„Ich wurde vom Erzbistum München glatt abgelehnt. Man schlug mir die Tür vor der Nase zu“

21. Februar 2022 in Interview


Joachim Heimerl spürte seine Berufung zum Priestertum: „Danach begann eine Odyssee von einem Bischof zum nächsten. Gute Erfahrungen habe ich leider nirgendwo gemacht. Doch dann geschahen wirklich zwei Wunder…“ KATH.NET-Interview von Petra Lorleberg


Wien (kath.net/pl) „Der Regens teilte mir im Namen von Kardinal Reinhard Marx recht apodiktisch brieflich mit, kranke Kandidaten könnten nicht aufgenommen und noch weniger geweiht werden. Punkt, aus, keine Chance. Dass ich trotz meiner Krankheit immer voll berufstätig gewesen war, zählte gar nichts. Man schlug mir die Tür vor der Nase zu. Es gab keinerlei Empathie, und auch von der „Inklusion“ Kranker und Behinderter schien man nicht gehört zu haben oder sie wenigstens nicht ernstzunehmen, jedenfalls dann nicht, wenn es um Priesterberufungen geht.“ So beschreibt der Wiener Priester und Oberstudienrat Dr. Joachim Heimerl im großen KATH.NET-Interview seine Erfahrungen, als er sich in seinem Heimatbistum München konkret auf den Weg zum Priestertum machen wollte. Nach einer langen Reihe von Ablehnungen fand er endlich jemanden, der seine Berufung ernst nahm: der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn.

Unsere kath.net-Leser kennen den Wiener Priester Heimerl bereits aus seinen Beiträgen für „kath.net“, in denen er sich vor allem mit der aktuellen Lage der Kirche auseinandersetzt. Heimerl, der zunächst Germanistik und Geschichte studiert hatte, ist seit seiner Priesterweihe Seelsorgsmithilfe am Wiener Stephansdom und unterrichtet an einem Gymnasium. Vor dem Hintergrund der letzten Sitzung des sogenannten „Synodales Weges“ in Deutschland haben wir das folgende Interview mit geführt.

kath.net: Auf dem Synodalen Weg will man die Zugänge zum priesterlichen Amt und das Priestertum völlig verändern. Könnten Sie kurz Ihren eigenen Weg zum Priestertum beschreiben?

Dr. Joachim Heimerl: Ich wusste von Jugend auf, dass ich Priester werden sollte. In meinem ersten Jahr als Ministrant habe ich das während der Feier der Osternacht ganz klar gespürt. In Medjugorje hat sich das dann noch einmal gefestigt. Allerdings hatte ich in den entscheidenden Jahren um die Matura keine geistliche Begleitung und – leider – unterschiedliche Studieninteressen. Obwohl ich gewusst habe, dass das Priestertum mein Weg sein sollte, habe ich dann zunächst Germanistik und Geschichte studiert, daneben immer auch Theologie – und habe schließlich über Goethe promoviert. Nach Jahren der Arbeit in der Forschung und der Lehrtätigkeit an der Universität und am Gymnasium wurde der ursprüngliche Ruf zum Priestertum dann aber wieder immer lauter. Inzwischen war ich allerdings sehr krank geworden, und es stellte sich heraus, dass es schwierig war, mit einer schweren und obendrein unheilbaren Krankheit noch Priester zu werden.

kath.net: Welche Erfahrungen haben Sie auf diesem Weg gemacht?

Heimerl: Zunächst leider sehr schlechte.

Die Familie Heimerl-Heimthal stammt zwar aus Wien und lebt seit 400 Jahren dort, aber ich bin in der Erzdiözese München aufgewachsen. So bat ich damals zuerst im Münchener Priesterseminar um Aufnahme.

Der Regens teilte mir im Namen von Kardinal Marx recht apodiktisch brieflich mit, kranke Kandidaten könnten nicht aufgenommen und noch weniger geweiht werden. Punkt, aus, keine Chance. Dass ich trotz meiner Krankheit immer voll berufstätig gewesen war, zählte gar nichts. Man schlug mir die Tür vor der Nase zu. Es gab keinerlei Empathie, und auch von der „Inklusion“ Kranker und Behinderter schien man nicht gehört zu haben oder sie wenigstens nicht ernstzunehmen, jedenfalls dann nicht, wenn es um Priesterberufungen geht.

