Das Brot des Lebens – die Geschichte im Horizont der Ewigkeit

2. August 2015 in Aktuelles


Franziskus: Jesus ist der Sinn des menschlichen Daseins. 'Vergebung von Assisi' - Die Gnade der Scham vor der Beichte: sie bereitet auf die Umarmung durch den Vater vor, der immer alles vergibt. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Angelus am 18. Sonntag im Jahreskreis. In seiner Ansprache vor dem Mittagsgebet konzentrierte sich Papst Franziskus auf das Tagesevangelium (Joh 6,24-35), der Fortsetzung der Lesung des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums, unmittelbar nach der wunderbaren Brotvermehrung.

Die Leute hätten Jesus gesucht und ihn endlich bei der Synagoge von Kafarnaum gefunden. Doch Jesus hatte gut den Grund für so viel Begeisterung gekannt, ihm nachzufolgen „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid“ (V. 26). So folgten sie ihm aufgrund des materiellen Brotes. Sie hätten nicht verstanden, dass jenes für die Vielen gebrochene Brot Ausdruck seiner Liebe gewesen sei. Sie hätten dem Brot mehr Wert beigemessen als dem, der es geschenkt habe.

Angesichts dieser spirituellen Blindheit heben Jesus die Notwendigkeit hervor, über die Befriedigung der materiellen, wenn auch wesentlichen Bedürfnisse hinauszugehen. Sie sollten zu einer Perspektive jenseits der alltäglichen Sorgen gelangen. So spreche Jesus von einer anderen, unvergänglichen Speise und mahne: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird“ (V. 27).

Mit diesen Worten wolle er verstehen lassen, dass der Mensch in sich einen anderen und wichtigeren Hunger habe: den Hunger nach Leben, den Hunger nach Ewigkeit, den nur er stillen könne, da er das „Brot des Lebens“ sei. So rufe Jesus in Erinnerung, dass die wahre Bedeutung unseres irdischen Daseins in der Ewigkeit liege, dass die menschliche Geschichte in einem Horizont der Ewigkeit gesehen werden müsse: in jenem Horizont der endgültigen Begegnung mit ihm, der Hoffnung schenke.

Jesus sei der Sinn des menschlichen Daseins: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (V. 35). So stelle er die Beziehung zur Eucharistie her, dem größten Geschenk, das Seele und Leib sättige. Das „Brot des Lebens“ sei uns geschenkt worden, damit wir unsererseits den geistlichen und materiellen Hunger der Brüder und Schwestern sättigen könnten, indem wir das Evangelium überall verkündigen.

„Wir brauchen die Gegenwart Gottes in unserem alltäglichen Dasein so sehr“, so der Papst. Der Herr lade uns ein, nicht zu vergessen, dass es richtig sei, sich um das materielle Brot zu kümmern. Noch notwendiger aber sei es, den Glauben an ihn zu stärken, der unser Verlangen nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Trost sättige.

Abschließend erinnerte Franziskus daran, dass heute die „Vergebung von Assisi“ mit Portiunkula- Ablass begangen wird. Dies sei ein starker Aufruf, sich dem Herrn im Sakrament der Barmherzigkeit zu nähern und auch die Kommunion zu empfangen. Viele vergäßen, dass sie bei der Beichte nicht vor einen strengen Richter träten, sondern vor den unendlich barmherzigen Vater. Wahr sei, dass man Scham empfinde, wenn man beichten ginge. Der Papst unterstrich jedoch, dass auch diese Scham eine Gnade sei, die uns auf die Umarmung durch den Vater vorbereite, „der immer vergibt und immer alles vergibt“.


© 2015 www.kath.net