'Heiliger Vater möchte gern nach Köln kommen'

21. September 2004 in Jugend


Kardinal Meisner bei Pressekonferenz zum Weltjugendtag: "Wir wollen, dass der Weltjugendtag zu einem zentralen geistlichen Ereignis in diesem Land wird" - Ansprachen von Lehmann und Bode im Wortlaut


Das Statement von Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln:

Auf das Erzbistum Köln kommt mit dem XX. Weltjugendtag eine große Aufgabe zu, eine Aufgabe, die es weder vor noch seit der Ankunft der Heiligen Drei Könige in der Domstadt je gegeben hat. Wir sind zwar papstbesuchserprobt, aber die erwartete Menge junger Menschen für einen Zeitraum von sechs Tagen ist schon enorm. Die Vorbereitungen laufen gut und ich bin den zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Weltjugendtagsbüro dankbar für ihr Engagement. Wie Sie wissen, ist im Weltjugendtagsbüro seit einigen Wochen auch internationaler Flair eingetroffen – mit den ersten 49 Langzeitfreiwilligen aus den deutschen Bistümern und zwölf Nationen haben wir in Köln kräftig Verstärkung bekommen.

Im Erzbistum könnten wir nicht ohne einen hoch motivierten Stamm von jungen Menschen den Weltjugendtag in den Pfarrgemeinden bewältigen. Wir haben dazu so genannte "Kernteams" gegründet. Das sind die Zellen in den Pfarreien, die dort den Weltjugendtag vorbereiten und gleichzeitig die ersten Ansprechpartner für das Weltjugendtagsbüro sind. Mehr als 3.000 junge Leute arbeiten in diesen Kernteams mit und so haben wir schon jetzt deutlich gemacht: Es lohnt sich, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Verantwortung in den Pfarrgemeinden zu übertragen. Ich halte unsere Kernteams neben der bestehenden jugendpastoralen Arbeit für ganz entscheidende Multiplikatoren in der Zukunft unseres kirchlichen Lebens. Anfang Juli habe ich die Kernteams in Altenberg ausgesandt und Sie dürfen mir glauben: Da war etwas von Aufbruch zu spüren und das ermutigt auch den Erzbischof von Köln als Gastgeber.

Die Vorbereitungen laufen gut. Die leidige Frage eines neuen Geländes für Vigil und Abschlussmesse mit dem Heiligen Vater ist zwar noch nicht ganz gelöst, aber wir haben von Rom freie Hand in unserem Vorgehen. Nach wenigen Verhandlungstagen werden wir hoffentlich das Ergebnis vorstellen können. Dafür laufen die Planungen auf den Poller Rheinwiesen gut. In Kürze wird der Bauantrag offiziell eingereicht und unsere Generalplaner können ans Werk. Die vielen logistischen Aufgaben fordern uns heraus und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch alles schaffen werden. Für mich ist es begeisternd zu sehen, wie viele Initiativen es bundesweit und bei uns im Erzbistum gibt, um die Vorbereitung auf dem Weg zum Weltjugendtag auch betend zu begleiten. Am 21. August haben wir den Countdown mit einem Gottesdienst und einem ersten Probeessen eingeläutet. Im Chorraum unserer Kathedrale brennt jetzt die Weltjugendtagskerze, vor dem Dom wehen die Weltjugendtagsbanner und in Köln ist das Thema in der Öffentlichkeit gut präsent. Die Kooperation mit Städten, Land und der Bundesregierung läuft gut. Kürzlich gab es das jährliche Treffen aller deutschen Botschafter in Berlin, die dort vom Auswärtigen Amt einige Richtlinien für die weitere Arbeit erhielten. Ich finde, dass es schon ein beeindruckendes Zeichen ist, wenn der Außenminister und seine Staatssekretäre von sich aus auf den Weltjugendtag aufmerksam machen und die Eckdaten vor den Botschaftern erläuteren. Ich meine, das sind gute Zeichen der Zusammenarbeit.

Wir wollen, dass der Weltjugendtag zu einem zentralen geistlichen Ereignis in diesem Land wird. Deshalb bauen wir nicht nur Bühnen und Altäre, sondern wir werden diese Orte mit Leben, mit Geist füllen. Das geistliche Ereignis Weltjugendtag soll die Freude am Glauben demonstrieren, der Weltjugendtag soll zeigen, dass der Glaube in unserer Gesellschaft einen lebenswichtigen Platz hat. Mit dem Weltjugendtag geben wir ein öffentliches Bekenntnis, dass die junge Generation "Ja" zu diesem Glauben sagt. Ich bin fest überzeugt: Unsere Gesellschaft braucht solche Zeichen und wer kann die besser geben, als die junge Generation?

