
22. Oktober 2003 in Aktuelles
Am 2. November soll Gene Robinson zum Bischof der US-Episkopalkirche geweiht werden. Anglikaner befürchten eine Kirchenspaltung. Auch die Weltökumene ist gefährdet.
New Hampshire / London (www.kath.net / CWNews.com / red) Den Amtsverzicht des designierten US-amerikanischen Bischofs Gene Robinson forderte der frühere anglikanische Primas George Carey laut Bericht von US-Medien. Der 56-jährige Robinson, ein bekennender Homosexueller, soll am 2. November zum Bischof von New Hampshire geweiht werden. Der Streit um die Weihe von homosexuellen Männern zu Bischöfen droht die anglikanische Gemeinschaft weltweit zu spalten. Nur durch einen Rücktritt von Robinson könne ein Schisma abgewendet werden, betonte Carey. Robinson lehnt indes einen Amtsverzicht definitiv ab. Es habe immer homosexuelle Bischöfe gegeben, meinte er. "Der Unterschied ist nur, dass ich das offen zugebe."
Bei einem Krisengipfel im Londoner Lambeth Palace hatten in der Vorwoche 37 führende Vertreter der anglikanischen Kirche unter Leitung von Erzbischof Rowan Williams vor einer Weihe Robinsons gewarnt. Die US-Kirche dürfe keinen Weg einschlagen, der sich von der Kirchengemeinschaft abspalte, hieß es in einer Stellungnahme. Wenn es zu dieser Weihe komme, habe die anglikanische Kommunität einen "kritischen Punkt" erreicht, der die Zukunft der Gemeinschaft gefährde. Bei der Tagung wurde beschlossen, eine Kommission zum Thema Kirche und Homosexualität einzusetzen, die binnen 12 Monaten einen Bericht liefern soll.
Die Weihe Robinsons schlägt bereits hohe Wellen in den USA. Mehrere Diözesen haben Boykottaktionen gestartet. Die US-Diözese Dallas gab bekannt, keine Gelder mehr der nationalen Kirchenleitung zur Verfügung zu stellen, sondern sie für karitative Zwecke einzusetzen.Papst Johannes Paul II. hatte Anfang Oktober bei einem Treffen mit dem Primas der anglikanischen Kirche betont, dass es "neue und ernsthafte Schwierigkeiten" auf dem Weg zur Einheit gebe. "Diese Schwierigkeiten sind nicht nur rein disziplinärer Natur - einige erstrecken sich auf grundsätzliche Fragen des Glaubens und der Moral", betonte Johannes Paul II. Gegenüber der Presse meinte Williams, dass er sich im Klaren sei, dass die Weihe von Homosexuellen auch Auswirkungen auf die Ökumene habe. Kurienkardinal Walter Kasper erklärte, die Akzeptanz praktizierender Homosexueller als anglikanische Priester bedeute einen Bruch in der gemeinsamen Verkündung der christlichen Ethik - ein Thema, bei dem in der Vergangenheit ein Konsens zwischen den Kirchen bestanden hätte.
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