Fronleichnam. Das "vorkonziliare" und richtige Priesterbild

22. Juni 2022 in Kommentar


"Wenn ein Priester sich daneben benimmt, dann ist das kein Klerikalismus, sondern S√ľnde; mal mehr, mal weniger." - Ein Kommentar von Franz Norbert Otterbeck


Köln (kath.net)

Wenn zu Fronleichnam in einigen deutschen Städten noch Prozessionen mit guter Beteiligung des Volkes ziehen, dann vermitteln sie das richtige Priesterbild: Der Diener Christi konfrontiert die Straßen der Welt mit dem allerheiligsten Sakrament des Altares. Noch während des jüngsten Konzils hat Papst Paul VI. den überlieferten eucharistischen Glauben der Kirche festgeschrieben, in der Enzyklika 'Mysterium fidei' von 1965. Darin erklärt er den Begriff der Transsubstantiation (Wesensverwandlung) explizit für unverzichtbar, um den Glauben an das heilige Messopfer richtig zu erläutern. Wenn ein Papst sowas sagt, so verstehen das wichtigtuerische Theologen als direkten Appell, das Gegenteil zu tun. Seither wird der Begriff insbesondere in deutschen Landen heftig angeknabbert. Bei den Katechetinnen für den Kommunionunterricht kommt dann noch an "Jesus im Brot" (aber wo ist sie denn, die Rosine in der Oblate?). Und was glauben die Kinder? Vielleicht doch mehr als die Eltern. Falls einige, wenige Kinder doch noch Messdiener werden, hat der Pastoralreferent noch genug Zeit, ihnen die vormodernen "Irrtümer" auszutreiben.

Corpus Christi. "Wir halten daran fest." Welcher deutsche Bischof hat zum Fest des Herrenleibs so eindeutig gepredigt? Welcher Regens eines Priesterseminars hat an diesem Tag seine knapp über null Seminaristen in ihrer zukünftigen priesterlichen Berufung bestärkt? Oder doch lieber wieder Zweifel am "Priesterbild" genährt, anlässlich des tragischen Todes eines Mitbruders. Ende einer Dienstfahrt: Wer es gelehrt bekam, von den Konzilstexten nur die modernen Passagen gelten zu lassen, die notwendig antimodernen Aussagen aber zu ignorieren, der konnte auch das umfangreiche nachkonziliare Schaffen der bedeutenden Päpste bis 2013 nicht wirklich ernstnehmen. Diese unvollendet ausgebildeten Ausbilder richten dann in der Priestererziehung ein emotionales, seelisches und theologisches Chaos an, das direkt in die Sackgasse führt, sogar oft wissentlich. Denn die Generation, die der jetzt resignierenden Priestergeneration vorausging, die wusste doch, dass ihre deutsche Hermeneutik in Rom und der Weltkirche keinen Zuspruch findet. Nicht etwa, weil die deutsche Entwicklung "voraus" sei, sondern weil sie falsch ist.

Fronleichnam ist der richtige Tag, um über das katholische Priestertum nachzudenken. Es kann vom Altarssakrament losgelöst nicht existieren. Aber wir blicken auch schon voraus auf das Herz-Jesu-Fest: Ähnlich wichtig ist der Priester als Ausspender der Barmherzigkeit Gottes, im Bußsakrament. Beide zentralen Sakramente für das innere Lebens des Christen aktivieren die Taufgnade. Die Buße heilt den Abrieb der Gnade, auch durch lässliche Sünden, um die Eingliederung der Seele in den mystischen Leib Christi, der die Kirche ist, immer weiter fortzusetzen, bis hinein in die ewige Teilnahme an der göttlichen Herrlichkeit.

Dem eiligen Leser könnten diese Aussagen konfus oder verwirrt vorkommen, insbesondere wenn das innere Band an das Priestertum Christi bereits abgerissen ist oder das Laienapostolat weniger fromm und mehr lebenslustig entworfen wurde. Aber diese Sätze sind richtig. Die Kirche hat sie uns gelehrt, damals noch nicht entleert. Ein nicht zu geringes Mindestmaß an "Überhöhung" ist für das katholische Priesteramt unverzichtbar. Den Ausweg aus der Missbrauchskrise, die überwiegend eine Krise der stümperhaften, fehlgeleiteten Aufarbeitung ist, bietet auch nur die Aufwertung des Priesters an,  als "heiliger Mann" und Zuspitzung dieses Profils: Priester auf ewig! Daran sind im Erzbistum Köln vielleicht viel viel mehr Männer interessiert gewesen als das Collegium Albertinum überhaupt aufnahm; die dortigen Zahlen sind aber auch heute noch besser als anderswo. Schon mit der Aufnahme bzw. Abweisung machte man Konfessionspolitik. Das "rosa Borromaeum" in Münster war mir immer suspekt, von Jugend auf. Aber bei allem berechtigten Argwohn hat auch mich die jüngst publizierte "Akte Münster" überrascht. Man ahnte Einiges, aber "so viel" dann doch nicht. Es gibt anscheinend weniger Priestermangel als mangelhafte Priester.

Die x-te Neudefinition des "Priesterbildes" wird aber gar nichts nützen, auch nicht die Einebnung der Hierarchien, selbst dann nicht, wenn der aufrechte Katholik auf dem Lande oder die tapfere Katholikin in der Stadt von heute auf morgen erleben können, dass die mitunter so gern unfairen Klein-Hierarchen ihren eigenen Zorn immer für heilig und gerecht erachten. Denn es liegt kein Klerikalismus vor, wenn sich ein Priester daneben benimmt. Das ist auch einfach nur Sünde, mal mehr, mal weniger. Die gottgewollte Gliederung der Kirche muss an ihren heiligen Ursprung wieder näher herangeführt werden, anstatt eingebettet in mehr und noch mehr Bürokratien und falschen, vorgetäuschten Parlamentarismus. Wir engagierten Laien dulden viel, üben aber auch Gewissenserforschung, korrigieren eigene falsche Haltungen, üben neue Wege ein, wo notwendig. "Kehrt um und glaubt, erneuert die Welt!" Unverständlich bleibt uns aber, wenn Priester zwar nicht explizit glauben, aber so leben, als mache die Priesterweihe sie zur Sünde unfähig; und alle ihre kleinen und großen Missetaten brauchten keine "Strafe Gottes" zu fürchten. Denn wie Gott ist, das bestimmt die moderne Theologie? Wenn ein Priester eine Person übermäßig angreift, wiewohl sie keinerlei "Influencer" ist, weder im Großen noch im Kleinen, es kam daher bei mir auch nur selten vor, so gebietet es der Respekt vor der besonderen Würde, nicht mit gleichen Waffen zurückzuschlagen. Aber manchmal muss man sich äußern dürfen, ohne dass eine nur sehr deutliche Kritik, die niemanden beleidigt, sofort als "Kritiksucht" abgetan wird.

Das Wesen des Priestertums ist gottgegeben, nicht selbstverliehen. Aber wer sich im Amt lächerlich macht oder sogar kriminell wird, der muss die Konsequenzen genauso tragen, wie der "antiklerikale" Kritiker, oder auch "antideutsche", der übers Ziel hinausschießt. Die Gesamtsumme der klerikalen Missetaten, der so irreführend "nachkonziliar" genannten Epoche, vermag das Erfordernis nicht zu beseitigen, sondern bestärkt es, die Theologie des Priestertums von den Quellen her zu erneuern, insbesondere aus Askese und Gebet, und nicht aus dem Blickwinkel einer nur sozial-psychologischen Analyse. Gelobt sei Jesus Christus also im allerheiligsten Sakrament des Altares!


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