Der Heilige Vater hat mir oft gesagt, wie gerne er im nächsten Jahr nach Köln kommen wird. Wir beten, dass sein Gesundheitszustand das zulässt, der ja in den vergangenen Wochen, wenn ich es richtig sehe, stabil ist. Wir bauen auf den Heiligen Vater, weil er auf die jungen Menschen baut. Und wenn der Papst selbst den Jugendlichen zuruft, "Seid Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit", dann ist das sozusagen mit dem Leitwort "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten" (Mt 2,2) das Programm des Weltjugendtags und künftiger Weltjugendtage: Als Baumeister an der Zukunft mit zubauen und die Verehrung Gottes dabei nicht zu vergessen. Wer kann sich dieser Aufgabe verwehren?

Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann:

In 329 Tagen wird der XX. Weltjugendtag eröffnet. Deutschland und speziell das Erzbistum Köln werden dann im Focus des internationalen kirchlichen, gesellschaftlichen und natürlich auch des medialen Interesses stehen, wenn bis zu 800.000 junge Menschen gemeinsam mit Papst Johannes Paul II. Weltkirche in unserem Land lebendig werden lassen. Die Vorbereitungen sind auf einem guten Weg und trotz mancher Spekulation hat auch der Papst deutlich gemacht: Er möchte im kommenden Jahr dabei sein. Vor wenigen Wochen hat sich Johannes Paul II. an rund 150.000 Jugendliche gewandt, die in Loreto versammelt waren. In einer Videobotschaft konnte sich der Papst dabei per Mausklick als erster Pilger über die Internetseite des Weltjugendtags anmelden. Wir freuen uns, dass wir bereits nach wenigen Tagen schon 32.000 Anmeldungen vorliegen haben.

Mit dem Weltjugendtag verbindet der Papst den tiefen Wunsch, den Glauben, die Kirche und die jungen Menschen miteinander zu verbinden. Die Geschichte der Weltjugendtage, vor gut 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen, kann durchaus als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden: Von Rom über Buenos Aires, Manila, Paris und Toronto ist die Jugend der Welt zusammengekommen, um den gemeinsamen Glauben zu bekennen und in einer oft zerrissenen Welt ein Band der Einheit, des Friedens und der Versöhnung zu knüpfen. Viele Menschen, die in diesen Städten einen Weltjugendtag miterlebt haben, waren beeindruckt von der Lebendigkeit und dem friedlichen Miteinander der Teilnehmer.

Auch mich hat die Teilnahme an verschiedenen Weltjugendtagen immer fasziniert und ich bin sicher, dass Weltjugendtage auch künftig wichtige Ereignisse in unserer Weltkirche sein werden. Neben der alltäglichen und kontinuierlichen Jugendarbeit in den Gemeinden, Verbänden, Bewegungen und Initiativen auf Pfarr- und Diözesanebene ist es gut, wenn sich die Jugend der Welt in überschaubaren Zeiträumen auch auf internationaler Ebene trifft. Von den Weltjugendtagen bricht etwas auf, das über das Ereignis selbst hinaus nachwirkt. Dieses haben wir in den vergangenen Jahren auch in Deutschland erleben dürfen.

Vielen jungen Menschen gibt der Weltjugendtag das Gefühl einer Zugehörigkeit und Beheimatung in der Universalkirche, ja von Katholizität schlechthin. Wann sonst können Jugendliche die Vielfalt des Glaubens aus anderen Teilkirchen erleben? Wir werden in Köln sehr darauf achten, keine Sprach- oder Kontinentalghettos entstehen zu lassen. Jugendliche aus Kamerun werden Jugendlichen aus Lateinamerika ebenso begegnen können wie ihren deutschen Gastgebern. Vor allem bauen wir auf die schon bestehenden und vielleicht neu aufbrechenden Partnerschaften zwischen einzelnen Bistümern und Pfarrgemeinden weltweit und auf Solidaritätsaktionen deutscher Jugendlicher mit ihren ausländischen Freunden. Auch die kirchlichen Hilfswerke haben hierzu entscheidende Impulse beigetragen.

Natürlich ist der Weltjugendtag ein katholisches Ereignis, zu dem der Papst eingeladen hat. Aber Johannes Paul II. hat sich ja in seiner vor wenigen Wochen veröffentlichten Botschaft nicht nur an die katholischen Jugendlichen gewandt, sondern die Einladung weiter gefasst. Gerade hier liegt auch eine besondere Chance, die uns der Heilige Vater aufträgt. Er weiß um die konfessionelle Situation im Land der Reformation. Deshalb freuen wir uns, dass das Weltjugendtagskreuz mit der Marienikone Gast in evangelischen Kirchen sein durfte, dass evangelische und orthodoxe Gemeinden uns ihre Kirchen und Gemeindezentren zur Verfügung stellen und ihre Gastfreundschaft anbieten. Während der jüngsten Beratungen der Weltjugendtagsverantwortlichen in Rom vor wenigen Tagen sind auch Fragen der Ökumene behandelt worden. Es freut mich zu hören, dass es während des Weltjugendtags nun auch eine ökumenische Feier geben soll. Auch im Jugendfestival werden Christen anderer Konfessionen mitwirken. So wird deutlich: Universalkirche und Ökumene verbinden sich in einem katholischen Ereignis, zu dem der Papst alle Menschen guten Willens eingeladen hat.

