
7. Juni 2004 in Jugend
Johannes Paul II. brachte den jungen Schweizern genau das, was sie brauchen: Jesus. Persönliche Impressionen vom nationalen Jugendtreffen in Bern von Reto Beeler.
Bern (www.kath.net)Als unser Heiliger Vater letztes Mal die Schweiz besuchte, war ich halb so alt wie heute. Damals war für mich klar: Ich bin katholisch und der Glaube ist wichtig für mich. Aber der ganze Rummel um den Papst - nein, damit konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Und jetzt, nach vielen Jahren, kam Papst Johannes Paul II. wieder in die Schweiz. Ich bin froh, dass ich mein Versäumnis von damals wettmachen konnte.
Allein schon die Rede unseres Papstes zur Eröffnung des Jugendtreffens hat sich gelohnt. Tiefe Worte die ins Herz gehen,gesprochen von einem Mann, der durchtränkt ist vom Glauben, der sich anstrengen muss zu sprechen, der aber ein einziges lebendiges Zeugnis ist dafür, dass sich der Glaube an Jesus Christus lohnt. Ein Westschweizer Priester hat mir gesagt: "Er macht das, was wir von ihm erwarten: Er bringt uns Jesus. Genau das ist es, was wir brauchen."
Diesmal war es für mich klar, als ich hörte, der Papst komme: Da möchte ich hin! Und nun bin ich also in Bern am ersten katholischen Jugendtreffen der Schweiz - sogar ausgerüstet mit einem Presse-Pass, denn die Umstände haben es ergeben, dass ich bei einem katholischen Radio mithelfe, welches in der Zentralschweiz aus Anlass des Papstbesuchs für einen Monat sendet.Bei meiner Ankunft am Samstagmorgen war es noch etwas chaotisch. Die Presseakkreditierung klappte zwar einwandfrei, aber ich hatte noch Material für einen Stand, und niemand konnte mir sagen, wo das genau hingehört.
Dafür treffe ich in der Halle schon sofort auf eine Bekannte, eine junge Frau aus unserer Nachbarrpfarrei, die beim Aufbau mithilft und mit vielen andern jungen Freiwilligen schon seit Donnerstagabend auf demBerner Messeareal ist. Sie ist jetzt schon begeistert von dem, was siehier bisher erlebt hat. Es herrscht eine gute Stimmung.
Am Nachmittag dann Pressekonferenz. Man weiss noch nicht genau, wievieleJugendliche kommen werden. Sicherlich mehr als die erhofften 10.000.Schlussendlich sind es dann über 14.000, da sich viele erst amVeranstaltungstag eine Eintrittskarte gekauft haben. Es gibt eine kleineDemo mit 150 Teilnehmern in der Stadt - das ist in unsererBundeshauptstadt, wo fast jeden Samstag demonstriert wird, nicht viel mehrals ein Privatanlass.
Zuerst besuche ich die Stände der katholischen Organisationen undGemeinschaften. Ermutigend, welche Vielfalt es gibt, auffällig auch diegute Westschweizer Präsenz. Ich führe einige interessante Gespräche, macheAufnahmen fürs Radio, gebe Situationsberichte live übers Telefon durch. Inder BernArena ist in der Zwischenzeit das "Eröffnungsspektakel" in vollemGang. Ein fetziges Konzert der Gruppe Aquero reisst die Leute mit. Werfranzösisch versteht, merkt, dass diese "Blues Brothers de Dieu" denRetter Jesus Christus verkünden.
Dann kommt der erwartete Moment: Papst Johannes-Paul II. wird auf einemStuhl hereingefahren. Ich bin tief bewegt, von der Begrüssung durch dreiJugendliche, die auf Französich, Italienisch und Deutsch ein kurzesGlaubenszeugnis ablegen. Bewegt vor allem, weil alle vom offiziellen Textabweichen und den Heiligen Vater herzlicher begrüssen. "uno fra di noi,uno per noi, uno di noi" (einer unter uns, einer für uns, einer von uns)sagt der Tessiner. Und die Deutschschweizerin: "Ich versichere Ihnen imNamen der Jugendlichen der Deutschschweiz, dass wir für Sie beten."
