Das gebrochene Brot und die gebeugten Knie. Die innere Form der Eucharistie

2. April 2026 in Aktuelles


Leo XIV. in der Messe ‚In Coena Domini‘: die Einheit von Hingabe, Dienst und Priestertum als Gestalt der göttlichen Liebe. Christus als Diener: Die Umkehr der Maßstäbe in Eucharistie und Priestertum. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In der Lateranbasilika, „Omnium Urbis et Orbis Ecclesiarum Mater et Caput“, eröffnete Papst Leo XIV. mit der Messe „In Coena Domini“ die Feier der Heiligen Drei Tage und wusch im Ritus der Fußwaschung zwölf Priestern der Diözese Rom die Füße. Elf von diesen waren vergangenes Jahr vom Papst zu Priestern geweiht werden. Die Liturgie dieses Abends lässt, so Leo XIV. in seiner Predigt, eintreten „in die Heiligen Drei Tage des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn“ und führt über eine Schwelle, die nicht als Zuschauer überschritten werde, sondern in der Einbeziehung durch Christus selbst, „als Geladene zum Abendmahl, bei dem Brot und Wein für uns zum Sakrament des Heils werden“. Leo XIV. stellte das Mahl in den Mittelpunkt, an dem Christus teilhaben lasse, „der die Seinen liebte, die in der Welt waren, […] sie bis zur Vollendung liebte“, und bestimmte diese Liebe als Geste und Speise, in der sich die Gerechtigkeit Gottes offenbare. Gerade dort, wo das Böse wirke, habe Jesus endgültig geliebt: für immer, mit seiner ganzen Person.

Im Zusammenhang mit der Fußwaschung erinnerte der Papst an das Wort Jesu: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“, und führte aus, dass diese Geste mit dem Mahl eine Einheit bilde. Sie sei nicht nur Zeichen, sondern übertrage eine Aufgabe, die als Nahrung für das Leben angenommen werde. Mit dem Hinweis auf das griechische Wort hypódeigma (ὑπόδειγμα) erklärte er, hier nutzte der Apostel Johannes dieses Wort,  „um das Ereignis zu schildern, bei dem er anwesend war“. Es bezeichne „das, was direkt vor Augen geführt wird“: Christus lege seine eigene Lebensweise dar, die weit mehr als ein moralisches Vorbild sei. Das Waschen der Füße fasse die Offenbarung Gottes zusammen und stelle „ein beispielhaftes Zeichen des fleischgewordenen Wortes“ dar. Indem der Sohn zum Diener werde, offenbare er die Herrlichkeit des Vaters und hebe die weltlichen Maßstäbe aus den Angeln, die unser Gewissen trübten.

Der Papst erklärte, wie sich im Widerstand des Petrus auch der menschliche Stolz zeige, und griff dabei aufn die hellsichtigen Worte von Benedikt XVI. zurück, der festgestellt hatte, man müsse „immer neu lernen, dass Gottes Größe anders ist, als wir uns Größe vorstellen“, da der Mensch dazu neige, „einen Gott der Erfolge und nicht der Passion“ zu suchen. Papst Leo XIV. bestimmte diese Versuchung als Suche nach einem Gott, der „uns dient“, der uns zum Sieg verhilft, der nützlich ist wie Geld und Macht, während Gott tatsächlich „durch die selbstlose und demütige Geste der Fußwaschung“ diene. Darin liege die Allmacht Gottes, die sich im Niederknien des Herrn und in der Hingabe seines Lebens zeige.

So reinige Christus sowohl das Bild Gottes als auch das Bild des Menschen. Jesus nehme falsche Vorstellungen von Macht und Größe hinweg und gebe „ein Beispiel der Hingabe, des Dienens und der Liebe“. Dieses Beispiel erscheine nicht in einer Situation allgemeiner Zustimmung, sondern „in der Nacht, in der er verraten wurde“, wodurch deutlich werde, dass der Herr liebe, ohne Voraussetzungen zu stellen: „Er liebt uns - und deshalb vergibt er uns und reinigt er uns.“ Aus dieser Bewegung leitete der Papst die gegenseitige Verpflichtung zum Dienst ab: „Ihr müsst einander die Füße waschen“. Er griff ein Wort von Papst Franziskus auf, der bekannte: „Es ist eine Pflicht, die mir aus dem Herzen kommt: ich liebe es, denn so hat es mich der Herr gelehrt“, und deutete dies als Ausdruck eines Gehorsams gegenüber der Liebe Christi, die Quelle und Maßstab jeder christlichen Liebe sei. Das Beispiel Jesu lasse sich nicht als äußere Geste vollziehen, sondern nur aus Liebe. Zugleich stellte der Papst klar, dass der Dienst am anderen aus dem Empfang des Dienstes Christi hervorgehe. Mit dem Wort Jesu an Petrus - „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“ - verband er die Einsicht, dass der Mensch den dienenden Christus annehmen müsse, um ihm folgen zu können. In dieser Annahme liege Reinigung und Befreiung: Gott habe in Christus gezeigt, wie man befreie und das Leben zur Gabe mache. Vor dem Hintergrund einer von Gewalt geprägten Menschheit rief der Papst dazu auf, selbst niederzuknien „als Brüder und Schwestern der Bedrückten“ und so dem Beispiel des Herrn zu folgen. Die Erinnerung an das Pascha Israels führte er auf Christus hin, das wahre Osterlamm, durch das der Übergang von der Sünde zur Vergebung und vom Tod zum Leben eröffnet werde. In diesem Zusammenhang stellte er das Herrenwort in die Mitte: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis“.

Die Feier dieses Abends ließ der Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums gedenken, deren innige Verbindung die Hingabe Christi als Hohepriester und lebendige Eucharistie darstelle. Unter Bezugnahme auf die Konstitution Sacrosanctum Concilium bezeichnete Leo XIV. die gewandelten Gaben als „Sakrament huldvollen Erbarmens, Zeichen der Einheit, Band der Liebe, das Ostermahl, in dem Christus genossen, das Herz mit Gnade erfüllt und uns das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird“ (Dogmatische Konstitution Sacrosanctum Concilium, 47).

So sei der Dienst der Priester Zeichen der Liebe Christi für das Volk Gottes, dem sie mit ihrem ganzen Sein zu dienen berufen seien. Der Gründonnerstag erschien so als Tag des Dankes und der Brüderlichkeit. Papst Leo XIV. blickte abschließend auf die eucharistische Anbetung am heutigen Abend „in jeder Pfarrei und Gemeinschaft“ und forderte dazu auf, die Geste Jesu zu betrachten, niederzuknien und um die Kraft zu bitten, „ihm im Dienen mit derselben Liebe nachfolgen zu können“.

 


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