
9. Juli 2026 in Weltkirche
Viele Kritiker des II. Vaticanums und des unter Papst Paul VI. eingeführten Messritus bleiben dennoch der römischen Autorität gehorsam. Die FSSPX lehne diesen Weg bewusst ab, schreibt Larry Chapp in einem Beitrag für First Things.
Vatikan/Écône (kath.net/jg)
Das eigentliche Problem mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) liege in der raison d’être der Bruderschaft: Sie sei aus dem Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil, die nachkonziliaren Reformen und das Lehramt mehrerer Päpste entstanden. Ihre Identität gründe auf Ablehnung. Eine echte Versöhnung mit Rom würde diese Grundlage in Frage stellen und damit die eigene Existenzberechtigung untergraben. Was viele als Merkmal der Traditionalisten sehen – den kompromisslosen Widerstand –, erweise sich hier als zentrales Hindernis, schreibt Larry Chapp in einem Artikel für das Magazin First Things.
Die FSSPX gehe weit über legitime theologische Kritik an bestimmten Aspekten des Konzils oder der neuen Liturgie hinaus. Sie denunziere das gesamte nachkonziliare Projekt als von modernistischen Häresien durchsetzt und stelle ein selbstkonstruiertes „Ewiges Rom“ gegen das reale Lehramt und ein gültiges Ökumenisches Konzil. Viele andere Kritiker des Konzils und des unter Papst Paul VI. eingeführten Messritus bleiben dennoch der römischen Autorität gehorsam. Die FSSPX lehne diesen Weg bewusst ab.
Anhänger der Bruderschaft würden gerne von diesen Themen und verweisen oft auf andere Probleme in der Kirche, etwa den deutschen Synodalen Weg. Tatsächlich habe Rom dort einige radikale Forderungen zurückgewiesen, darunter Laienpredigten in der Messe, offizielle Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare und neue Leitungsstrukturen, welche die Rolle des Bischofs schwächen. Die Exkommunikation der SSPX könnte auch als Signal an andere unruhige Gruppen verstanden werden.
Davide Pagliarani, der Generalobere der FSSPX habe die Gespräche mit Kardinal Fernández, dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, für beendet erklärt und sie als sinnlos bezeichnet. Gleichzeitig beklage er die fehlende Audienz bei Papst Leo XIV. und stilisiere die Bruderschaft als Opfer vatikanischer Vernachlässigung. Doch warum sollte der Papst einem Mann eine prominente Bühne bieten, der bereits im Vorfeld erklärt hat, dass eine echte Versöhnung unmöglich sei? Eine solche Begegnung würde der SSPX nur den Anschein legitimer Kirchlichkeit verleihen, argumentiert Chapp.
Die Exkommunikation sei eine traurige Entwicklung, auch wenn sie unvermeidlich scheine. Exkommunikationen seien ihrem Wesen nach auf Heilung ausgerichtet und nicht nur strafend. Er hoffe, dass viele Priester und Laien in der FSSPX diesen Moment als Weckruf erleben – besonders jene, die eine sehr enge Auslegung von „extra ecclesiam nulla salus“ („außerhalb der Kirche ist kein Heil“) vertreten und sich nun selbst außerhalb der Kirche wiederfinden, schreibt Chapp abschließend.
Link zum Artikel von Larry Chapp auf First Things (englisch): Schism by Design
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