
12. Juni 2026 in Weltkirche
In einer offiziellen Erklärung würdigte das Weiße Haus den Schritt der Bischöfe als einen „kraftvollen Moment in unserer nationalen Geschichte“.
Washington D.C. (kath.net)Im Vorfeld des geschichtsträchtigen 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung haben die katholischen Bischöfe der USA am Donnerstag das Land offiziell dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Die feierliche Zeremonie fand im Rahmen der Plenarversammlung der US-Bischofskonferenz (USCCB) in Orlando, Florida, statt. Der Termin wurde bewusst gewählt: Am heutigen Freitag begeht die katholische Kirche das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Flankiert wurde das Ereignis von einer offiziellen Grußbotschaft des US-Präsidenten aus dem Weißen Haus.
Die Weihe wurde während einer feierlichen Messe direkt im Anschluss an die Fürbitten durch ein gemeinsam gesprochenes Gebet vollzogen. Im ganzen Land waren Gemeinden, Pfarreien und Schulen dazu aufgerufen, sich der Initiative durch eigene Messen, heilige Stunden oder Novenen anzuschließen. Die gesamte Zeremonie sowie die öffentlichen Sitzungen der Versammlung wurden aufgezeichnet und über den YouTube-Kanal der US-Bischofskonferenz übertragen.
Die Festpredigt hielt der Erzbischof von Baltimore, William E. Lori. Er bezeichnete die Weihe als einen „Akt des Glaubens“ und ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Geschichte letztlich „die Geschichte von Gottes treuer Liebe in der Welt“ sei. Angesichts der bevorstehenden 250-Jahr-Feiern der Nation betonte Lori, dass man sich nicht selbst feiere, sondern das Land in die Hände Christi lege. "Wir weihen unsere Nation nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie von Gott geliebt wird“, so der Erzbischof. Er rief dazu auf, sowohl die Erfolge als auch die Verfehlungen der Vergangenheit vor Gott zu bringen. Die Weihe sei zudem ein „Akt der Hoffnung“, der daran erinnere, dass die Zukunft weder politischen Bewegungen noch wirtschaftlichen Kräften gehöre, sondern Gott allein.
In einer offiziellen Erklärung würdigte das Weiße Haus den Schritt der Bischöfe als einen „kraftvollen Moment in unserer nationalen Geschichte“. Präsident Donald J. Trump und die First Lady Melania erklärten, sich im Gebet mit den in Orlando versammelten Geistlichen zu vereinen.
Das Statement zog eine historische Linie zur Geburtsstunde der Republik: Bereits kurz nach dem Unabhängigkeitskrieg hatte Bischof John Carroll – der erste katholische Bischof des Landes und Cousin des katholischen Gründungsvaters Charles Carroll – die junge Nation der Gottesmutter Maria geweiht. Mit der jetzigen Weihe an das Heiligste Herz Jesu erreiche dieses geistliche Erbe einen neuen Meilenstein. Die christliche Botschaft stehe seit jeher im Zentrum der Identität und Lebensweise des Landes.
Das Weiße Haus nutzte die Botschaft zudem für einen bemerkenswerten historischen Exkurs: Der diesjährige Tag des Herz-Jesu-Festes (12. Juni) markiert den Jahrestag der historischen Rede von US-Präsident Ronald Reagan am Brandenburger Tor in Berlin im Jahr 1987 („Tear down this wall“).
In der Erklärung wurde an das damalige Zusammenwirken von Reagan und Papst Johannes Paul II. erinnert, die sich gemeinsam gegen den atheistischen Kommunismus stellten und den menschlichen Geist verteidigten. Mit Blick auf die Gegenwart warnte das Weiße Haus vor „neuen bedrohlichen Ideologien“, die versuchen würden, Gott erneut aus der Gesellschaft zu verdrängen. Die Weihe der Bischöfe sei daher ein wichtiges Zeichen zur Verteidigung des spirituellen Erbes und der Zivilisation.
In seiner Predigt in Orlando hatte auch Erzbischof Lori selbstkritische Töne angeschlagen. Weder die Nation noch die Kirche hätten der Liebe Christi immer entsprochen; es habe Zeiten der Spaltung und der Sünde gegeben. Die Weihe erfordere daher die Demut, diese Wunden anzuerkennen.
Gleichzeitig nahm Lori Bezug auf sein jüngstes Hirtenwort „In Charity and Truth“ und betonte, dass das Heiligste Herz Jesu nicht spalte, sondern versöhne. Ziel müsse es sein, gesellschaftliche Gräben, Ideologien und Ressentiments zu überwinden und eine Kultur aufzubauen, die von Gerechtigkeit, Frieden und dem Respekt vor der Würde jedes Menschen geprägt ist – insbesondere der Ungeborenen, der Einwanderer, der Armen und der Schwachen. Ein Anliegen, das auch das Weiße Haus in seiner Botschaft unterstrich, indem es an die Grundrechte auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück erinnerte. Abschließend betonte Lori, dass diese Erneuerung von den Gläubigen im täglichen Leben getragen werden müsse: „In einer Kultur, die Unabhängigkeit und Selbstgenügsamkeit preist, kommen wir öffentlich zusammen, um anzuerkennen, dass unsere tiefste Identität und unsere wahrste Hoffnung vom Herrn kommen.“
Passend zur historischen Weihe läuft in den US-Kinos derzeit (vom 9. bis 11. Juni sowie am 14. Juni) das französische Doku-Drama „Sacred Heart: His Reign Has No End“. Der Film beleuchtet die Geschichte der heiligen Margareta Maria Alacoque und die theologische Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung, was von den Bischöfen als vertiefendes Angebot für Familien und Pfarreien begrüßt wurde.
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