Der heilige Josef und die Gemeinschaft der Heiligen

2. Februar 2022 in Aktuelles


Franziskus: die Gemeinschaft der Heiligen hält die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden und im Himmel zusammen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“ (1 Kor 12,12-13).

Fünfte Generalaudienz des Jahres 2022 mit Pilgern und Besuchern in der Aula „Paolo VI“. Papst Franziskus setzte seine Katechesenreihe zum heiligen Josef fort. Die zehnte Katechese stellte er unter das Thema: „Der heilige Josef und die Gemeinschaft der Heiligen“.

In den Mittwochskatechesen der vergangenen Wochen, so der Papst, „haben wir uns der Gestalt des heiligen Josefs, zum einen über die wenigen, aber bedeutungsvollen Hinweise in der Heiligen Schrift, zum andern über die Zeugnisse seiner Verehrung seitens des Volkes Gottes, genähert“.

Diese Verehrung gelte nicht einem großartigen Helden oder einem prächtigen Bildnis, sondern sieht den Heiligen immer im Bezug zu Christus. In der Tat stehen die Heiligen in Verbindung zu Christus. Wir alle seien zur Heiligkeit berufen, aber unsere Heiligkeit sei immer Frucht der Liebe Gottes, die sich in Christus gezeigt habe.

Manchmal könne aksi sogar das Christentum in Formen der Frömmigkeit verfallen, die eher eine heidnische als eine christliche Mentalität widerzuspiegeln scheinen. Der grundlegende Unterschied bestehe darin, „dass unser Gebet und die Verehrung des gläubigen Volkes nicht auf dem Vertrauen in einen Menschen, ein Bild oder einen Gegenstand beruht, auch wenn wir wissen, dass sie heilig sind“.

Selbst wenn wir uns voll und ganz auf die Fürsprache eines Heiligen oder gar der Jungfrau Maria verließen, hat unser Vertrauen nur im Verhältnis zu Christus einen Wert. Und das Band, das uns mit ihm und untereinander verbindet, hat einen besonderen Namen: "Gemeinschaft der Heiligen". Es sind nicht die Heiligen, die Wunder wirken, sondern allein die Gnade Gottes, die durch sie wirkt.

Durch seine Liebe heilige uns Christus in unserem Elend und erlöse uns daraus. Durch Christus würden wir auch in eine Gemeinschaft geführt, wir bildeten einen Leib, und „wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit“ (1 Kor 12, 26).

Ebenso habe die Liebe einer Person auf die ganze Kirche ihre Wirkung. Diese Gemeinschaft der erlösten Sünder höre auch mit dem Tod nicht auf. Deshalb dürften wir die Heiligen um ihre Hilfe und ihren Schutz für unser Leben anrufen. Dies gelte besonders für den heiligen Josef, „denn Gott hat ihm das Wertvollste, was es gibt, anvertraut: Seinen Sohn und dessen Mutter. Wie sollte sich der heilige Josef nicht auch um uns und unsere Herzensangelegenheiten kümmern?“.

Die Freude und der Schmerz, die mein Leben berührten, beträfen alle, genauso wie die Freude und der Schmerz, die das Leben des Bruders und der Schwester neben uns berührten, auch mich beträfen. In diesem Sinne wirke sich auch die Sünde eines einzelnen Menschen immer auf alle aus, „und die Liebe eines jeden einzelnen Menschen wirkt sich auf alle aus“. Durch die Gemeinschaft der Heiligen „ist jedes Glied der Kirche auf eine tiefe Weise mit mir verbunden, und dieses Band ist so stark, dass es nicht einmal durch den Tod zerrissen werden kann“.

Die Gemeinschaft der Heiligen betreffe nämlich nicht nur die Brüder und Schwestern, die in diesem Augenblick der Geschichte neben mir stünden, „sondern auch diejenigen, die ihren irdischen Pilgerweg beendet und die Schwelle des Todes überschritten haben. Denken wir daran: in Christus kann uns niemand jemals wirklich von denen trennen, die wir lieben. Nur die Art und Weise des Zusammenseins mit ihnen ändert sich, aber nichts und niemand kann dieses Band zerreißen. Die Gemeinschaft der Heiligen hält die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden und im Himmel zusammen“.

Gott vertraue Josef das Kostbarste an, was er hat: seinen Sohn Jesus und die Jungfrau Maria. Der Gemeinschaft der Heiligen sei es zu verdanken, „dass wir uns durch den Namen, den wir tragen, durch die Kirche, der wir angehören, durch den Ort, an dem wir leben, den heiligen Männern und Frauen, die unsere Schutzpatrone sind, nahe fühlen“. Das sei das Vertrauen, das uns immer wieder anspornen üsse, wenn wir uns in entscheidenden Momenten unseres Lebens an sie wenden.

„Deshalb möchte ich diese Katechese mit einem Gebet an den heiligen Josef abschließen“ so Franziskus, „das mir besonders am Herzen liegt und das ich seit mehr als vierzig Jahren jeden Tag spreche:

Glorreicher Patriarch, heiliger Josef, dessen Macht Unmögliches möglich zu machen weiß, komm mir in diesen Momenten der Angst und der Schwierigkeiten zu Hilfe. Nimm die sehr ernsten und schwierigen Situationen, die ich dir anvertraue, unter deinen Schutz, damit sie eine glückliche Lösung finden können.

Mein geliebter Vater, mein ganzes Vertrauen ruht auf dir. Es soll nicht gesagt werden, dass ich dich vergeblich angerufen habe, und da du mit Jesus und Maria alle Dinge tun kannst, zeige mir, dass deine Güte so groß ist wie deine Macht. Amen.

Gegen Ende der Audienz wurde der Papst vom Geschrei eines Mannes gestört. Abschließend forderte Franziskus alle auf, für diesen "Bruder" mit seinen Problemen psychischer oder geistlicher Natur zu beten.

Die Pilger und Besucher sowie die Zuschauer und Zuhörer aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger deutscher Sprache. Der heilige Josef kann selbst das Unmögliche möglich machen. Vertrauen wir dem Nährvater Jesu alle Schwierigkeiten und Sorgen der Personen an, die uns begegnen. Heiliger Josef, bitte für uns.

 


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