Piusbrüder und Vatikan suchen Weg zur Einheit

12. Februar 2026 in Aktuelles


Überraschende Wende nach Krisengespräch in Rom - Neue Dialogrunden geplant - Voraussetzung sei jedoch, dass diese ihre angekündigten Bischofsweihen aussetze.


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Vatikan und die mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehende Priesterbruderschaft St. Pius X. stehen offenbar vor neuen Dialogrunden. Dies geht aus einer Mitteilung des Präfekten der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Fernández, vom Donnerstagmittag hervor. Zuvor hatte der Obere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, mit dem Kardinal ein ausführliches Gespräch über theologische Fragen geführt. Es wurde in der Mitteilung als "herzlich und ernsthaft" bezeichnet. Es habe "mit Zustimmung des Heiligen Vaters" stattgefunden.

Weiter heißt es in der Mitteilung, in den möglichen künftigen Dialogrunden solle geklärt werden, was die Mindestvoraussetzungen für eine Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft wären. Ferner solle ein möglicher kirchenrechtlicher Status für die Priesterbruderschaft erörtert werden. Voraussetzung sei jedoch, dass diese ihre angekündigten Bischofsweihen aussetze. Die von den Piusbrüdern jüngst für 1. Juli angekündigte Weihe eigener Bischöfe war unmittelbarer Anlass für das Treffen in Rom am Donnerstag.

Die Priesterbruderschaft hält diese aufgrund eines "Notstandes" für unumgänglich. Dazu zählt, dass sie in ihren Reihen nur noch über zwei Bischöfe, im Alter von 67 und 69 Jahren, verfügt - und bei deren Tod keine Möglichkeit mehr bestünde, Priester zu weihen. Laut dem Distriktoberen der Bruderschaft in Österreich, Pater Johannes Regele, gehe es nicht nur um das Überleben der Bruderschaft, sondern auch um einen Notstand der Kirche, sagte er der Wochenzeitung "Die Furche" (Donnerstag).

Ein Notstand sei gegeben, "wenn Bestand, Ordnung und Tätigkeit der Kirche in schwerwiegender Weise gefährdet oder beeinträchtigt sind", so Regele im Interview. Dazu zähle die Bruderschaft auch eine "weitgehende Protestantisierung der kirchlichen Grundstrukturen in den vergangenen Jahren", einen "augenscheinlichen Zusammenbruch des Glaubens und in Folge auch der Moral" in Europa und einen "liturgischen Notstand", da "gotteswürdige" Gottesdienste nicht mehr gewährleistet seien.

Mit einer Bischofsweihe gegen den Willen des Papstes würde sich die Piusbruderschaft die Strafe der Exkommunikation zuziehen; eine Kirchenspaltung wäre die Folge. Der Vatikan hat vorab erklärt, dass er einen solchen Bruch vermeiden wolle. Zuletzt waren die damals neu geweihten Bischöfe der Bruderschaft 1988 exkommuniziert worden.

2009 nahm Papst Benedikt XVI. sie wieder in die kirchliche Gemeinschaft auf. Die traditionalistische Vereinigung zählt nach eigenen Angaben 735 Priester in allen Erdteilen. In ihren Priesterseminaren bereiten sich insgesamt mehr als 250 junge Männer auf den Priesterberuf vor. Ihr Gründer, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, starb 1991; Hauptsitz der Bruderschaft ist Menzingen (Schweiz). Dem Distriktoberen Regele zufolge hat die Priesterbruderschaft vor allem in den vergangenen Jahren auch in Österreich viel Zuspruch erhalten. 

Die Vatikanerklärung im WORTLAUT:
 

Am 12. Februar 2026 fand im Dikasterium für die Glaubenslehre ein herzliches und aufrichtiges Treffen zwischen dem Präfekten, S.E. Kardinal Victor Manuel FERNÁNDEZ, und dem Generaloberen der FSSPX, Rev. Don Davide PAGLIARANI, mit Zustimmung des Heiligen Vaters Leo XIV. statt.

Nachdem einige Punkte geklärt worden waren, die die FSSPX in verschiedenen Briefen, insbesondere in den Jahren 2017-2019, vorgebracht hatte – unter anderem wurde über die Frage des göttlichen Willens hinsichtlich der Pluralität der Religionen diskutiert –, schlug der Präfekt einen Weg des spezifisch theologischen Dialogs mit einer genau festgelegten Methodik vor, um Themen zu behandeln, die noch nicht ausreichend geklärt sind, wie z. B. den Unterschied zwischen Glaubensakt und „religiöser Gehorsam des Verstandes und des Willens” oder die unterschiedlichen Grade der Zustimmung, die die verschiedenen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils und ihre Auslegung erfordern. Gleichzeitig schlug er vor, eine Reihe von Themen zu behandeln, die von der FSSPX in einem Brief vom 17. Januar 2019 aufgeführt wurden.

Dieser Weg hätte zum Ziel, in den diskutierten Themen die Mindestanforderungen für die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche hervorzuheben und folglich ein kanonisches Statut nder Bruderschaft zu entwerfen, zusammen mit anderen Aspekten, die weiter vertieft werden müssen.

Der Heilige Stuhl hat bekräftigt, dass die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Heiligen Vaters, der die höchste ordentliche, volle, universale, unmittelbare und direkte Vollmacht besitzt (vgl. CDC, can. 331; Dogmatische Konstitution Pastor aeternus, Kap. I und III), einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft als Ganzes bedeuten würde (JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Ecclesia Dei, 2. Juli 1988, Nr. 3 und 5c; PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE LEGISLATIVEN TEXTE, Erläuternde Note, 24. August 1996, Nr. 1).

Die Möglichkeit, diesen Dialog zu führen, setzt daher voraus, dass die Bruderschaft die Entscheidung über die angekündigten Bischofsweihen aussetzt. Der Generalobere der FSSPX wird den Vorschlag seinem Rat vorlegen und dem Dikasterium für die Glaubenslehre seine Antwort übermitteln. Im Falle einer positiven Antwort werden die Schritte, Etappen und Verfahren, die zu befolgen sind, einvernehmlich festgelegt. Die ganze Kirche wird gebeten, diesen Weg, insbesondere in der kommenden Zeit, mit Gebeten zum Heiligen Geist zu begleiten. Er ist der Hauptarchitekt der wahren kirchlichen Gemeinschaft, die Christus gewollt hat.

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