
19. Februar 2026 in Kommentar
Anmerkungen zum Synodalen Weg – „Kardinal Marx hätte nicht am Ende des Synodalen Weges sagen sollen: Ich will das nicht, sondern am Anfang: So geht das nicht“ – Gastkommentar von Prof. Hubert Windisch
Regensburg (kath.net) Eine kirchliche Reform besinnt sich immer auf den Ursprung der Kirche, sucht ihrer Herkunft gerecht zu werden, möchte Missstände in ihrer Lehre und Praxis abbauen und so das Christsein in der jeweiligen Zeit zu authentischem und glaubwürdigem Leben erwecken. In diesem Sinn ist der sogenannte Synodale Weg keine Reform, sondern im Gegenteil die rätemäßige Destruktion der katholischen Kirche, ja ein ekklesial-suizidaler Irrweg. Denn man hatte die sexuellen Missbrauchsfälle vor allem unter Klerikern eigentlich nur zum Anlass genommen, um bei den diversen Sitzungen mit ansteigender Verbissenheit die Axt an das Grundverständnis der katholischen Kirche zu legen: an die biblische Anthropologie, das sakramentale Priestertum und damit die heilige Eucharistie. Der sündhafte sexuelle Missbrauch von Klerikern wurde und wird für eine links-grün-woke Agenda missbraucht, die aus der Kirche eine gesellschaftlich und politisch genehme NGO mit religiösem Anstrich machen soll. Kirchliche Wahrheiten werden dabei in ständigen Prozessen immer neu (in Gremien) verhandelbar und dementsprechend unverbindlich. Im Pontifikat von Franziskus erlangte diese Methode, kirchlichen Wahrheiten ihre Kraft zu nehmen, beinahe lehramtliche Dignität. Und sie hat sich im Synodalen Weg strategisch verfestigt. Wegbereiter dazu ist u. a. auch seit Jahrzehnten eine oftmals intellektuell und spirituell unterbelichtete Theologie.
Nun werden die Bischöfe die Geister, die sie willfährig riefen, nicht mehr los. Kardinal Marx, der bei der letzten Versammlung des Synodalen Weges in Bezug auf kontrollierende und bestimmende Synodale Räte in den Diözesen trotzig rief: Ich will das nicht, könnte einem fast schon leid tun. Sein Wille wird „synodal-wegisch“ nicht mehr gefragt sein. Stab und Mütze wird man um der Optik willen den Bischöfen zwar noch lassen, vielleicht auch den Dienstwagen, auf sie hören wird man nicht mehr. Der Kardinal hätte nicht am Ende des Synodalen Weges sagen sollen: Ich will das nicht, sondern am Anfang: So geht das nicht. Nun frisst die Revolution ihre Kinder oder besser gesagt: ihre Väter.
Rom könnte dem zerstörerischen Treiben sich elitär gebärdender Kirchenfunktionäre Einhalt gebieten, wenn es wollte. Hoffnung besteht, Zweifel sind angebracht. Es muss allen, die Kirche Jesu Christi sein wollen, klar sein: Der Synodale Weg ist eine epochale Herausforderung für die Kirche, wie sie sich verstehen und wie sie dementsprechend agieren soll: entweder als der sakramentale Leib Christi in einer erlösungsbedürftigen Welt oder als säkularisierter Weltleib mit kulturchristlichem Anstrich. Verkündigen wir den Herrn, ob gelegen oder ungelegen (vgl. 2 Tim 4,1-5) oder praktizieren wir La Predica dell’Anticristo (vgl. das Fresko von Luca Signorelli in der Kapelle San Brizio im Dom zu Orvieto)? Wir müssen uns grundsätzlich entscheiden. Unser Ja sei ein Ja, unser Nein ein Nein (vgl. Mt 5,37).
Herr, warum säumst du und lässt die Kleinen allein, die sich redlich um Alltagstreue in deiner Nachfolge mühen? Warum dürfen die Eber aus dem Wald deinen Weinberg nach Belieben umwühlen (Ps 80)? Woher kommt uns Hilfe (Ps 121)? Richte uns wieder auf, lass dein Angesicht leuchten, dann ist uns geholfen (Ps 80). Erheb dich, Herr, damit in deiner Kirche nicht der Mensch des Synodalen Weges triumphiert (Ps 9), sondern du der Weg, die Wahrheit und das Leben bleibst (Joh 14,6).
Hubert Windisch (Link) ist Priester und emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
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