„Allein Gott hat die Macht über den Tod und kann den Tod in Leben wandeln“

26. März 2026 in Spirituelles


Nuntius Eterović: „Die Tränen Jesu zeigen seine menschliche Natur. In der Auferweckung des Lazarus scheint seine göttliche Natur auf.“


Berlin (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Predigt S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović in Berlin am 22. März 2026 (5. Fastensonntag/Passionssonntag) in voller Länge und dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung – Ex 37,12-14; Ps 130; Röm 8,8-11; Joh 11,1-45

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25).

Liebe Brüder und Schwestern! 
    Auf unserem Weg durch die Fastenzeit ermuntert uns das Wort Gottes an diesem fünften Fastensonntag, die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus erneut zu bedenken. Dieses Wunder diente Jesus dazu, sich selbst als „die Auferstehung und das Leben“ zu präsentieren. Die Auferweckung des Lazarus ist eines der zentralen Themen auf der fastenzeitlichen Reise. Nach den Versuchungen Jesu, der Verklärung, dem Lehrgespräch über das lebendige Wasser und der Heilung des Blindgeborenen sind wir bei der Auferweckung des Lazarus angekommen, welche einen Höhepunkt der Themen in der Fastenzeit darstellt und zu den Taufkatechesen gehört, womit die Katechumenen auf die Taufe im Hohen Osterfest vorbereitet werden. Öffnen wir uns dem Heiligen Geist, der uns immer tiefer in das Verstehen des Wortes Gottes führt, damit wir unsere Betrachtung auf die Worte des Herrn Jesus konzentrieren: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“. Sodann möge er uns die Bedeutung für jeden von uns erfassen lassen, dass die Kirche „die Versammlung derer (ist), die zu Christus als dem Urheber des Heils und dem Ursprung der Einheit und des Friedens glaubend aufschauen“ (Lumen gentium, Nr. 9; Papst Leo XIV., Generalaudienz, 11. März 2026). 

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25). 

Der lange Abschnitt aus dem Johannesevangelium beschreibt treffend die menschliche und göttliche Natur Jesu. Als Mensch war Jesus der Freund von Larzarus uns seinen Schwestern Marta und Maria. Das ergibt sich aus der biblischen Erzählung, wo es heißt, die Schwestern schickten Jesus die Nachricht: „Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank“ (Joh 11,3), womit sie ihn unausgesprochen baten zu kommen und ihn zu heilen. Jesus selbst nennt Lazarus seinen Freund (vgl. Joh 11,11). Und in den Tränen über den Tod des Freundes zeigt sich die Menschheit des Herrn Jesus deutlich. Er weinte, nachdem er die Tränen von Maria sah und jener, die sie begleiteten, um Jesus zu begegnen, den ein starkes Mitgefühl erfasst hatte (vgl. Joh 11,38), so dass er weinte (vgl. Joh 11,35). Diese Tränen sind der Aufweis der menschlichen Natur des Herrn Jesus und seiner Liebe zu Larzarus. Denn die Juden, die ihn weinen sahen, „sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte“ (Joh 11,36). 

Einige aber, die dabei waren, sagten: „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“ (Joh 11,37). Diese Aussage kann als Übergang von der menschlichen zur göttlichen Natur des Herrn Jesus gesehen werden. Den Höhepunkt wird dieser Übergang im Wunder der Auferweckung des Lazarus finden, was aber schon früher in der biblischen Erzählung angedeutet wird. Obwohl Jesus von der schweren Krankheit des Lazarus erfahren hatte, blieb er noch zwei weitere Tage an dem Ort, wo er sich befand, und sagte zu den Zwölf: „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden“ (Joh 11,4). Diese Worte legen nahe, dass Jesus aufgrund seiner innigen Beziehung mit dem Vater verstanden hatte, nicht sogleich nach Bethanien aufbrechen zu müssen, um Larzarus zu heilen, was möglicherweise sein spontaner Entschluss gewesen mag. Aus seinen Worten: „Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt“ (Joh 11,15) können wir schließen, dass der himmlische Vater nicht die Heilung des Lazarus wollte, denn Jesus hatte schon viele Heilungswunder von verschiedenen Krankheiten vollbracht, sondern dass vielmehr dessen Auferweckung von den Toten ein starkes Zeichen des Sieges über den Tod sein sollte. Aus den Worten Martas an Jesus, als er den Befehl gab, den Stein vom Grab des Lazarus wegzunehmen, lässt die grausame Wirklichkeit des Todes erfassen: „Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag“ (Joh 11,39). Davon aber ließ Jesus sich nicht aufhalten. Er war vielmehr sicher, dass sein Vater wollte, dass er ein Wunder vollbringt. Also dankte er ihm mit den Worten: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (Joh 11,41), bevor er die Worte des Lebens ausrief: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11,43). Auf dieses kraftvolle Wort des Herrn Jesus hin kehrte Lazarus zurück ins Leben. Die Wirklichkeit des Todes ergibt sich aus der detailreichen Beschreibung: „Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen“ (Joh 11,44). Die Tränen Jesu zeigen seine menschliche Natur. In der Auferweckung des Lazarus scheint seine göttliche Natur auf, denn allein Gott kann Toten das Leben wiedergeben; allein Gott hat die Macht über den Tod und kann den Tod in Leben wandeln. 

Viele „kamen zum Glauben an ihn“ (Joh 11,45).

Archivfoto Nuntius Eterović (c) Apostolische Nuntiatur


© 2026 www.kath.net