Veni creator Spiritus - Die Himmel erzählen von der Herrlichkeit Gottes

29. Mai 2024 in Aktuelles


Franziskus: die Heilsgeschichte - den Weg der Sonne vom Morgengrauen bis zum Nachmittag verfolgen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (Gen 1,1-2).

Einundzwanzigste Generalaudienz des Jahres 2024. Papst Franziskus begann nach seiner Katechesenreihe zum Thema der Tugenden und Laster einen neuen Zyklus mit dem Titel „Der Geist und die Braut. Der Heilige Geist führt das Volk Gottes zu Jesus, unserer Hoffnung“. Die heutige Katechese war dem Thema „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ gewidmet.

Im Alten Testament, im Buch Genesis, sei zu lesen, wie Gottes Geist im Anfang über den Wassern schwebte (vgl. Gen 1,1-2) – als jene geheimnisvolle Macht, welche das dunkle Chaos in Kosmos verwandle. Gottes Geist erweise sich in der gesamten Heilsgeschichte als der, der die göttliche Harmonie und Ordnung erhalte und wiederherstelle und so das Angesicht der Erde erneuere (vgl. Ps 104).

Auch die Neuschöpfung geschehe im Heiligen Geist, den der Auferstandene den Jüngern einhauche (vgl. Joh 20,22). „Veni Creator Spiritus – Komm, Schöpfer Geist“, so beteten wir auch heute, „kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein: Die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad.“

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„In diesen ersten Katechesen über den Geist im Alten Testament werden wir keine ‚biblische Archäologie‘ betreiben“, so der Papst: „Stattdessen werden wir entdecken, dass das, was im Alten Testament als Verheißung gegeben wird, in Christus vollständig verwirklicht worden ist. Es wird so sein, als würden wir den Weg der Sonne vom Morgengrauen bis zum Nachmittag verfolgen“.„Beginnen wir mit den ersten beiden Versen der gesamten Bibel: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (Gen 1,1-2). Der Geist Gottes erscheine uns hier als die geheimnisvolle Kraft, die die Welt aus ihrem anfänglichen formlosen, verlassenen und düsteren Zustand in ihren geordneten und harmonischen Zustand versetze. Mit anderen Worten: „Er ist es, der die Welt aus dem Chaos in den Kosmos, also. aus der Verwirrung in etwas Schönes und Geordnetes übergehen lässt. Das ist in der Tat die Bedeutung des griechischen Wortes ‚kosmos‘ und des lateinischen Wortes ‚mundus‘, das heißt etwas Schönes, Geordnetes und Sauberes“.

Diese noch vage Andeutung des Wirkens des Heiligen Geistes bei der Schöpfung werde in der folgenden Offenbarung präzisiert. In einem Psalm heiße es: „Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel geschaffen, ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes“ (Ps 33,6). Weiter: „Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde“ (Ps 104,30).

Diese Entwicklungslinie werde sehr deutlich im Neuen Testament, das das Eingreifen des Heiligen Geistes in die neue Schöpfung beschreibe und dabei genau die Bilder verwende, von denen man im Zusammenhang mit der Entstehung der Welt lese: die Taube, die bei der Taufe Jesu über dem Wasser des Jordans schwebe (vgl. Mt 3,16). Jesus, der im Abendmahlssaal die Jünger anhauche und sage: „Empfangt den Heiligen Geist“ (vgl. Joh 20,22), so wie Gott am Anfang Adam seinen Atem eingehaucht habe (vgl. Gen 2,7).

