Vatikan wirbt für Religionsdialog - Eine Islamfeindlichkeit im Westen?

16. September 2026 in Weltkirche


Vatikan ruft zu mehr Verständigung zwischen den Religionen auf - gegen Christenverfolgung, Antisemitismus und eine angebliche Islamfeindlichkeit im Westen


Vatikan  (kath.net/KAP/red) Der Vatikan setzt ein Zeichen für Religionsvielfalt und Toleranz. In einem am Mittwoch veröffentlichten Dokument mit dem Titel "Ein Weg der Hoffnung" wendet sich die katholische Kirche gegen Christenverfolgung, Antisemitismus und  Islamfeindlichkeit. Der knapp 30 Seiten umfassende Aufruf zu einem gemeinsamen Einsatz aller Religionen für Respekt, Dialog und ein friedliches Zusammenleben wurde von drei Behörden der Römischen Kurie gemeinsam verfasst: den Dikasterien für die Glaubenslehre, für die Förderung der Einheit der Christen und für den interreligiösen Dialog. "Wie können wir den Ruf nach universaler Geschwisterlichkeit in Gesellschaften, die von wachsender kultureller und religiöser Vielfalt sowie von Krieg und Gewalt geprägt sind (...) in die Praxis umsetzen?", lautet der Ausgangspunkt der "Note".

Verfasst wurde sie anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Sie war das erste offizielle Dokument, in dem die katholische Kirche die anderen Religionen positiv würdigte. Die Note bekräftigt das gemeinsame Erbe und die Solidarität mit dem jüdischen Volk.

Neben dem gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus sind auch die Konflikte im Nahen Osten ein Thema. "Viele Kommunikationsbrücken sind ins Wanken geraten und werden aufgrund der unterschiedlichen Deutung der Geschehnisse, die oft selbst innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaften nicht eindeutig ist, weiterhin auf die Probe gestellt", so die Note. Dennoch seien laut dem Vatikan die Säulen des Dialogs stabil - darauf müsse weiter aufgebaut werden.

Durchaus umstritten dürften dann eine Einschätzung der Verfasser des Schreibens sein, die angebliche Islamfeindlichkeit im Westen verurteile, die nicht angemessen zwischen Fundamentalismus und Gewalt einerseits und dem friedlichen Leben muslimischer Gläubiger andererseits unterscheide. "Wir müssen jenen christlichen Gemeinschaften danken, die im Geiste der Gastfreundschaft sowie eines besseren Verständnisses und einer größeren Wertschätzung gegenüber muslimischen Gläubigen gewachsen sind", heißt es.

Trotz Fortschritten gebe es Schwierigkeiten im Dialog. So befürchteten einige Kreise beispielsweise eine Verwässerung der religiösen Identität. In gewissen Regionen seien die Beziehungen historisch von Konflikten geprägt, was Vertrauen erschwere - insbesondere zwischen Muslimen und Christen. Anderswo untergrüben Fundamentalismus, Vorurteile und politische Manipulation religiöser Zugehörigkeiten oder Gewalt im Namen Gottes die Grundlagen des Dialogs. In säkularisierten Gesellschaften werde das Religiöse manchmal an den Rand gedrängt oder instrumentalisiert.

Ein aufrichtiger Dialog schließe jegliche Instrumentalisierung aus. Er ziele auf gegenseitiges Verständnis auf die Entdeckung dessen ab, was für alle richtig und authentisch ist. "Angesichts derer, die Spaltungen schüren und Konflikte vorbereiten, sind heute die Gläubigen der verschiedenen Traditionen und an erster Stelle ihre Oberhäupter (...) aufgerufen, mit Klarheit und Hoffnung nach den Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben zu suchen", so die Verfasser. Die Geschwisterlichkeit unter Gläubigen verschiedener religiöser Traditionen sei kein bloßes Ideal, sondern eine moralische, geistliche und soziale Notwendigkeit. 

Das Schreiben im WORTLAUT


© 2026 www.kath.net