
25. August 2026 in Kommentar
In Irland passieren derzeit interessante Dinge: Bistümer werden de facto zusammengelegt. Auch im deutschsprachigen Raum könnte man locker ein Dutzend Diözesen zusammenlegen und etliche Diözesanbischöfe einsparen. Ein Kommentar von Roland Noé
Dublin-Wien (kath.net)
Was vor wenigen Jahren im ländlichen Westen Irlands als vorsichtiges Experiment begann, hat nun auch den Osten der Insel erreicht: Die Zusammenlegung von Diözesen in persona episcopi. Mit der Ernennung von Bischof Gerard Nash zum zeitgleichen Oberhirten von Ferns und Ossory setzt der Vatikan einen bemerkenswerten Kurs fort. Formal bleiben die Bistümer zwar eigenständig, doch die Praxis spricht eine deutliche Sprache: Die irische Kirche schrumpft – und mit ihr ihr Verwaltungsapparat. Wenn historische Bistümer aus dem 6. und 7. Jahrhundert aus Personalmangel unter einer einzigen Bischofsmütze vereint werden, zeigt das vor allem eines: Wo die Substanz schwindet, müssen endlich auch die aufgeblähten Strukturen folgen.
Genau an diesem Punkt wird die Entwicklung in Irland zum Spiegel für die Katholische Kirche in Deutschland und den gesamten deutschsprachigen Raum. Während hierzulande die Zahl der Gläubigen und die Einnahmen seit Jahren dramatisch einbrechen, leistet man sich weiterhin 27 vollwertige Diözesen mit eigenen aufgeblähten Verwaltungen, Generalvikariaten, Domkapiteln und Bischofssitzen. Den Gläubigen ist kaum mehr vermittelbar, warum angesichts leerer Bänke und schwindender Priesterzahlen starr am Status quo festgehalten wird: Immer weniger Gläubige, aber unverändert viele Bischöfe.
Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei den Kirchenstrukturen endlich konsequent gespart wird. Diözesen, die vor allem Pfarreien auflösen und kaum noch Priesternachwuchs hervorbringen, sollten aus Rom mit spürbaren Konsequenzen rechnen müssen. In Österreich könnten das Burgenland, das Bistum Gurk oder die Diözese Feldkirch problemlos von Nachbardiözesen mitverwaltet werden. Auch die Diözese Linz, die de facto kaum mehr Priesternachwuchs verzeichnet, könnte von Salzburg mitbetreut werden. Die entsprechenden Bischofssitze ließen sich schlicht einsparen.
Auch in Deutschland wissen die Katholiken vor Ort am besten, was sinnvoll und machbar ist. Das Einsparpotenzial von fünf bis zehn Diözesanbischöfen liegt auf der Hand.
Die Reduzierung und Fusion von Bistümern sowie die Zusammenlegung von Bischofssitzen böte enorme finanzielle Freiräume. Mittel, die nicht länger in der Verwaltung versickern, sondern endlich wieder direkt in die Seelsorge vor Ort und die Arbeit mit den Menschen investiert werden könnten. Wer den Status quo stur verwaltet, verpasst den Zeitpunkt für einen echten Neuanfang.
Foto: (c) GROK
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