Kardinal Marx kritisiert ‚Strukturen der Ausbeutung‘

20. Mai 2013 in Deutschland


Erzbischof fordert in Pfingstpredigt mit Blick auf Fabrikeinsturz in Bangladesch „solidarisches Miteinander“ - Warnung vor Uniformitätsdenken angesichts jüngster Klonexperimente.


München (www.kath.net)
Mit Blick auf den Fabrikeinsturz in Bangladesch, dem mehr als 1000 für einen „Hungerlohn“ arbeitende Menschen zum Opfer fielen, hat der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, ein stärkeres Engagement gefordert für „ein Miteinander in der Welt, das jedem Chancen ermöglicht und die Wahrung der Menschenrechte garantiert“. Hinsichtlich der Produktionsbedingungen in Ländern wie Bangladesch sprach Kardinal Marx in seiner Predigt am Pfingstsonntag, 19. Mai, im Münchner Liebfrauendom von „Strukturen der Ausbeutung, und die Nutznießer sind Unternehmen und Käufer in unseren reichen Ländern“. Gegen solches Unrecht „einzutreten und beispielhaft zu handeln, heißt Werkzeug der Einheit unter den Menschen zu sein“, unterstrich Marx.

Zugleich warnte Marx angesichts jüngster Klonexperimente vor einem Uniformitätsdenken: „Die Einheit kann auch zur Versuchung der Uniformität werden.“ Das Klonen würde einem solchen Denken Vorschub leisten, es bestehe die Gefahr, „den einen idealen, gesunden, schönen und marktkonformen Menschen formen“ zu wollen. Einheit im christlichen Sinne bedeute aber gerade, „die Vielfalt, die Fülle, die Buntheit“ der Menschen zu respektieren und „in eine neue Qualität der Gemeinschaft“ einzubringen.

Kardinal Marx verwies auf das Pfingstereignis als ein „Bild der Einheit in der Vielfalt“, ein Gegenbild zur babyloni­schen Sprachverwirrung, die zur Zerstreuung und zur Gegnerschaft der Menschen geführt habe. Dieses Bild rufe die Menschen dazu auf, „sich als eine Menschheitsfamilie zu ver­stehen und zu einer wirklichen Gemeinschaft zu finden, in Respekt, ja in Liebe miteinander ver­bunden“, so der Kardinal.

Darum gehe es auch in der gegenwärtigen Krise in Europa, erläuterte Marx: Es dürfe nicht tatenlos zugesehen werden, „wenn neue soziale Ungerechtigkeiten“ wie etwa die „dramatische Jugendarbeitslosigkeit“ in einigen europäischen Ländern „zur Entfremdung unter den Völkern bei­tragen“. Der Erzbischof warnte: „Wenn wir in Europa nicht zu einem neuen, solidarischen Miteinander finden, kann die Vielfalt wie in Babylon wieder zu Abgrenzung und Feindschaft führen.“

Es brauche letztlich eine „grundsätzliche Bereitschaft zum Miteinander auch in schwierigen Zeiten“, erklärte Marx. Die Kirche habe sich „in Wort und Tat einzubringen“, und gerade die katholische Kirche als Weltkirche habe „eine besondere Aufgabe, mitten in der Welt ein wirksames Zeichen für die Einheit in der Vielfalt zu sein“. Sie könne zeigen, „dass es diese Menschheitsfamilie wirklich gibt“.


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