Dass es so etwas in der Kirche, die mir ein Leben lang Heimat war, geben konnte, schien mir unfassbar zu sein. Und das ist es, wenn ich daran denke, bis heute. Damals war der Begriff „Klerikalismus“ noch nicht in aller Munde, auch wenn es auf diese Erfahrung passen würde; ich selbst verwende diesen negativen Begriff allerdings prinzipiell nicht.

Danach begann eine Odyssee von einem Bischof zum nächsten. Gute Erfahrungen habe ich leider nirgendwo gemacht, die Münchener Erfahrung setzte sich mehr oder minder fort. Doch dann geschahen wirklich zwei Wunder, anders kann ich es nicht sagen:

In Padua betete ich am Grab des Heiligen Leopoldo Mandic und erhielt dort auf einen Schlag die sichere Gewissheit, ich würde Priester werden. Ich hatte keine Ahnung, wie und wo, aber ich hatte überhaupt keine Zweifel mehr: Es würde einen Weg geben.

Kurz vor Ostern war ich dann einige Zeit später in Rom, wo ich damals sehr oft war. Während der Frühmesse in Sta. Maria sopra Minerva erhielt ich den inneren Impuls, mich nach unserer Heimat Wien zu wenden, und zwar an Dr. Ignaz Hochholzer, der Priester und Arzt im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder war und den ich von Medjugorje her kannte. Mir war ganz klar: In Wien würde sich mein Weg erfüllen, und so kam es auch.

Dr. Hochholzer stellte mich Kardinal Schönborn vor – und dann geschah das Unfassbare, das alle Wunden, die man mir in München und anderswo geschlagen hatte, auf der Stelle heilen ließ: Kardinal Schönborn nahm mich in seiner großen Güte und mit seinem weiten Herzen als Priesterkandidat an und gab mir die Möglichkeit, auf einem sehr individuellen Weg zum Priestertum zu gelangen. Im Juli 2018 empfing ich aus seiner Hand in der Klosterkirche der Barmherzigen Brüder die Diakonen- und im Jahr darauf die Priesterweihe.

kath.net: Kardinal Marx hat in der "Süddeutschen Zeitung" den Zölibat jüngst als "prekär" beschrieben, weshalb er jungen Männern diese Lebensform nicht empfehlen könne. Teilen Sie diese Auffassung?

Heimerl: Auf gar keinen Fall! Der Zölibat gehört zu den Grundmerkmalen des Priestertums in der lateinischen Kirche. Er ist weder eine „Pflicht“ noch ein bloßes „Gesetz“, sondern er ist Zeichen der Erwählung und Ausdruck der Hingabe an den Herrn, der ja selbst in dieser Lebensform gelebt hat. Welche andere Lebensform könnte für einen Priester passender sein, als die seines Herrn und Meisters?

Dass ein Bischof wie Kardinal Marx den Zölibat „prekär“ nennt, ist völlig unverständlich. Noch unverständlicher ist es, wenn er in diesem Sinn auf seine Seminaristen einwirkt.

Wer will denn da bitte noch Priester werden, wenn ihm selbst der Bischof mehr oder minder deutlich – von der eigenen Lebensform – abrät? Von jedem Bischof und von jedem Priester darf man doch erwarten, dass er den Zölibat, den er frei gewählt und versprochen hat, entschieden verteidigt. Wer soll das denn inmitten einer säkularen Welt sonst tun, wenn nicht wir selbst?

In Wien habe ich selber dagegen völlig andere Erfahrungen gemacht, nämlich die, dass Kardinal Schönborn die Kandidaten immer bestärkt und geführt hat, auch und gerade durch sein persönliches Lebenszeugnis. Für mich selbst wie für viele andere ist er ganz klar ein bleibendes Vorbild, und ich denke, genau so muss es auch sein.

kath.net: Worin sehen Sie die Gefahren, wenn man den sogenannten "Pflichtzölibat" abschaffen würde?

Heimerl: Zunächst einmal würde man einen „Markenkern“ des Katholischen aufgeben, von der Lebensform Jesu ganz zu schweigen. Stattdessen würde das Priestertum ein Beruf wie jeder andere werden, vor allem ein Beruf für kirchliche Funktionäre, was nur abträglich sein kann.

Außerdem ist zu bedenken, dass der Zölibat schon immer bis auf die Apostel selbst zurückgeführt worden ist.

In der ganzen frühen Kirche waren die (verheirateten) Kleriker zur Enthaltsamkeit verpflichtet, wenigstens vor der Feier der Eucharistie, die damals meist noch keine tägliche war. Eine ganz ähnliche Praxis gab es übrigens lange davor schon im jüdischen Tempeldienst. Auch hier mussten die Priester für die Zeit ihres Dienstes enthaltsam sein.