Der Apostel Paulus führe ein neues Element in diese Beziehung zwischen dem Heiligen Geist und der Schöpfung ein. Er spreche von einem Universum, das „seufzt und leidet wie in Geburtswehen“ (vgl. Röm 8,22). Es leide wegen des Menschen, der es der „Sklaverei des Verderbens“ unterworfen habe (vgl. V. 20-21). Das sei eine Realität, die uns sehr stark und dramatisch betreffe. Der Apostel „sieht die Ursache für das Leiden der Schöpfung in der Verderbnis und Sünde des Menschen, die sie in die Entfremdung von Gott hineingezogen hat“. Das gelte heute noch genauso wie damals. Wir sähen die Verwüstungen, die der Mensch an der Schöpfung angerichtet habe und weiterhin anrichte, vor allem in dem Teil der Schöpfung, der die größte Fähigkeit zur Ausbeutung ihrer Ressourcen besitze.

Der heilige Franz von Assisi zeige uns einen Ausweg, um zur Harmonie des Schöpfergeistes zurückzukehren: den Weg der Kontemplation und des Lobpreises. Der „Poverello“ habe die Absicht gehabt, dass ein Lobgesang auf den Schöpfer von den Geschöpfen angestimmt wwerdeird: „Laudato si’, mi Signore...“.

Die Himmel erzählten von der Herrlichkeit Gottes (vgl. Ps 18,2). Doch sie brauchten den Mann und die Frau, um diesem stummen Schrei eine Stimme zu geben. Im „Sanctus“ der Messe wiederholten wir jedes Mal: „Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit“. Sie gingen sozusagen „schwanger“ damit, aber sie brauchten die Hände einer guten Hebamme, um diesen ihren Lobpreis zu gebären. Unsere Berufung in der Welt, so erinnere uns Paulus erneut, bestehe darin, „Lob seiner Herrlichkeit“ zu sein (vgl. Eph 1,12). Es gehe darum, die Freude am Betrachten vor die Freude am Besitzen zu stellen. Niemand habe sich mehr an den Geschöpfen gefreut als Franz von Assisi, der keines von ihnen besitzen wollte.

Der Geist Gottes, der am Anfang das Chaos in den Kosmos verwandelt habe, sei am Werk, um diese Verwandlung in jedem Menschen zu bewirken. Durch den Propheten Ezechiel verspreche Gott: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt“ (Ez 36,26-27).

Denn unser Herz gleiche jenem verlassenen, dunklen Abgrund aus den ersten Versen der Genesis.: „In ihm regen sich gegensätzliche Gefühle und Begierden: die des Fleisches und die des Geistes. Wir alle sind in gewisser Weise jenes ‚in sich gespaltene Reich‘, von dem Jesus im Evangelium spricht (vgl. Mk 3,24)“. Es gebe ein äußeres Chaos - gesellschaftlich und politisch - und ein inneres Chaos in jedem von uns. Ersteres könne nicht geheilt würden, wenn wir nicht damit begännen, letzteres zu heilen:

„Möge diese Überlegung in uns den Wunsch wecken, den Schöpfergeist zu erfahren. Seit mehr als einem Jahrtausend legt uns die Kirche den Ruf auf die Lippen: ‚Veni creator Spiritus‘, komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein: Die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad“.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Pilger deutscher Sprache, das bevorstehende Hochfest Fronleichnam lädt uns ein, mit lebendigem Glauben den Leib und das Blut Christi anzubeten. Im Geheimnis der Eucharistie wird Christus durch das Wirken des Heiligen Geistes gegenwärtig, um immer bei uns zu bleiben und unser Leben zu verwandeln.

Die Pilger und Besucher aus Polen grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Ich grüße die Polen ganz herzlich. Einen besonderen Gedanken richte ich an die in Rom versammelten Pilger im betenden Gedenken an den seligen Kardinal Stefan Wyszyński. Möge der Primas des Jahrtausends für die Kirche in Polen und in der Welt ein Vorbild der Treue zu Christus und zur Muttergottes sein. Mögen wir von ihm Großherzigkeit lernen, wenn es darum geht, auf die Nöte unserer Zeit zu reagieren, einschließlich derer, die durch den Krieg in so vielen Ländern, besonders in der Ukraine, verursacht werden. Ich segne euch von Herzen.

Foto (c) Vatican Media

 


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