
29. August 2026 in Spirituelles
Die norwegischen Katholiken trauern um ihren König – Bischof Varden: „Wir alle müssen diesen Weg einmal gehen. Es ist das Einzige, was im Leben gewiss ist. Doch der Tod eines Königs berührt uns auf besondere Weise“
Oslo (kath.net/Den katolske kirke/pl) kath.net dokumentiert die Gedanken von Bischof Erik Varden, Prälat von Trondheim, Apostolischer Administrator von Tromsø, Trappistenmönch und aktueller Präsident der Skandinavischen Bischofskonferenz, zum Tod von König Harald V. am 28.8.2026 in voller Länge in eigener Übersetzung:
Die Tradition der Kirche gibt uns ein Gebet an die Hand, das wir im Angesicht des Todes sprechen können, wenn uns die eigenen Worte fehlen. Dieses Gebet stammt aus dem 9. Jahrhundert. Es beginnt mit den Worten: „Scheide aus dieser Welt, christliche Seele, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; und im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen wurde.“
Das Gebet erinnert uns daran, dass der Tod ein Übergang vom Leben zum Leben ist.
Heute ist unser geliebter König Harald V. diesen Weg gegangen. In Ehrfurcht und Dankbarkeit empfehlen wir ihn der liebevollen Barmherzigkeit Gottes.
Wir alle müssen diesen Weg einmal gehen. Es ist das Einzige, was im Leben gewiss ist. Doch der Tod eines Königs berührt uns auf besondere Weise. Plötzlich fühlen wir uns vaterlos, umgeben von einer tief spürbaren Abwesenheit.
Auf vorbildliche Weise hat König Harald die Nation verkörpert. Wir haben ihn gekannt und geschätzt. Wir haben seine Fürsorge gespürt und uns in der Wärme geborgen gefühlt, die er ausstrahlte.
Er gab uns ein großartiges Beispiel für Hingabe. Er war durch und durch König – dem Volk so sehr zugewandt, dass kein eigenes Ego im Wege zu stehen schien. So begegnete er uns auf segensreiche Weise.
Wir, die norwegischen Katholiken, beten voller Hingabe für ihn. Wir beten für Ihre Majestät die Königin und für die gesamte Königsfamilie. Nicht zuletzt beten wir für König Haakon VIII. – um Segen und Weisheit.
Der alte Ausruf „Der König ist tot, lang lebe der König!“ berührt uns heute. Die Monarchie steht als feste Achse in der Gesellschaft. Sie steht für natürliche Kontinuität. In Zeiten, die so ungewiss sind wie die unseren, ist sie ein Segen. König Harald hat gemeinsam mit Königin Sonja für eine besondere Stabilität in Norwegen gesorgt. Der König war ein natürlicher Bezugspunkt in Leid und Freude – stets mit Würde. Er hat weise zu uns gesprochen, mit einem feinen Humor, den wir vermissen werden.
„Gott segne unseren König!
Segne ihn mit Kraft und Mut,
segne Heim und Burg!
Erleuchte ihn durch deinen Geist,
knüpfe mit deiner starken Hand
heilige Bande der Treue
zwischen Volk und König!“
Das Königslied
Nun wollen wir König Haakon in Treue umschließen, auf dass das Vermächtnis fortgeführt werde – genährt von jenem Vertrauen, das in diesem Land seit Generationen das Verhältnis „zwischen Volk und König“ geprägt hat.
Das Gebet am Sterbebett schließt mit dem Ausdruck einer festen, lichtvollen Hoffnung: „Heute wirst du deine Heimat im Frieden finden; deine Heimat wird bei Gott sein.“ Auf die Fürsprache des heiligen Olav, des ewigen Königs von Norwegen, erbitten wir Frieden für das Andenken an König Harald V. und danken Gott für alles, was er uns durch ihn geschenkt hat.
Requiescat in pace!
+Erik Varden OCSO
Bischof der katholischen Diözese Trondheim und Apostolischer Administrator der Diözese Tromsø
Archivfoto König Harald V. 2010 (c) Wikipedia/CC BY 4.0/The Presidential Press and Information Office
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