
13. April 2026 in Kommentar
Ein Weihbischof verkündet nicht die gesunde Lehre, sondern das, was den Menschen in den Ohren kitzelt. So lässt sich die Einlassung von Ludger Schepers umschreiben. Was das bedeutet, untersucht der Montagskick von Peter Winnemöller
Linz (kath.net/
Selten nur gelingt es, dass ein Bischof mit seiner Äußerung die kirchliche Filterbubble durchdringt. Geschieht es dennoch, so ist es kaum einmal ein Grund zur Freude. Regelmäßig veröffentlicht die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz die Predigten des jeweiligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Das Presseecho ist von einer Stille, die jeden Kartäuser neidisch werden lässt. Insgesamt dringt kaum etwas, was sich als Pressemeldungen der DBK im Maileingangsordner oder auf der Webseite findet, jemals in die Weltpresse vor. Einer flog in dieser Woche übers Kuckucksnest des medialen Schweigens, der Essener Weihbischof Ludger Schepers. Schepers sprach nicht als Bischof der katholischen Kirche, er legte nicht die Lehre der Kirche dar. Er referierte nicht christliche Anthropologie. Schepers sprach als LGBT-Aktivist und Lobbyist. Er sprach sich gegen traditionelle Familienbilder und Geschlechterrollen aus, er wetterte gegen das Patriarchat ebenso wie gegen Tradwifes und postulierte eine zeitgeistige Genderagenda. „Die Vielfalt menschlicher Identitäten – ob homo-, trans- oder intergeschlechtlich – ist kein modernes Konstrukt, sondern Teil von Gottes Schöpfungsplan“, sagte Schepers der Katholischen Nachrichten Agentur (kna).
Nun tritt infolge solcher Äußerungen ein absurdes Phänomen ein. Otto Normalzeitungsleser (m/w/d) liest oder hört die Botschaft und denkt sich, aha, hier spricht ein Vertreter der römisch-katholischen Kirche, so ein Typ mit Stab und Mitra, das ist einer, der hat in dem Laden was zu sagen; und wenn das jetzt so in der Zeitung steht, dann muss das ja wohl so sein. Also: Wir lernen, die Kirche ist jetzt gar nicht mehr so für die Ehe und für Kein-Sex-vorher, die sind jetzt auch für queer und Gender. Da ist man vielleicht als Normalo ein bisschen fies vor, aber das sagt man nicht, weil das ist ja Hommofopp oder wie das heißt. Die Darstellung mag etwas platt sein, sie soll veranschaulichen, was die Botschaft ist, die vor allem bei jenen ankommt, die zu den ungefähr 90 Prozent Kirchenfernen im Land ankommt. Da ist dann ein massives Problem. Es soll an dieser Stelle nicht um die Thesen von Schepers gehen. Dazu ist bereits einiges gesagt worden und es wird noch mehr dazu zu sagen geben. Die Frage, die sich stellt, ist die Frage nach der authentischen Lehre der Kirche, die zu lehren und zu verteidigen ein Bischof bei seiner Weihe verspricht. Zur Erinnerung hier, was der Bischof mit den Worten „Ich bin bereit“ bei seiner Weihe verspricht:
Bist du bereit, in dem Amt, das von den Aposteln auf uns gekommen ist und das wir dir heute durch Handauflegung übertragen, mit der Gnade des Heiligen Geistes bis zum Tod zu dienen?
Bist du bereit, das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkünden?
Bist du bereit, das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben?
Bist du bereit, am Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, mitzuwirken und zusammen mit dem Bischofskollegium unter dem Nachfolger des heiligen Petrus stets ihre Einheit zu wahren?
Bist du bereit, dem Nachfolger des Apostels Petrus treuen Gehorsam zu erweisen?
Bist du bereit, zusammen mit deinen Mitarbeitern, den Presbytern und Diakonen, für das Volk Gottes wie ein guter Vater zu sorgen und es auf dem Weg des Heiles zu führen?
Bist du bereit, um des Herrn willen den Armen und den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen und zu ihnen barmherzig zu sein?
Bist du bereit, den Verirrten als guter Hirte nachzugehen und sie zur Herde Christi zurückzuführen?
Bist du bereit, für das Heil des Volkes unablässig zum allmächtigen Gott zu beten und das hohepriesterliche Amt untadelig auszuüben?
