Kardinal Pio Laghi übergab Papstschreiben an George W. Bush

5. März 2003 in Aktuelles


Nuntius bei der UNO: Die USA verschließen sich nicht gegenüber dem Heiligen Stuhl


Washington (kath.net/Zenit.org)
Der Sonderlegat von Papst Johannes Paul II. bei George W. Bush hat am Mittwochabend erklärt, dem amerikanischen Präsidenten ein persönliches Schreiben des Papstes zur Irakkrise überreicht zu haben, doch verriet er nichts über dessen Inhalt. "Das Ziel meines Besuchs war es, dem Präsidenten eine persönliche Botschaft Seiner Heiligkeit des Papstes über die Irakkrise zu überbringen, die Haltung des Vatikans darzulegen und über die verschiedenen Beiträge des Vatikans zur Abrüstung und zum Frieden im Nahen Osten zu informieren" erklärte der Kardinal auf einer Pressekonferenz in Washington.

"Aus Respekt gegenüber dem Präsidenten und aufgrund der Tatsache, dass der Moment so entscheidend ist, bin ich nicht gewillt, die Substanz unseres Gesprächs zu diskutieren und ebenso wenig kann ich den Text der persönlichen Botschaft Seiner Heiligkeit an den Präsidenten verraten", sagte er.

Der Kardinal war kurz zuvor von George Bush im Weißen Haus empfangen worden, während die USA sehr bemüht sind, ihre Partner im UN-Sicherheitsrat zu überzeugen, ihnen "grünes Licht" für eine Militäroperation gegen den Irak zu geben.

Nuntius bei der UNO: Die USA verschließen sich nicht gegenüber dem Heiligen Stuhl

Die USA sind der Haltung des Heiligen Stuhls hinsichtlich einer friedlichen Lösung der Irakkrise gegenüber nicht abgeneigt, so der Apostolische Nuntius bei der UNO. Erzbischof Celestino Migliore ist der neue ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO. Er sagte, der Sonderlegat Seiner Heiligkeit, Kardinal Pio Laghi, wird "die große Sorge des Heiligen Vaters hinsichtlich des Risikos einer militärischen Lösung für die Irakkrise" darlegen.

"Auch wird er versuchen, direkte und detaillierte Angaben über die Haltung des Weißen Hauses in Erfahrung zu bringen. Direkter Kontakt hilft, besser zu verstehen, was man bereits weiß", so der Erzbischof am Montag gegenüber der Turiner Zeitung "La Stampa".

Der Vertreter des Papstes erklärte: Die Position des Heiligen Stuhles sei "nicht pazifistisch, sondern man will als Friedensstifter zum Einsatz gelangen. Es gibt Probleme und die müssen gelöst werden - aber nicht durch einen Krieg".

Der Nuntius kritisierte auch die von der italienischen Presse manipulierten Aussagen des Sprechers des Weißen Hauses, Ari Fleischer, im Bezug auf Papst Johannes Paul II.

"In Washington wollte niemand sagen, dass Bush nicht die Stimme des Papstes hört. Bush hört sie, wie er viele andere im demokratischen Meinungskontext hört, und diese Stimme ist wirkungsvoll".

Auf die Frage des Journalisten, ob sich die USA den Positionen des Heiligen Stuhles hinsichtlich des Iraks verschließen, sagte der Nuntius: "Ich kann das nicht sagen, dem ist nicht so".

Schließlich kam die Frage auf, welches der Unterschied zwischen der aktuellen Lage und der des Golfkriegs 1991 sei.

"Die Situation ist anders. Damals war klar, dass nicht alle Interventionsmöglichkeiten ausgeschöpft worden waren und dass daher ein militärischer Einsatz und Krieg nicht gerechtfertigt waren".

"Heute ist es etwas anders: wer gegen Waffengewalt ist, stützt sich jedoch auf die Notwendigkeit der Abrüstung der Massenvernichtungswaffenarsenale".

"Außerdem war vor zehn Jahren das Element der Konfrontation zwischen Kulturen und Religionen nicht so evident, und es war wohl kein Zufall, dass Samuel Huntington seinen Essay über den Zusammenprall der Kulturen 1993 schrieb. Heute ist dieses Risiko sehr groß und steht im Zusammenhang mit den Folgen der von den USA erlittenen Terroranschlägen vom 11. September 2001".


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