Menschen eine bloße «religiöse Dekoration» statt eines essenziellen Teils ihres Christseins geworden. Das Kreuz sei seiner Bedeutung beraubt worden; dies sei Teil einer Tendenz, Religion künstlich herzustellen. Als biblische Entsprechung führte Williams die Geschichte von den Geldwechslern an, die von Jesus aus dem Jerusalemer Tempel geworfen wurden.

In einem Blog des «Daily Telegraph» kritisierte der prominente anglikanische Geistliche Peter Mullen am Montag, der Primas helfe mit einer solchen Argumentation lediglich den säkularistischen Kräften. «Auf welcher Seite steht er?», so Mullen. Die anglikanische Kirche sei offenbar «völlig durchdrungen vom Gedankengut ihrer Feinde».

In einer Stellungnahme der britischen Regierung zu den Gerichtsentscheidungen gegen die bekennenden Christen heißt es laut «Sunday Telegraph», ein sichtbar getragenes Kreuz sei kein Glaubensbekenntnis in dem Sinne, wie es von Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt sei. In keinem der Fälle sei das Tragen eines Kreuzes eine «allgemein anerkannte Form, den christlichen Glauben zu praktizieren», und noch weniger «ein Erfordernis des Glaubens».

Andere hohe anglikanische Würdenträger kritisierten die Gerichtsentscheidungen und die Argumentation der Regierung scharf. Williams' mutmaßlicher Nachfolger als Primas, Erzbischof John Sentamu von York, sagte im BBC-Fernsehen, die Regierung mische sich in Dinge ein, aus denen sie sich heraushalten sollte. Wenn sie die Hürde für ein religiöses Bekenntnis so hoch lege, setze sie sich am Ende selbst ins Unrecht.

Williams' Vorgänger in Canterbury, Lord Carey, erklärte, die Argumentation der Regierung basiere auf «einer gänzlich unzutreffenden Bewertung von Theologie und Frömmigkeit», für die sie kein Mandat habe. Es sei eine Ironie, dass, je mehr eine Regierung dem Kreuz seine Bedeutung als Zeichen eines Bekenntnisses abstreite, genau diese Bedeutung zunehme.

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