'Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf'

28. November 2004 in Spirituelles


Ein Kommentar zum Advent von Bischof Heinz Josef Algermissen: "Advent ist eine Zeit, in der mitten in einer säkularisierten Welt doch etwas vom Glanz unseres Glaubens sichtbar wird und durchleuchtet"


Es ist wieder Advent geworden. Man kann grollend sagen, eigentlich sei ernur ein Vorwand für Hektik und Geschäft, garniert mit sentimentalenSchablonen, die längst nicht mehr geglaubt werden. Das mag in vielen Fällenzutreffen, aber das Ganze ist es jedenfalls nicht.

Man kann auch sagen, Advent sei eine Zeit, in der mitten in einersäkularisierten Welt doch etwas vom Glanz unseres Glaubens sichtbar wird unddurchleuchtet. So wie die Sterne noch lange nach ihrem Erlöschen zu sehensind, weil ihr Licht von damals her noch immer auf dem Weg ist zu uns, sohat das Geheimnis etwas von der Wärme und Hoffnung auch noch für diejenigenübrig, die es nicht mehr zu glauben vermögen.

Und man kann feststellen, Advent sei eine Zeit, in der eine sonst fastvergessene Güte mobilisiert wird; die Bereitschaft, an andere zu denken undihnen ein Zeichen der Liebe zu geben.

Schließlich erleben wir, wie in den Melodien und Texten der AdventszeitSpuren der Phantasie und Glaubensstärke der Vorfahren in unsere Zeithereinragen, die uns trösten und ermutigen, es vielleicht doch wieder mitdem Glauben zu versuchen, der die Menschen inmitten schwerer Zeiten so frohmachen konnte.

Mit solcher Erfahrung sind wir ganz nah an dem, was die christlicheÜberlieferung mit dieser Zeit meinte und wollte. Sie hat ihre Auffassung vomAdvent in Bibelworten verdichtet gesehen. Eines davon will ichherausgreifen, einige Verse aus dem 13. Kapitel des Briefes, den Paulus andie Christen in Rom geschrieben hat. Dort sagt er: "Die Stunde ist gekommen,aufzustehen vom Schlaf. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darumlasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen desLichts. Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, nicht mit Gelagen undSaufereien, ohne Unzucht und Ausschweifungen, ohne Streit und Eifersucht.Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an." (Verse 11 - 13).

Advent bedeutet danach aufstehen, wach werden, aus dem Schlaf und der Nachtheraustreten. Was Paulus unter "Nacht" versteht, hat er mit den Worten"Gelage, Saufereien, Unzucht, Ausschweifungen, Streit und Eifersucht" (Vers13) unmissverständlich gesagt. Das nächtliche Gelage mit all seinenErscheinungen ist für ihn Ausdruck dessen, was Umnachtung ist. Es wird ihmzum Bild der heidnischen Welt überhaupt, die im Materiellen versinkt und beialler Lautstärke und Geschäftigkeit schläft, weil sie sich begnügt mit dem,was die Welt zu bieten vermag.

Der Dichter Günter Kunert sagt es so: "Ich bin ein Sucher eines Weges, derbreiter ist als ich. Sucher eines Weges für mehr als mich." Sucher ebeneines Weges, der nicht in den Geschäftsstraßen endet und dort Erfüllungsucht.

"Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf": das ist Thema im Advent2004 und heißt, mit dem Mut zum Glauben den Traum abschütteln, der unserewahre Berufung und unsere besten Möglichkeiten zerstört.

Vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, können uns ja die adventlichenLieder, die wir in den kommenden drei Wochen immer wieder hören, zuLichtsignalen werden, die uns den Weg zeigen, uns aufschauen lassen, dass esgrößere Verheißungen als die des Geldes, der Macht und des Vergnügens gibt.Wach werden für Gottes Klopfzeichen und die der Menschen, das ist die Artvon Wachheit, die das Licht findet und die Welt etwas heller werden lässt.


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