Natürlich ist diese Praxis kultischer Enthaltsamkeit relativ schnell aufgeweicht worden. Im frühen Mittelalter waren die einfachen Priester dann meist bereits alle verheiratet, dies allerdings mit verheerenden Folgen bis hin zu sittlichen Verwahrlosung des Klerus, die man erst mit der Einführung des verpflichtenden Zölibats korrigieren konnte.

Mit anderen Worten: Wenn man den Zölibat abschafft, wird das nicht zur Heiligung des Priesterstandes beitragen. Im Gegenteil.

Ich will nur ein Beispiel nennen: Verheiratete Priester sind – zumal in der heutigen Zeit – möglicherweise bald geschiedene Priester. Was macht man dann? Kann ein geschiedener Mann Priester sein, womöglich wiederverheiratet? Wohl kaum, es sei denn, man weicht das Ehesakrament dann auch noch auf.

Kurz und gut: Ohne Zölibat haben wir noch mehr Probleme als zuvor. Und wenn ich daran denke, dass der allergrößte Teil der Missbrauchstäter verheiratete Männer sind, sehe ich bei verheirateten Priestern auch diesbezüglich keinen angeblichen „Mehrwert“ – eher im Gegenteil.

kath.net: Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach für den Priestermangel?

Heimerl: Zuerst würde ich sagen: Wir haben keinen Priestermangel, sondern einen Mangel an Gläubigen, denn Berufungen entstehen ja nicht im glaubenslosen Vakuum.

In dem Moment, in dem wieder mehr Menschen glauben, wird es auch wieder mehr Berufungen geben. Das sieht man in anderen Erdteilen ganz klar.

Aus diesem Grund braucht es das, was der Heilige Vater sagt: Evangelisierung – und sonst nichts.

Allerdings habe ich den wachsenden Eindruck, dass man in Deutschland einfach nicht begreifen will, was das bedeutet. Der „Synodale Weg“ jedenfalls hat mit Evangelisierung gar nichts zu tun, und er wird in seiner priesterfeindlichen Grundhaltung ganz sicher nicht zu mehr Priesterberufungen führen, weit eher zum Gegenteil.

Ich denke, der Priestermangel ist zu einem guten Teil „hausgemacht“, auch wenn man das in kirchlichen Kreisen vielleicht nicht gern hört. Was ich selbst in München erlebt habe oder was Kardinal Marx in dem Interview gesagt hat, das zeigt doch ganz deutlich, dass es in etlichen Diözesen gar keine wirkliche Sorge um die Kandidaten gibt, am wenigsten seitens des Bischofs. Berufungen müssen aber gehegt und gepflegt werden, und gerade das ist in nicht wenigen Priesterseminaren nicht oder eben viel zu wenig der Fall, besonders wohl in Deutschland. Ich selbst habe oft den – freilich subjektiven aber evidenten – Eindruck gehabt, dass man dort nicht in erster Linie darum bemüht ist, den Einzelnen auch durch Schwierigkeiten zum Priestertum zu führen, sondern dass im Gegenteil oft der kleinste Anlass genügt hat, um ihn aus dem Seminar zu entlassen, was übrigens meist bedeutet, dass er nirgendwo anders mehr aufgenommen wird.

Ein befreundeter Priester aus München hat mir erst kürzlich erzählt, wie schrecklich seine Zeit im Priesterseminar gewesen sei. Innerhalb weniger Jahre habe man recht willkürlich an die zehn Kandidaten entlassen, und er hat hinzugefügt: „Das waren alles Leute, die eine ganz klare Berufung gehabt haben und die auch Priester werden wollten und sollten. Sie waren aber unerwünscht.“

Ein junger Mann hat mir berichtet, dass man ihn wegen zu „großer Frömmigkeit“ schon nach einem halben Jahr aus einem Seminar entlassen habe – auch das gibt es und das wohl gar nicht so selten. Dabei weiß eigentlich jeder Lehrer, dass man niemand nach einem halben Jahr abschließend beurteilen kann und darf. Leere Seminare können bei derlei Vorgehensweisen dann aber kaum noch überraschen.

Wieder ein anderer Mann hat mir – ebenfalls aus Deutschland – berichtet, er sei vor zwanzig Jahren kurz vor Abschluss der Diplomarbeit aus dem Seminar entlassen worden. Zwanzig (!) Jahre später hat er anderswo um eine zweite Chance gebeten, sogar mit Hilfe eines Weihbischofs, er hat sie aber unter Hinweis auf seine vormalige Entlassung dann gar nicht erst bekommen.

