
17. Oktober 2003 in Aktuelles
Ein Kommentar von Manfred Maurer (VOLKSBLATT) zur Papst-Rücktrittsforderung von "Kirche von unten" - "Selbst 'von unten' müsste das zu erkennen sein, wäre der Blick nicht von Kleinkariertheit getrübt"
Von unten fällt der Blick auf das große Ganze schwer. Die Selbstbezeichnung deutscher Papst-Kritiker ist also sehr treffend: Kirche von unten nennt sich die Gruppe, der zum 25-Jahr-Jubiläum des Papstes nicht viel mehr einfällt als das Beklagen fehlender Reformen. - Es gibt unbestritten viele Katholiken, die sich Frauen und verheiratete Männer als Priester wünschen, es gibt viele Katholiken, die in der Ökumene weiter gehen möchten, als es Johannes Paul II. zugestehen kann, aber es gibt sicher auch viele Katholiken, die sich wundern, wie solche Streitfragen zur Trübung der Gesamtbilanz dieses Pontifikats benützt werden. Dieser Papst hat nicht bloß Geschichte geschrieben (wie viele vor ihm), Johannes Paul II. hat sie ohne Blut geschrieben (wie nicht alle vor ihm). Der friedliche Umbruch in Osteuropa wäre anders verlaufen, hätte Wojtyla seine polnischen Legionen einfach gegen die Kommunisten gehetzt anstatt die gewaltlose, geduldige Revolution anzumahnen. - Man muss gar kein Katholik sein, um Dankbarkeit zu empfinden für die Chance, die Europa ohne diesen Papst wohl so nicht bekommen hätte. Selbst von unten müsste das zu erkennen sein, wäre der Blick nicht von Kleinkariertheit getrübt. (Manfred Maurer, Neues Volksblatt)
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