
19. Februar 2026 in Spirituelles
„Nehmen Sie sich Zeit für das Wort Gottes. Gehen Sie mit neuem Vertrauen zum Beichtsakrament. Besuchen Sie die Hl. Messe nicht aus Pflichtgefühl, sondern mit Sehnsucht… Bringen Sie bewusst Ihr Leben mit dem einen Opfer Jesu am Kreuz dem Vater dar.“
Denver (kath.net/pl) „Die Umkehr beginnt, wenn wir Jesus mehr als nur eine bewunderte Gestalt oder einen fernen Herrn werden lassen. Sie beginnt, wenn wir ihm erlauben, direkt zu uns zu sprechen, und wenn wir bereit sind, ihm zu gehorchen.“ Das schreibt Samuel J. Aquila, der seit kurzem emeritierte Erzbischof von Denver (US-Bundesstaat Colorado), in seinem letzten Hirtenbrief als Oberhirte bzw. derzeit Administrator des Erzbistums.
kath.net dokumentiert einen Auszug aus dem Hirtenbrief „Jesus begegnen: Mit dem Herzen hören“ in eigener Übersetzung:
In seiner diesjährigen Fastenbotschaft „Zuhören und Fasten: Die Fastenzeit als Zeit der Umkehr“ erinnert uns Papst Leo XIV. daran, dass die Umkehr damit beginnt, dem Wort Gottes durch Zuhören Raum zu geben. Er betont die Wichtigkeit des aufmerksamen, ehrfürchtigen Zuhörens, zuerst Gott und dann einander. Bevor wir sprechen, bevor wir handeln, bevor wir versuchen, Probleme zu lösen oder Positionen zu verteidigen, sind wir aufgerufen, zuerst zuzuhören.
Die Heilige Schrift zeigt uns einen Gott, der zuhört. Am brennenden Dornbusch spricht der Herr zu Mose: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen … ich habe ihr Schreien gehört“ (Exodus 3,7). Unser Gott ist nicht fern oder gleichgültig. Er hört. Er sieht. Er weiß. Er liebt uns, selbst wenn wir fern von ihm sind. Göttliches Zuhören geht göttlichem Handeln voraus.
Und wenn Gott uns zuhört, wie viel mehr müssen wir dann lernen, ihm zuerst zuzuhören, bevor wir sprechen oder handeln?
Die Fastenzeit lädt uns ein, Raum für dieses Zuhören zu schaffen. In einer Welt voller Lärm – ständige Nachrichten, endlose Kommentare, soziale Medien und gehetzte Gespräche – kann Stille unangenehm sein. Doch Stille ist der Boden, in dem das Wort Gottes Wurzeln schlägt. Ohne Stille bleibt das Wort an der Oberfläche unseres Lebens. Mit Stille dringt es in unsere Herzen ein.
Wenn Sie in dieser Fastenzeit mit den Evangelien beten, ermutige ich Sie, sich zu fragen: Höre ich Jesus persönlich zu mir sprechen? Wenn er zu den Jüngern, den Menschenmengen, den Kranken, den Sündern spricht, erkenne ich dann auch, dass er auf eine zutiefst persönliche Weise zu mir spricht?
Ist Jesus derjenige, der mein wahrer Lehrer ist und mein Herz und meinen Verstand formt? Erleuchtet er meine Entscheidungen, nicht nur in der Kirche, sondern auch in meinem Familienleben, meiner Arbeit, meinen Freundschaften, im Umgang mit meinen Feinden und Verfolgern, im Umgang mit meiner Zeit und meinen Ressourcen? Oder höre ich aufmerksamer auf die Stimmen der Kultur, der Politik, des Bösen oder meiner persönlichen Vorlieben?
Die Umkehr beginnt, wenn wir Jesus mehr als nur eine bewunderte Gestalt oder einen fernen Herrn werden lassen. Sie beginnt, wenn wir ihm erlauben, direkt zu uns zu sprechen, und wenn wir bereit sind, ihm zu gehorchen.
Der Heilige Vater schlägt für diese Fastenzeit eine eindrucksvolle und herausfordernde Form des Fastens vor: das Fasten auf verletzende oder unbedachte Worte. Worte haben immense Macht. Mit ihnen segnen wir, und mit ihnen verletzen wir. Wir bauen auf, und wir reißen ein.
Vielleicht können wir in dieser Fastenzeit, wie der Heilige Vater weise empfiehlt, auf Kritik, Sarkasmus, Klatsch, Zynismus und harte Urteile verzichten. Vielleicht können wir auf die schnelle Erwiderung und die defensive Antwort verzichten. Stattdessen können wir Worte der Ermutigung, der Geduld und der Wahrheit wählen, gesprochen in Nächstenliebe, besonders gegenüber denen, mit denen wir nicht übereinstimmen.