Ich würde sagen: Eine zweite Chance ist ja noch keine Weihe, und wenn es bei dieser Art von grundsätzlicher Chancenlosigkeit bleibt, ist das einfach nur problematisch – oder eben „prekär“, wie es Kardinal Marx dann zurecht nennen würde. Die Methode „lieber gleich abweisen anstatt es nochmal zu versuchen“ steht gerade der Kirche am wenigsten an, ist aber scheinbar eine recht gängige Praxis. Und genau das müsste sich unbedingt ändern.

Auf der anderen Seite gibt es sehr hoffnungsvolle Seminare, die sich wieder füllen und sogar übervoll sind, etwa in Toulon, wo sich der Bischof selbst sehr intensiv um die Seminaristen kümmert. Auch aus Wien kann ich hier nur Positives berichten. Kardinal Schönborn ist für die Seminaristen wirklich wie ein Vater. Er lädt sie zu sich ein, feiert die Heilige Messe mit ihnen, und hilft jedem, wo es nur geht. Er hat ein offenes Ohr und auch ein offenes Herz. Das ist das „Erfolgsrezept“. Wenn es dagegen keine echte geistliche Atmosphäre in den Seminaren und keinen väterlichen Bischof gibt, gibt es auch im schönsten und traditionsreichsten Seminar keine Kandidaten – und halt auch keine Priesterweihen. Sehr betonen möchte ich hier das „Echte“ – ein rein äußeres Rahmenprogramm, das es ja überall gibt, genügt da weitaus nicht.

Was letztlich zählt, sind immer nur authentische Vorbilder. Das müssen wir Priester sein und das muss auch jeder Bischof sein. Ich denke in Deutschland sind hier gerade Bischöfe wie beispielsweise Stephan Oster/Passau und RudolfVoderholzer/Regensburg zu nennen, die einfach durch ihre Stärke, Unangepasstheit, Geradlinigkeit und Glaubensfestigkeit junge Männer beeindrucken. Und genau das braucht es ja vor allem: priesterliche Identifikationsfiguren und Vorbilder. Ausdrücklich nennen möchte ich hier übrigens auch Kardinal Müller, der mich selber schon als Theologieprofessor in München beeindruckt hat; das ist bis heute so geblieben.

Ich selbst bin vor allem zutiefst dankbar dafür, dass ich Kardinal Schönborn begegnen durfte. Er ist in meinen Augen ein authentisches Vorbild als Priester und Bischof. Sein Beispiel hat mir von Anfang an stumm und schlicht gezeigt, wie ein Priester sein soll – im Umgang mit dem Herrn und im Umgang mit den Menschen. Auch wenn ich selber dieses Ideal wohl nie erreiche, bleibt es mir unvergesslich und es bleibt mir auch ein Ansporn. Auch Dr. Ignaz Hochholzer, der mich in Wien begleitet hat, ist so ein Vorbild gewesen, gerade in seinem hingebungsvollen Dienst als Priester und Armenarzt – und ich könnte noch weitere nennen.

kath.net: Der "Synodale Weg" empfiehlt verheiratete Priester, sog. "viri probati", außerdem Priester mit einem Zivilberuf. Sie selbst sind Oberstudienrat und unterrichten als Priester an einem Gymnasium. Was sagen Sie zu dieser Empfehlung?

Heimerl: Dass es Priester mit einem Zivilberuf geben soll, ist im Grunde nichts Neues. Die hat es immer gegeben, etwa als Lehrer oder Professoren, in den letzten Jahrzehnten auch als Ärzte etc.

Natürlich müssen es Berufe sein, die mit dem Wesen und der Würde des Priestertums vereinbar sind. Das sind vor allem Berufe im Lehr- und Wissenschaftsbereich oder eben in der Caritas oder in der kirchlichen Verwaltung.

Allerdings ist es nie leicht, eine Doppelfunktion zu haben, das merke ich selber, und irgendwo auch eine doppelte Rolle. Das ist schon für uns zölibatäre Priester im Schuldienst nicht einfach. Für verheiratete Männer ist es meines Ansicht nach völlig unmöglich, einem Beruf, einer Familie und dann auch noch dem Priestertum voll gerecht zu werden, denn eines ist auch hier klar: Ein „Priestertum light“ gibt es eben nicht. Hinzu kommt: Voraussetzung für das Priestertum ist ein umfassendes spirituelles Leben und ein Leben des Gebetes, das innerhalb einer Familie und eines Zivilberufes in diesem Umfang kaum zu führen ist. Priester ist man eben immer und zu 100 Prozent, auch in einem „Zivilberuf“. Insofern halte ich den Vorstoß des „Synodalen Weges“ für absolut nicht tragfähig und auch nicht für lebensfähig, erst recht nicht für verheiratete Männer.