Statement von Bischof Dr. Franz-Josef Bode,Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz:

Der Weltjugendtag hat sich schon jetzt gelohnt! Allein die Vorbereitung in unserem Land hat so viele Impulse freigesetzt, dass die bisherige Wegstrecke zum Weltjugendtag auf die jugendpastorale Arbeit auswirken wird. Es sind eben nicht nur einige wenige kirchliche Gruppen oder Gemeinden, die sich den Weltjugendtag zu eigen machen, sondern überwiegend viele machen mit. Sie investieren Kraft und Zeit, persönliches Engagement und Ideenreichtum, um das Glaubensfest im Jahr 2005 zu einem Erfolg werden zu lassen. Die vielfältige Arbeit in der Jugendpastoral Deutschlands, die sich mit dem Thema Weltjugendtag auseinandersetzt ist der beste Garant dafür, dass der Weltjugendtag länger wirkt als er dauert. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nach dem 21. August 2005 nicht in ein jugendpastorales Loch fallen werden, sondern dass wir etwas vom Aufbruch in der Arbeit spüren, von neuen Impulsen, die die bisherigen jugendpastoralen Strukturen hoffentlich beflügeln. Bei aller Aktivität und allem Schaffen ist mir wichtig: Die Jugendpastoral in Deutschland wird nicht völlig neu, sie geht anders weiter, sie erhält eine neue Tiefe und neue Weite.

Jugendliche charakterisieren den Weltjugendtag zurecht als ein Fest von Freude und Begegnung. Vieles von solchen Begegnungen haben die deutschen Jugendlichen, die sich auf den Weltjugendtag vorbereiten, schon jetzt erlebt: Mit dem Pilgerweg der Versöhnung des Weltjugendtagskreuzes, der unter dem Motto "kreuzbewegt" Menschen ganz unterschiedlicher Richtungen zusammenführt, machen wir eindrucksvolle Erfahrungen: Jugendliche kommen im Angesicht des Kreuzes miteinander ins Gespräch, gleichzeitig schließen sich Jugendliche, die vielleicht nichts mit der Kirche zu tun haben, dem Kreuz spontan an. Solche Erfahrungen gibt es vor allem aus den neuen Bundesländern und wir sind froh, dass das Weltjugendtagskreuz dort an mancher ökumenischer Station beteiligt war. Am 24. Januar 2005 wird das Weltjugendtagskreuz im Gebetsraum des Deutschen Bundestages erwartet und am 8. Juli nächsten Jahres beginnt der Countdown des Weltjugendtagskreuzes: Dann werden Jugendliche – und auch wir Bischöfe! – das Weltjugendtagskreuz zu Fuß auf einer 40-tägigen Wallfahrt von Dresden bis nach Köln begleiten. Diese Initiative "kreuzspuren" sind dann so etwas wie Exerzitien auf dem Weg zum Weltjugendtag.

Ich bewundere das Engagement auf allen Ebenen, das es jetzt schon gibt. Da reisen deutsche Jugendliche in diesen Sommerferien auf den Balkan, um dort ihre künftigen Gäste für das Jahr 2005 einzuladen, da treffen sich Jugendliche in Italien mit Freunden des letzten Weltjugendtags in Toronto, um gemeinsam auf einer Wallfahrt in Assisi für das Gelingen des Weltjugendtags zu beten.

Wenn ich diese Stationen und Momente nenne, dann geht es mir darum zu zeigen, welche Impulse der Weltjugendtag schon jetzt mit auf den Weg gibt. Junge Leute werden sprachfähiger im Glauben, Kirche bekommt durch die Jugendlichen und den Weltjugendtag noch mehr ein Gesicht, vielleicht erleben wir mit den Jugendlichen auch ein unbefangenes Christsein. Sie kennen die gern gestellte Frage, "was das denn alles kosten soll", und darauf antworte ich sehr bewusst: Es gibt auch pastorale Aufgaben, von mir aus auch geistliche Events, die man nicht nur in Geld ausdrücken kann. In einer Zeit rückläufiger Ressourcen sind neue Inhalte und Perspektiven notwendig. Der Weltjugendtag wird eine solche Perspektive sein. Natürlich spielt der finanzielle Rahmen für den Weltjugendtag auch eine Rolle. Wir werden im Gesamtbudget mit den Ressourcen verantwortlich umgehen. Die Kirche muss bei einem solchen Ereignis auch den Mut haben, unkonventionelle Wege zu gehen. Das versuchen wir derzeit mit der Weltjugendtagslotterie. Vor einigen Tagen habe ich vor dem Kölner Dom die ersten Lose mit dem Generalsekretär des Weltjugendtags, Prälat Dr. Heiner Koch verkauft – wir waren ein erfolgreiches Team. Die Lotterie läuft in den deutschen Bistümern und wird gut aufgenommen, nachdem erste Widerstände überwunden worden sind.

Also nochmals: Der Weltjugendtag hat sich schon jetzt gelohnt. Wir sind da auf einem guten Weg.


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