
25. April 2013 in Aktuelles
Manfred Lütz: Die Steuermoral sei für ihn «die Mutter der Moral», denn die Steuern reicher Menschen würden dazu gebraucht, den Benachteiligten in unserem Staat zu helfen
Düsseldorf (kath.net/KNA) Der Kölner Psychiater und katholische Theologe Manfred Lütz (Foto) sieht den Fall Hoeneß als Ausdruck der Finanzorientierung der gegenwärtigen Zeit. Wer sich in der Eigendynamik der künstlichen Finanzwelt verliere, «kennt als Ziel irgendwann nur noch den finanziellen Erfolg», sagte der Buchautor am Mittwoch der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post». Der Bayern-Präsident handele wie ein gewöhnlicher Lügner. «Lügner sind psychisch ganz normal wie Sie und ich.»
Der FC-Bayern-Präsident habe sich sogar nach den üblichen psychischen Mustern eines Lügners verhalten, als er sich öffentlich kritisch zur Steuerflucht und zur Finanzpolitik äußerte, fügte Lütz hinzu. «Wenn man selber Gewissensbisse hat, dann ist es eine beliebte Strategie, sich lautstark mit den Fehlern anderer zu befassen.»
Steuerflucht sei kein Kavaliersdelikt, betonte der Autor von Bestsellern wie «Irre. Wir behandeln die Falschen», «Gott. Eine kleine Geschichte des Größten» und «Lebenslust. Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult». Die Steuermoral sei für ihn «die Mutter der Moral», denn die Steuern reicher Menschen würden dazu gebraucht, den Benachteiligten in unserem Staat zu helfen.
Lütz kritisierte zugleich die öffentliche Debatte über Hoeneß: «Vielleicht erkennt man gerade jetzt, dass er einer von uns ist, und eben kein Halbgott.» Leute in den Himmel zu heben und dann abstürzen zu lassen, scheine neuerdings Volkssport zu werden. Er habe den Eindruck, «wir sind da wieder zum Menschenopfer zurückgekehrt. Die Vernichtungsimpulse, mit denen öffentlich auf Verfehlungen öffentlicher Menschen reagiert wird, erschrecken mich.»
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Foto Manfred Lütz: © Wikipedia/Stefan Flöper
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