Legt man den Fokus auf das folgende Versprechen: „… das von den Aposteln überlieferte Glaubensgut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben …“, dann merkt man schnell, wie hart und heftig die Äußerungen von Schepers gegen dies Versprechen verstoßen. Es geht nicht um Randfragen: Die Fragen nach Geschlechtlichkeit des Menschen, nach dem rechten Ort und der rechten Weise der Sexualität sind Kernfragen der kirchlichen Lehre, die ihre Wurzel in der Schöpfungstheologie haben. Es geht um den Menschen selbst, wie er von Gott gewollt und geschaffen ist. So sehr im Kern befinden wir uns. Die Frage nach Patriarchat oder Tradwifes sind da eher banale Randnotizen. Die Chiffren „Vielfalt menschlicher Identitäten“ oder „Kurswechsel bei Geschlechterfragen“ sind klare Botschaften des Abweichens von der katholischen Lehre. Forderungen wie „Diskriminierung nicht hinnehmen“ zu dürfen stehen ganz klar dafür, bestimmte sexuelle Verhaltensweise nicht als Sünde ansehen zu dürfen. Schon lange gibt es Tendenzen, Homo- oder Bisexualität einfach nur als weitere bereichernde Varianten menschlicher Sexualität anzusehen. Aktivisten wie Schepers träumen davon, dass die Kirche hier auf der Welle einer politischen Agenda mitschwimmen kann. Das ist so ähnlich riskant, wie Greta Thunberg als Prophetin zu bezeichnen und feststellen zu müssen, dass die Dame von Klimaaktivistin zu antisemitischer Palästinaaktivistin gewechselt hat. Es geht in der kirchlichen Bewertung von und Lehre zu Sexualität und Geschlechtlichkeit niemals um Kategorien wie Diskriminierung oder Verurteilung, sondern um eine von Gott gestiftete Lehre, die zu nichts anderem dient als den Menschen zum Heil zu führen. Klarer Fall, muss man erleben, dass sein Tun als Sünde, gar als schwere Sünde bezeichnet wird, ist das nicht angenehm. Aber es ist keine Diskriminierung. Wer ohne Sünde ist, werfe auch an dieser Stelle den ersten Stein. Keiner lässt sich gern als Sünder bezeichnen, aber keiner ist eben auch kein Sünder.
Das Problem ist zudem ein Problem, das den gewöhnlichen Gläubigen in seinem Alltag trifft. Kann man sich noch auf den Katechismus oder die Heilige Schrift berufen? Politisch wird das Klima immer rauer. Der Fall der finnischen Politikerin Päivi Räsänen mag hier als leuchtendes Beispiel dienen. Für das Einstehen für die kirchliche Lehre verurteilt. Das ist etwas, das sie zur Bekennerin macht. Sie hatte den Rückhalt eines Bischofs. Wie aber soll man als Laie in der Welt für die Lehre der Kirche, wie sie Schrift und Tradition vermitteln einstehen, wenn einem ein Bischof, der auch noch offiziell von der Konferenz der Bischöfe zur öffentlichen Rede in einer bestimmten Frage beauftragt ist, in den Rücken fällt? Wenn also hier ein Bischof der Kirche für exakt das Gegenteil dessen eintritt, was die Kirche im Katechismus der Katholischen Kirche als authentischen Glauben der Kirche vorgelegt hat, wie soll ein Laie dann noch den Katechismus oder den Glauben verteidigen? Die Frage stellt sich dann wirklich, kann und darf ein Katholik sich noch auf die Lehre der Kirche berufen? Darf er sich in Frankreich dazu bekennen, in Deutschland nicht mehr? Wie ist das mit der Einheit, die zu wahren der Bischof bei der Weihe verspricht? Ist diese nicht längst zerbrochen? Es ist ja nicht so, als sei die jüngste Äußerung von Luger Schepers ein Einzelfall. Ja mehr noch, mit dem Papier zu sexueller Vielfalt in der Schule zeigt sich, das Schepers in der Bischofskonferenz kein Einzelfall ist. Auch die Schulkommission hat gezeigt, dass sie ähnliche Positionen vertritt, wie sie Schepers jüngst vertreten hat. Inzwischen gibt es Proteste von Laien, die das nicht akzeptieren wollen. Katholische Medien berichten kritisch über die Äußerungen des Weihbischofs. Innerhalb der katholischen Szene ist man entsetzt. Und hier schließt sich der Kreis. Während die umstrittenen Äußerungen von Ludger Schepers die Filterbubble durchstoßen, verbleibt die Kritik schön innerhalb der Bubble und selbst Katholiken, die sich vielleicht nicht aus neuen und alternativen Medien informieren, bekommen von der Kritik an solchen Äußerungen und von dem Widerstand, den gläubige Katholiken den umstrittenen Thesen entgegensetzen, nichts mit. Nur der Lob der Welt, der wird brav durch alle Medien weitergereicht.
Und so geraten selbst normale Katholiken in den Sog einer innerkirchlichen LGBT- und Genderagenda, weil sie die nötigen Informationen nicht erhalten, um sich zur Wehr setzen zu können. Hier versagen wichtige Teile der Kirche, indem sie zulassen, dass die Kleinen und Unwissenden, die weniger Gebildeten, die eher am Rande Stehenden aufgrund mangelnder Information der Agenda interessierter Kreise aufsitzen. Doch was will man tun, wenn ein Bischof nicht mehr die Lehre der Kirche vertritt. Neu ist das nicht. Schon Paulus schrieb an Timotheus: „Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln“ (2 Tim 4,3). Diese Zeit ist leider jetzt und sie ist leider tief in der Kirche eingedrungen.
Bild oben: Wenn ein Bischof so ganz hinter der Regenbogenagenda verschwindet, ist er kaum noch als Bischof zu identifizieren. Foto: Peter Winnemöller mit AI.
© 2026 www.kath.net