Fellay: Verhandlungen mit Rom sind an einem toten Punkt

29. Juni 2012 in Aktuelles


Der Generalobere der traditionalistischen Piusbruderschaft sieht die Verhandlungen über eine theologische Aussöhnung mit dem Vatikan "an einem toten Punkt". Rom "an den Ausgangspunkt" zurückgekehrt


Econe (kath.net/KNA) Der Generalobere der traditionalistischen Piusbruderschaft sieht die Verhandlungen über eine theologische Aussöhnung mit dem Vatikan «an einem toten Punkt». Rom sei nach vielen Diskussionen, Vorschlägen und Schriftwechseln zuletzt «an den Ausgangspunkt» zurückgekehrt, sagte Bernard Fellay am Freitag bei einem Gottesdienst im Mutterhaus der Bruderschaft im schweizerischen Econe/Wallis. Man habe den Gläubigen «fast nichts» über den Stand der Dinge gesagt; allerdings habe es auch «nichts Großes zu sagen» gegeben.

Erneut zeichnete Fellay das Bild einer widersprüchlichen römischen Kirche, in der einige «ziehen, um immer weiter auf dem Weg des Progressismus zu gehen», andere dagegen «Korrekturen vornehmen» wollten. Die Piusbruderschaft sei in die Mitte geraten, «wie ein Tischtennisball, auf den alle Welt einschlagen» könne. In dieser schwierigen Zeit brauche es das Gebet der Gläubigen, denn «der Teufel ist von allen Seiten von der Kette gelassen», so der Generalobere. Auch wenn man unter Rom derzeit zu leiden habe, dürfe dies «die Liebe zu Rom» nicht schmälern".

In einem als «vertraulich» gekennzeichneten Rundschreiben hatte der Generalsekretär der Bruderschaft, Christian Thouvenot, zuletzt erklärt, man könne die vom Vatikan vorgelegte Version des Einigungsdokuments nicht unterzeichnen. Das Anfang Juli tagende Generalkapitel der Piusbrüder soll über das Dokument und den gesamten Vorgang beraten.

Thouvenot erklärte unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen, die letzte vom Generaloberen korrigierte Version vom April habe Papst Benedikt XVI. zwar persönlich überzeugt. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, habe Fellay jedoch Mitte Juni eine wieder um einige Monate zurückgedrehte Textversion vorgelegt, die für die Bruderschaft «eindeutig inakzeptabel» sei. Dies habe Fellay Levada auch unmittelbar mitgeteilt. Die Korrekturvorschläge der Bruderschaft seien mithin vom Vatikan abgelehnt worden.

Dem Schriftwechsel vorangegangen waren eineinhalbjährige theologische Gespräche von Vertretern des Vatikan und der Traditionalisten. Deren Ergebnis war eine sogenannte lehrmäßige Präambel, die der Vatikan im September 2011 als Grundlage einer möglichen Aussöhnung formulierte und den Piusbrüder zur Unterschrift vorlegte. Darin wird die Treue zum Lehramt der katholischen Kirche einschließlich der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) festgehalten.

Für den Fall einer Einigung will der Vatikan der Priesterbruderschaft nach eigenen Angaben den Rang einer sogenannten Personalprälatur zuerkennen, eine direkt dem Papst unterstellte Organisationsstruktur, wie sie vergleichbar derzeit nur für das Opus Dei besteht.

Für Irritationen hatten in Rom jüngste Äußerungen Fellays gesorgt, Rom verlange von den Piusbrüdern nicht mehr die Akzeptanz des gesamten Zweiten Vatikanums. Im Vatikan hieß es dazu, die Annahme des vollständigen Lehramtes der katholischen Kirche sei und bleibe Grundlage für eine Beendigung des Bruchs zwischen Rom und den Traditionalisten.


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