
20. Juni 2003 in Chronik
Ein verheirateter Bischof weiht sieben Damen zu katholischen Priesterinnen: Das war der Kirchenaufreger des Sommers 2002. Ein Jahr danach ist es still geworden um die inzwischen exkommunizierten "Priesterinnen"´- Von Manfred Maurer / NEUES VOLKSBL
Manch aufrechter Katholik sah das Abendland schon untergehen in den Wogen,die dieser Schiffsausflug am 29. Juni hochgehen ließ. Immerhin wollte eineHundertschaft von Verschwörern an Bord der "MS Passau" auf der Donau beiEngelhartszell ein ehernes Gesetz der katholischen Kirche den Bachruntergehen lassen: Canon 1024. "Die Priesterweihe empfängt gültig nur eingetaufter Mann", bestimmt dieser Passus im Kirchenrecht, der ChristineMayr-Lumetzberger überhaupt nicht recht ist. - Kein echter Bischofgibt sichfür Show her - Die Linzer Ex-Nonne will nämlich katholische Priesterinwerden und findet in der mit einem Ex-Priester verheirateten bayerischenReligionsphilosophin Gisela Forster eine Mitstreiterin. Geheim organisierensie Priesterinnenseminare für ein Dutzend gleich gesinnter Damen.Schwieriger gestaltet sich die Suche nach einem Bischof, der bereit wäre,den Papst mit einer Frauenordination vor den Kopf zu stoßen. Es findet sichkeiner, zumindest kein lupenrein römisch-katholischer. Nur der argentinischeEx-Priester Romulo Braschi mit dem eindrucksvollen Titel "Erzbischof vonMünchen, Zürich, Buenos Aires und San Salvador de Bahia". Der Herr Bischofhat sowohl seine eigene Religionsgemeinschaft - die "Katholisch-ApostolischeCharismatische Kirche Jesus König" - als auch eine Ehefrau.
Trotzdem solldas der Mann sein, der vor einem Jahr sieben Frauen auf der "MS Passau""rechtmäßig" zu Priesterinnen geweiht haben will. Für die Amtskirche ist dasGanze eine bedeutungslose "Weihesimulation", wenn auch keine folgenlose: Diesieben Möchtegern-Priesterinnen werden exkommuniziert, ihr Einspruch imVatikan abgeschmettert. - Manche Kritiker der Weiheshow empfanden so vielAufmerksamkeit als zu viel der Ehre. Wenngleich das Kirchenrecht hiereindeutige Sanktionsmöglichkeiten vorsieht, wäre es wohl auch so manchemBischof lieber gewesen, die Kirche im Dorf zu lassen. Da die Affäre aber denKeim des Schismas in sich trug und zudem Medien in aller Welt großberichteten, ging die Taktik des "Nea amal ignorieren" nicht auf.
DieKirche ist dennoch im Dorf geblieben - was dem Enthusiasmus derTabubrecherinnen aber keinen Abbruch tut. Ein Jahr danach glauben sie nichtnur ganz fest, römisch-katholische Priesterinnen zu sein, sondern wähnenauch die Massen des Kirchenvolkes hinter sich. "Unsere Akzeptanz ist vielgrößer, als wir angenommen haben", sagt Mayr-Lumetzberger. Auch Frau Forsterortet "sehr, sehr große Akzeptanz". Deren euphorische Bilanz müsste derAmtskirche Kopfzerbrechen bereiten, wäre sie nicht etwas dick aufgetragen."Wir haben Unmengen von Leuten, die bei uns heiraten wollen", weckt Forsterschon Assoziationen mit mormonischen Massenhochzeiten. Was unter Unmengewohl zu verstehen ist? In Österreich und Deutschland waren es "vielleichtzehn Paare, mehr bestimmt nicht", räumt Forster gegenüber dem VOLKSBLATTein. In Bayern hat sich überhaupt noch kein einziges Brautpaar zurPriesterin getraut. Mehr beschäftigt ist Forster als Beichtmutter. - NetterBrief an den Papst - Vor allem ältere Herren, oft geplagt von Schuldgefühlenwegen Ehebruchs, würden kommen, um sich auszusprechen. - Mit einem älterenHerrn wollen die sieben Damen anlässlich des Jahrestages in Kontakt treten,um selbst die Absolution zu bekommen: Frau Forster schließt nämlich nichtganz aus, dass man Papst Johannes Paul II. vielleicht doch noch überzeugenkönnte. Weil: "Eigentlich ist der ganz nett und freundlich." Und daher hatsie beschlossen: "Jetzt schreiben wir ihm mal einen netten Brief." - Derwird den Heiligen Vater zwar kaum von der Notwendigkeit einer Streichung desumstrittenen Canon 1024 aus dem Codex überzeugen, aber an Wunder glaubenwird man ja auch als "Priesterin" noch dürfen ... (c) VOLKSBLATT
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