
in Jugend
Ein Ort, der das Leben veraendern kann: Das ist der franzoesische Marienwallfahrtsort Lourdes fuer viele junge Menschen geworden. Ein Gespraech mit dem Bischof von Lourdes, Jacques Perrier.
Paris(Kipa/www.kath.net)
Der Bischof von Lourdes, Jacques Perrier, hat dazu eingeladen, das franzoesische Marienheiligtum Lourdes auch als Zentrum einer immer staerker werdenden Bewegung der Glaubenserneuerung junger Menschen zu entdecken. In einem Gesprach mit der oesterreichischen katholischen Nachrichtenagentur "kathpress" sagte Perrier, heute sei Lourdes fuer viele europaische Jugendliche - unter ihnen auch nicht wenige Nichtkatholiken - zu einem spirituellen Bezugspunkt wie Taize geworden.
"Lourdes ist fuer diese jungen Menschen ein Ort, an dem sie ueberwaeltigt sind von dem Eindruck so vieler Beter aus aller Welt, von der Schonheit der Liturgie, von der Stille der neuen, nur Betern geoeffneten Kapelle", so der Bischof. Zunehmend werde Lourdes zu einem "Ort der Lebensaenderung" fuer viele.
Lourdes sei heute auch kein Hindernis mehr fur die Oekumene, so Perrier. Es faenden in Lourdes sogar grosse oekumenische und interreligioese Dialog-Konferenzen statt. An der naechsten Tagung von 7. bis 9. Juni nehmen unter anderen der Praesident des Paepstlichen Rates fur den interreligioesen Dialog, Kardinal Francis Arinze, und der franzoesische juedische Theologe und Rabbiner Michel Serfaty teil. Im Zuge des heuer gefeierten Jubilaeums "100 Jahre Einweihung der Rosenkranz-Basilika Lourdes" (erbaut 1898-1901 vom damaligen Star-Architekten Leopold Hardy) finden in der Zeit bis November noch zahlreiche weitere internationale Grossereignisse statt.
Nach Taize ist Lourdes mittlerweile das zweitgroesste Jugendpilgerzentrum in Frankreich. Jedes Jahr kommen mehr als 100.000 Jugendliche, besonders aus Frankreich, Irland, Grossbritannien und Spanien, in den Heiligen Bezirk, wo sich 1858 die Marienerscheinungen ereigneten, die dem einfachen Maedchen Bernadette Soubirous zuteil wurden. Fur junge Menschen, die ihr Leben veraendern moechten und traumatische Erfahrungen wie Drogensucht und sexuelle Abhaengigkeit hinter sich lassen moechten, wurde von dem franzoesischen Theologen und Jugendseelsorger Yves Chalvet eine Liturgie der Tauferneuerung ("Liturgie des Wassers") entwickelt, die grossen Zuspruch findet. Es gehe um "eine neue Geburt mit Jesus Christus", so Chalvet. Die Jugendliche erlebten das Bad im Wasser der Lourdes-Quelle als "eine Reinigung von ihren Verwundungen".
Bischof Perrier hob hervor, dass der Weg zu einer Neubelebung des christlichen Glaubens im durch "Begeisterungslosigkeit und rein oekonomisches Denken" erstarrten Europa bei einem tiefen religioesen Erlebnis ansetzen muesse, wie es Lourdes biete. Im Blick auf das abgeschlossene Konsistorium der Kardinaele in Rom und die bevorstehende Weltbischofssynode sagte Perrier, die Aufmerksamkeit durfe nicht zu stark auf strukturelle Fragen der Kirche fixiert sein. Fuer die Kirche bestehe die Hauptschwierigkeit darin, dass sie versuchen muesse, Menschen anzusprechen, die der Dauermanipulation von aeusserst fragwuerdigen Fortschrittsidealen ausgesetzt seien.
Nach Meinung Perriers darf die Kirche der Konfrontation mit dem "Mainstream der Moderne" nicht ausweichen. Der Bischof erinnerte daran, dass auch die Wallfahrt nach Lourdes "mitten in einem Konflikt, in einer Polemik und in offener Anfeindung" gross geworden sei: "Auf der einen Seite das damals moderne Denken des Positivismus, auf der anderen Seite die verspotteten Anhanger eines ungebildeten Madchens, dem die Muttergottes erschienen war". Lourdes habe trotz Anfeindungen "seinen Weg gemacht", so der Bischof: "Und es ist heute in viel groesserem Ausmass ein Ort, der fur alle offen ist, als ein Ort der Polemik".
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