
11. Juni 2026 in Aktuelles
Leo XIV. in Gran Canaria: Die unentgeltliche Liebe Gottes. Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und der Einsatz für die Leidenden und der Ruf zum Frieden. Von Armin Schwibach
Gran Canaria (kath.net/as) Bei der Heiligen Messe im Stadion von Gran Canaria befasste sich Papst Leo XIV. mit dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, dem ganz Spanien geweiht ist. Zu Beginn der Feier brachte er seinen Dank für das Gute zum Ausdruck, das auf den Kanarischen Inseln Tag für Tag geschehe. Zugleich vertraute er dem Herrn das Engagement vieler Menschen sowie die Leiden an, die das Land erlebe. Besonders gedachte er der Menschen, die auf dem Meer ihr Leben verloren hätten, und lud die Gläubigen ein, für ihre Seelen zu beten. Gemeinsam mit den Gaben von Brot und Wein werde all dies zum Altar getragen. Der Papst bat darum, dass im Herzen der Gläubigen jene Gefühle lebendig würden, die das Herz des Erlösers kennzeichneten: Menschlichkeit, Erbarmen und Mitleid.
Ausgehend von der ersten Lesung erinnerte Leo XIV. daran, dass Gott Israel nicht wegen besonderer Vorzüge, Verdienste oder Fähigkeiten erwählt habe, sondern allein aus Liebe. Diese Liebe bleibe bestehen, auch wenn der Mensch sie nicht erwidere. Darin liege die Grundlage jeder christlichen Berufung. Der Papst beschrieb die Liebe Gottes als Wirklichkeit, die den ganzen Menschen erfasse. Sie gründe weder auf Berechnung noch auf bloßen Gefühlen und lasse sich auch nicht auf Philanthropie reduzieren. Diese Liebe sei „Feuer für die Seele, Licht für den Verstand, unwiderstehlicher Antrieb für die Freiheit“, zugleich Friede und eine Bewegung des Herzens, die den Menschen mit anderen Menschen verbinde. Zu lieben entspreche der Natur des Menschen und sei Voraussetzung für ein erfülltes Leben.
Im Herzen Christi werde diese Liebe sichtbar. Der Erlöser bleibe treu, auch angesichts von Ablehnung, Angst, Traurigkeit und menschlichem Widerstand. Im Antlitz Gottes erkenne der Mensch den Weg des Lebens. Dort lerne er eine neue Weise des Zusammenlebens, einen neuen Maßstab für Entscheidungen und eine neue Form der Gemeinschaft. An dieser Stelle griff Leo XIV. Worte von Papst Franziskus aus der Enzyklika Dilexit nos auf. Franziskus habe erklärt, dass „die beste Antwort auf die Liebe seines Herzens die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern ist“. Ebenso habe er betont: „Es gibt keine größere Geste, die wir ihm anbieten können, um seine Liebe mit Liebe zu erwidern“. Genau darin erkannte Leo XIV. die Einladung des Evangeliums. Der Mensch sei dazu berufen, die unendliche Liebe Gottes in den täglichen Dienst an den Brüdern und Schwestern zu verwandeln, besonders an den Bedürftigen, Schutzlosen und jenen, die nichts zurückgeben könnten. Der Papst verwies auf die Wirklichkeit der Kanarischen Inseln, wo Aufnahme, Teilen und selbstloses Geben vielerorts konkret gelebt würden.
Die Liebe des Herzens Christi erschöpfe sich jedoch nicht darin, Menschen das Überleben zu ermöglichen. Sie helfe ihnen vielmehr, Vertrauen zurückzugewinnen, ihren Weg fortzusetzen und ihre eigene Berufung zum Wohl aller zu entfalten. In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an Worte von Papst Benedikt XVI. (vgl. Caritas in veritate 1), wonach „die Liebe, die Jesus Christus mit seinem irdischen Leben […] bezeugt hat, der hauptsächliche Antrieb für die wirkliche Entwicklung eines jeden Menschen und der gesamten Menschheit“ sei.
Mit Blick auf die zweite Lesung aus dem ersten Johannesbrief hob der Papst hervor, dass Gott seinen Sohn gesandt habe, „damit wir durch ihn leben“. Er verband dies mit den Worten Jesu über das Leben in Fülle sowie mit dem Auftrag an den Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“. Leo XIV. betonte so eine doppelte Aufgabe der Kirche. Sie solle die Leidenden mit mütterlicher Zuwendung umarmen, zugleich aber auch dazu beitragen, dass sie aufstehen und ihren Weg in Freiheit und Würde fortsetzen könnten. Christliche Nächstenliebe dürfe daher nicht bei bloßer Wohlfahrt stehen bleiben. Sie müsse den Menschen helfen, sich geistig, intellektuell und körperlich zu entfalten und einen eigenen Beitrag zum Leben der Gesellschaft zu leisten. Auf diese Weise könnten selbst schmerzhafte Erfahrungen zu Gelegenheiten werden, „Samen der Hoffnung“ für die Zukunft auszusäen.
Im weiteren Verlauf seiner Predigt wandte sich Leo XIV. einem Merkmal des Herzens Jesu zu, das er als entscheidend bezeichnete: der Demut. Das Herz Jesu sei demütig. Deshalb nähmen jene seinen Herzschlag nicht wahr, die sich selbst genügten, alles zu wissen glaubten und weder Gott noch andere Menschen benötigten. Wer vom Lärm eines aufgeblähten und rastlosen Ichs beherrscht werde, verliere die Fähigkeit, die verborgene Gegenwart der Liebe wahrzunehmen. Unter Bezugnahme auf Dilexi te erinnerte der Papst daran, dass Wohlstand den Menschen nicht selten blind mache und ihn glauben lasse, Glück könne ohne die anderen erreicht werden. Christus lehre das Gegenteil. Wer die wahre Freude erfahren wolle, müsse von den Podesten der Arroganz herabsteigen und dem anderen in Demut begegnen. Der Papst zitierte sodann den heiligen Augustinus: „Wo Liebe ist, da ist Friede, und wo Demut ist, da ist Liebe“. In diesen Worten sah er eine Zusammenfassung des christlichen Lebens. Nur in der Demut erkenne der Mensch, wer er wirklich sei. Erst dadurch werde er fähig, den anderen wahrhaft zu lieben, ihm zu begegnen, zu schenken und zu vergeben:
„Heute verehren wir das Heiligste Herz Jesu, das wir oft mit einer Dornenkrone und einer brennenden Flamme dargestellt sehen, gemäß den Visionen der heiligen Margareta Maria Alacoque. Denken wir daran, dass wir die lebendige Gegenwart des Herrn in der Welt sind. Blicken wir daher - nicht nur an diesem Tag, sondern immer - mit Achtung und Vertrauen aufeinander, und erneuern wir in diesem Bewusstsein die Verpflichtung, in unserem Leben zum Wohl der Kirche in Liebe das zu ergänzen, was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt. Lasst uns, entflammt von der Liebe seines Herzens, zu Boten seiner Barmherzigkeit und seines Friedens werden, damit die Kriege in der Welt aufhören und um uns herum eine neue, in der Liebe versöhnte Menschheit heranwächst“.
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