Meiner Ansicht nach müsste man an einem ganz anderen Punkt ansetzten, nämlich an dem, dass sich Berufungen auch verwirklichen können. Es ist ja nicht so, dass es keine Berufungen mehr gibt; sie haben sich nur verändert. Der klassische Seminareintritt nach der Matura ist nicht mehr die Regel. Stattdessen gibt es immer mehr Berufungen jenseits der 30 oder 40. Und diesen Männern muss man helfen, berufsbegleitend zum – zölibatären – Priestertum zu gelangen, wenigstens in der Anfangsphase, in der ja immer vieles unsicher bliebt. Das gegenwärtige System ist hier viel zu starr und im Grunde auch völlig antiquiert. Leider scheint es hier aber den wenigstens Reformwillen zu geben. Lieber knackt man den Zölibat – und mit ihm den Rest dessen, was von der Radikalität des Evangeliums noch sichtbar ist, wenigstens in der breiten Öffentlichkeit.

kath.net: Was halten Sie vom Vorschlag des "Synodalen Weges", dass das Weiheamt "allen Geschlechtern" offenstehen soll?

Heimerl: Auch wenn man es nicht gerne hört: Diese Frage ist lange und endgültig entschieden. Ein Priestertum der Frau kann es nicht geben, weil die Kirche dazu keine Vollmacht hat. Natürlich gilt das auch für den Diakonat, den man nicht vom dreistufigen Weihesakrament abkoppeln kann, um ihn dann als „eigenes Sakrament“ für Frauen zu öffnen.

Das kann man drehen und wenden, wie man will. Der „Synodale Weg“ biegt sich hier die merkwürdigsten Theorien zurecht, indem man etwa behauptet, es gäbe keine Tradition, die die Frauenweihe verbietet – als ob 2000 Jahre keine Tradition wären!

Aber hier geht es längst nicht mehr um Argumente, sondern um reine Ideologie. Das sieht man schon an der Wendung „alle Geschlechter“, die der „Synodale Weg“ gebraucht. Bitte: Wie viele Geschlechter soll es denn geben? Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen, wie jeder weiß, daran ändern auch sogenannte „human­wis­senschaftliche Erkenntnisse“ und eine abwegige Theologie nichts. Natürlich gibt es Menschen mit „Geschlechtsdysphorie“. Aber auch Probleme des Einzelnen mit seiner geschlechtlichen Identität ändern nichts daran: Es gibt zwei Geschlechter, und nur ein getaufter Mann kann gültig die Heiligen Weihen empfangen. Das ist keine Diskriminierung, sondern die Schöpfung Gottes und der Stiftungswille Christi selbst.

Frauen haben eine eigene, große Berufung in der Kirche, die am schönsten die Kleine Therese von Lisieux ausgedrückt hat: „Meine Berufung ist die Liebe!“ Und um das geht es: In der Liebe bleiben, bei Christus selber bleiben. Das müssen wir alle, und wenn wir das tun, können wir gar nicht „diskriminiert“ sein. Aber das Gefühl „diskriminiert“ zu werden, ist Teil der antikirchlichen Ideologie des „Synodalen Weges“. Wenn man dort die Diskussionen verfolgt und wenn man die einschlägigen Papiere liest, dann sieht man sehr schnell, dass das Priestertum hier nicht nur seinem Wesen nach nicht mehr verstanden wird, sondern dass man ihm neuheidnische Ideologien überstülpen will, etwa die Genderideologie, die im Übrigen der Heilige Vater sehr deutlich verurteilt hat.

Am Ende dieses Interviews habe ich noch eine Bitte, nämlich die Bitte nach dem Gebet für die Priester und um Priesterberufungen. Ich bitte aber auch alle kath.net-Leser ganz entschieden für die Kirche und ihre Priester öffentlich tapfer einzutreten und sich vom Mainstream nicht einschüchtern zu lassen. Wir alle sind heute mehr als je zuvor dazu gerufen, Christi Zeugen in einer heidnischen, kirchenfeindlichen Welt zu sein - und in einer Kirche, die wenigstens in Deutschland am Scheideweg steht.


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