Ein solches Fasten erfordert innere Umkehr. Es fordert uns auf, nicht nur zu prüfen, was wir sagen, sondern auch, was unser Herz erfüllt, denn wie der Herr lehrt: „Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund“ (Lukas 6,45). Wenn unser Herz Jesus nahe ist, beginnen unsere Worte seinen zu ähneln: barmherzig, wahrhaftig und lebensspendend.
Je inniger unsere Beziehung zu Christus wird, desto mehr werden wir von der Sünde befreit. Durch die Beziehung zu Jesus erfahren wir mehr als bloße Selbstverbesserung. Wir lassen uns von Jesus in seiner Gnade lieben und heilen, anstatt uns auf unsere eigene Willenskraft zu verlassen. Wenn wir ihm im Gebet, im Sakrament der Versöhnung und in der Eucharistie nahen, erleben wir, wie sich unsere Bindungen an irdische Dinge und Verhaltensweisen lösen. Was einst unwiderstehlich schien, verliert seine Macht.
Das ist der Kern der Fastenzeit: eine tiefere Freundschaft mit Jesus.
In dieser Zeit ermutige ich jede Familie und jede Pfarrei in unserem Erzbistum, sich dem Gebet, dem Fasten und dem Almosengeben zu widmen. Nehmen Sie sich täglich Zeit für das Wort Gottes. Gehen Sie mit neuem Vertrauen zum Sakrament der Beichte. Besuchen Sie die Heilige Messe nicht aus Pflichtgefühl, sondern mit der Sehnsucht, den Vater anzubeten und denjenigen zu empfangen, der sich ganz für Sie hingibt. Bringen Sie bewusst Ihr Leben mit dem einen Opfer Jesu am Kreuz dem Vater dar.
Schließlich, um von Herzen beten zu lernen, scheuen Sie sich nicht, Jesus um einen tieferen Glauben, mehr Vertrauen und Zuversicht zu bitten. Das einfache Gebet aus dem Evangelium: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) kann jeder Jünger sprechen.
In der Sonntagsmesse beten wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Diese Worte verbinden uns mit der weltweiten Kirche über Zeit und Raum hinweg. Wir können sie einfach sprechen oder sie zutiefst persönlich formulieren, um sie dem Herrn aus tiefstem Herzen darzubringen.
Vielleicht möchten Sie in dieser Fastenzeit versuchen, das Glaubensbekenntnis in Ihren eigenen Worten zu beten. Die Worte des Glaubensbekenntnisses in die Sprache Ihres Herzens zu übersetzen und sie dem Herrn darzubringen, ist ein kraftvoller Weg, in der Beziehung zu ihm zu wachsen. Zum Beispiel könnte ich beten:
„Jesus, ich glaube, dass du der Sohn Gottes bist.
Jesus, ich glaube, dass du das fleischgewordene Wort bist.
Jesus, ich glaube, dass du für meine Sünden gestorben und auferstanden bist, um mir neues Leben zu schenken.
Jesus, ich glaube, dass du in der Eucharistie wahrhaft gegenwärtig bist.
Jesus, ich vertraue darauf, dass du deine Kirche und mich leitest.
Jesus, ich vertraue dir.
Jesus, ich übergebe mich dir.
Jesus, ich liebe dich.
Jesus, ich schenke dir mein Herz.
Amen.“
Sie werden feststellen, dass dieses Gebet dem Glaubensbekenntnis sehr ähnelt; wie würde Ihre Version davon für den Herrn klingen?
Wenn wir auf diese Weise – persönlich und aufrichtig – zu ihm sprechen, wird unser Glaube in unserem Leben erfahrbar. Er ist nicht länger eine abstrakte Formel, sondern eine Beziehung, die auf Begegnung beruht.
Zum Abschluss, während wir gemeinsam durch diese heilige Zeit gehen, wollen wir uns der Fürsprache der Heiligen Jungfrau Maria anvertrauen, die dem Wort Gottes vollkommen lauschte, es in sich Fleisch werden ließ und treu am Fuße des Kreuzes ausharrte. Möge sie uns lehren, mit offenem Herzen zuzuhören, auf Gottes Vorsehung zu vertrauen und unser eigenes gläubiges „Ja“ zu geben. Möge diese Fastenzeit für jeden von uns und für unser Erzbistum eine Zeit der Umkehr sein, damit wir in dieser Zeit des Wandels und der Gnade in tieferem Glauben, festerer Hoffnung und glühenderer Liebe wachsen und unsere Herzen durch die Barmherzigkeit Christi erneuert werden.
Archivfoto Erzbischof Aquila (c) Erzbistum Denver
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