Dann spricht der Heilige Vater. Es fällt ihm nicht leicht, und er ist auchnicht immer gut zu verstehen. Doch seine Rede auf Deutsch, Französisch undItalienisch ist für mich der Höhepunkt dieses Treffens. Da spricht eintiefgläubiger alter und kranker Mann mit einer reichen Lebenserfahrung. Erruft dazu auf, aufzustehen und Jesus nachzufolgen, denn Jesus ist dieWahrheit, die uns frei macht.
Das Christentum ist keine Ideologie und keinWertesystem sondern eine Person. Jesus gibt unserem Leben Sinn. Auf ihnsollen wir hören und unser Leben mit ungeteiltem Herzen Jesus Christus undder Kirche schenken. Er wisse sehr wohl, dass dieser Vorschlag für unsbeängstigend sei, aber er wolle uns dazu ermutigen, denn es sei schön,sich bis zum Ende der Sache Gottes hinzugeben.
Immer wieder minutenlanger, tosender Applaus. Da sitzt einer, der sich biszum Ende der Sache Gottes konsequent hingibt. Er gibt uns seinVermächtnis. Einmal ist er fast zu schwach, das Blatt zu wenden. Als manihm aber das Blatt aus der Hand nehmen will, da richtet er sichblitzschnell auf, ein kurzer, energischer Schlag mit der Hand auf dasBlatt und er ist wieder voll da. Energisch auch der Schluss seiner Rede:"Christus ist es, der zu euch spricht. Ascoltatelo! (Hört auf ihn!)
Nach der Eröffnung mache ich Aufnahmen von der Katechese mit BischofAmédée Grab von Chur. Er vertieft einzelne Punkte der Papstrede. "Wisstihr eigentlich, wofür ihr geklatscht habt?" fragt der Bischof dieanwesenden Jugendlichen. Auf einen Punkt, der ihm gefällt, geht er nochbesonders ein: die Beichte, etwas das bei uns gar nicht modern ist. Undnach seiner Rede meldet sich spontan eine junge Frau und sagt vor allen,dass sie das Beichtsakrament nur empfehlen könne, und berichtet von einergrossen, befreienden Erfahrung, die sie damit in Medjugorie erlebt habe.
Unterdessen sind die Hallen randvoll. Feststimmung überall.Aufnahmen fürs Radio zu machen ist beinahe zwecklos - zuviel Lärm. Undunser Studio ist nicht mehr besetzt. Also kann ich mich etwas auf demGelände umsehen.In einer Halle werden Volkstänze getanzt, es finden Workshops statt, esgibt ein Konzert. Im Bischofsbistro höre ich eine interessante Diskussionzwisschen Weihbischof Martin Gächter von Basel und einem Vertreter derOrganisation "Wahre Liebe wartet". Zum Tagesabschluss gönne ich mir eineruhige Zeit bei eucharistischer Anbetung.
Das Jugendtreffen ist sehr vielfältig und interessant gewesen. Ich habegute Gespräche geführt mit Vertretern verschiedener Gemeinschaften. In derMenge bin ich auch immer wieder einmal plötzlich jemandemgegenübergestanden, denn ich kenne - oder ich habe eine Personkennengelernt, mit welcher ich schon übers Internet einmal Kontakte hatte.Wenn man wollte, konnte man sich ein reichhaltiges, gutes Programmzusammenstellen - oder man konnte einfach ausgelassen sein.
Es warenverschiedenartige Gruppen da: Gruppen von Firmlingen, Jugendgruppen vonGemeinschaften, Jugendliche von Pfarreien, die für diesen Anlass besondersWerbung gemacht haben. Meine persönliche Befürchtung vor diesemJugendtreffen war, dass es zu verweltlicht sein werde - zuviel Party,zu wenig Heiliger Geist. Ich bin froh, dass es nicht so war: Man konntebeides haben, wenn man wollte. In allem erlebte ich ein sehr gutesJugendtreffen.
Eines empfand ich aber als schade: Papst Johannes-Paul II.legt uns die Sakramente sehr ans Herz. Daher wäre es gut gewesen, ihnenauch organisatorisch einen besseren Platz einzuräumen: Beichte undeucharistische Anbetung hätte man an Orten anbieten sollen, die gutauffindbar sind. Und ein Raum mit Platz für vielleicht 150 Leute isteinfach zu klein für eine eucharistische Anbetung an einem solchenGrossanlass - gerade auch, weil unsere Westschweizer Gemeinschaftenerfreulicherweise die eucharistische Anbetung sehr pflegen.
Foto: (c) SIR
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