Überraschende Wendung im Mordfall Ann Widdecombe: Jetzt doch offizieller Terrorverdacht!

14. Juli 2026 in Aktuelles


Großbritannien: Anti-Terroreinheit übernimmt Ermittlungen – Zuvor hatte Polizei erläutert: Kein Terrorverdacht –Innenministerin Mahmood hält bewegenden Nachruf – Sicherheitssorgen für Parlamentarier und Ex-Parlamentarier steigen. Von Petra Lorleberg


London (kath.net/pl) Noch immer füllt der Mord an Ann Widdecombe die Schlagzeilen nicht nur in Großbritannien, sondern auch international. Die Todesnachricht kam am 9. Juli, wahrscheinlich war die 78-Jährige bereits am Vortag von einem jungen „weißen Mann“ mit einem Holzschläger brutal erschlagen worden. Ein tatverdächtiger 28-jähriger war 11. Juli in Rotherham festgenommen worden, 430 km vom Tatort entfernt. 

Nun kam es zu einem bemerkenswerten Umschwung in der Polizeiarbeit: Die ersten Tage nach Bekanntwerden des Mordes hatte die Polizei behauptet, es bestehe kein Terrorverdacht – allerdings lieferte die Polizei auch keine anderen denkbaren Motive. Auch nach der Festnahme des tatverdächtigen 28-Jährigen vertrat die Polizei, dass es keine Hinweise geben, wonach die Tat politisch motiviert sein könnte, erst am 13. Juli wurde bekannt gemacht, dass Terrorverdacht bestehe. Manchem war aber bereits aufgefallen, dass die Festnahme in Rotherham mit Unterstützung von regionalen Anti-Terroreinheiten durchgeführt worden war. Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck weiter, man wird für die nächsten Tage damit rechnen können, dass Näheres über die Motivlage des Tatverdächtigen bekanntgegeben wird. Der tatverdächtige 28-jährige Brite war vor dem Tod Widdecombes nicht polizeilich auffällig geworden.

Die britische Innenministerin Shabana Mahmood (Labour) wandte sich am 13.7. mit bewegenden Worten an das Britische Unterhaus. Die Rechtsanwältin und Muslimin würdigte Widdecombe als eine Person, die „ihr Leben der Politik und dem Dienst an der Öffentlichkeit gewidmet“ hatte. Sie sei „fast 40 Jahre lang eine feste Größe unseres politischen Lebens“ gewesen. „Sie brachte Überzeugung in unsere Politik ein – tief verwurzelt in ihrem starken katholischen Glauben. Sie vertrat ihre Ansichten offen und direkt und setzte sich mutig für die Dinge ein, an die sie glaubte.“ „Sie besaß eine einprägsame Art, sich auszudrücken. Und sie strahlte Lebensfreude aus. Sie setzte sich ernsthaft mit Ideen auseinander. Doch sie nahm sich selbst nicht zu ernst. Genau das ermöglichte es ihr, über dieses Haus hinaus zu wirken. Und das ganze Land für sich zu gewinnen. Sie war eine jener seltenen Politikerinnen, die über die Politik hinaus Bedeutung hatten.“

Mahmood fasst in ihrem Statement auch in Worte, was der Mord an Widdecombe ingesamt für die Sicherheit von britischen Politikern während und nach ihrer aktiven Amtszeit bedeutet. Sie wisse, dass diese Entwicklung „Fragen zur Sicherheit von Personen des öffentlichen Lebens aufwirft. Ich bin sicher nicht die Einzige hier, die auch an zwei weitere geschätzte Mitglieder dieses Hauses denkt: Jo Cox und Sir David Amess. Für uns hier ist die Politik eine Berufung. Aber sie sollte keine gefährliche sein. Daher liegt es an diesem Haus und der Regierung, gemeinsam für den Schutz derer zu sorgen, die sich in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. Das Innenministerium und die Polizei arbeiten eng mit der Sicherheitsabteilung des Parlaments zusammen, um den Abgeordneten direkten praktischen Rat und Unterstützung zu bieten.“ Den Parlamentariern werde die Polizei in Kürze entsprechende Hinweise zukommen lassen und ihnen auch für die Arbeit in den Wahlkreisen Unterstützung anzubieten. Auch würden die Sicherheitshinweise für ehemalige Parlamentsabgeordnete überprüft.

Widdecombe war über 20 Jahre als Parlamentarierin im Unterhaus gesessen und bleibt als unermüdliche Kämpferin für die Meinungsfreiheit in Erinnerung. Lebenslang trat sie für das volle Lebensrecht auch der ungeborenen Kinder ein, außerdem war sie ein expliziter Gegner der Sterbehilfe in jeder Form. Die diskussionsstarke Frau weckte teilweise auch den Respekt und die Sympathie ihrer politischen Widersacher, bei undifferenzierten Opponenten erweckte sie manchmal allerdings blanken Hass. Aus katholischer Sicht ist bemerkenswert, dass sie 1993 von der anglikanischen Gemeinschaft zur römisch-katholischen Kirche konvertierte, weil die Anglikaner die Priesterweihe für Frauen eingeführt hatten. 

Noch im vergangenen Jahr hatte sie in einem EWTN-Interview erläutert: „Das Großartige am Katholizismus ist, dass er keine Kompromisse eingeht – etwas ist entweder wahr oder falsch. Es ist richtig oder falsch. Es ist eine Sünde oder eben nicht. Es gibt dort nicht dieses endlose Herumdrucksen, wie man es bei der anglikanischen Kirche erlebt.“ Die Church of England, so erinnerte sie sich, habe „den Glauben dem Zeitgeist und das Glaubensbekenntnis dem Kompromiss geopfert, und die Zahl der Kirchenbesucher sank. Sie wuchs nicht. Sie konnte auch gar nicht wachsen, denn man verlangte von den Menschen, einem Nebel zu folgen.“ Daher fühlte sie sich ganz natürlich zum katholischen Glauben hingezogen. Sie hatte gegenüber EWTN weiter ausgeführt: „Wenn ich nicht glauben würde, dass dies die eine, wahre Kirche ist, wäre ich keine Katholikin.“ Ihre Aufnahme in die Kirche war, wie sie sagte, die beste Entscheidung, die sie je getroffen hatte. Als Katholikin trat sie entschieden für den Glauben ein und verteidigte die Morallehre der Kirche – insbesondere die Heiligkeit des Lebens und die Ehe zwischen Mann und Frau sowie die Ablehnung von Abtreibung und Drogenkonsum. Sie besuchte regelmäßig die Sonntagsmesse und das Bistum Westminster hat ein Foto veröffentlicht, wie sie als Lektorin am Ambo steht. 

Der frühere Vertraute von Queen Elizabeth, Gavin Ashenden (früher anglikanischer Priester, heute römisch-katholischer Laie), hat inzwischen bereits die Frage gestellt, ob Widdecombe vielleicht christliche Märtyrerin und auch Märtyrerin für die Meinungsfreiheit ist.

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Archivfoto: Anne Widdecombe als Lektorin während einer Messfeier (c) Diözese Westminster

EWTN-Video mit Widdecombe 2025


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