
22. Oktober 2026 in Deutschland
Die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse hat in einem offenen Brief Kritik des Bistums Trier an der Aktion ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ zurückgewiesen. Geschenke sollen einem Kind Freude bereiten und ihm zeigen, dass es von Gott geliebt is
Berlin/Trier (kath.net/jg)
Die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse hat in einem offenen Brief an das Bistum Trier Stellung zu dessen Kritik an der jährlichen Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ genommen. Die beiden Vorstandsmitglieder, die den Brief unterzeichnet haben, weisen die Darstellung zurück, die Geschenkaktion instrumentalisiere die Bedürftigkeit von Kindern für missionarische Zwecke. Sie treten auch dem Vorwurf der mangelnden Nachhaltigkeit entgegen und zeigen den besonderen Wert der Geschenke und ihrer Wirkung.
Das Bistum Trier kritisierte am 30. September in einer offenbar aus früheren Jahren übernommenen Stellungnahme, die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ leiste keine nachhaltige Entwicklungshilfe. Die Aktion nutze die Geschenke als Türöffner für messianische Aktivitäten.
Sylke Busenbender, Vorstandsvorsitzende von Samaritan’s Purse, hält dem entgegen, dass ihre Organisation in vielen Krisengebieten in der ganzen Welt umfassende humanitäre und medizinische Hilfe leistet. Eine Geschenkaktion sei aber kein Entwicklungsprojekt, betont sie. Das Geschenk „soll einem Kind die größtmögliche Freude machen und ihm zeigen: Du bist ein von Gott geliebtes Kind und du bist es wert, wunderbar beschenkt zu werden. Das Geschenk ist dabei kein Türöffner für die Mission, sondern trägt diese Botschaft bereits in sich“, stellt sie wörtlich fest.
Die Verteilung der Geschenke übernehmen lokale christliche Gemeinden verschiedener Konfessionen. Sie laden die Kinder zu Weihnachtsfeiern ein und überreichen ihnen die Geschenke. Die Kinder können an einem Glaubenskurs teilnehmen. Die Teilnahme ist freiwillig und setzt die Zustimmung der Eltern voraus. Die Geschenke sind an keine Bedingung geknüpft, betont Samaritan’s Purse.
Aus der Geschenkaktion entstehen langfristige Beziehungen und Netzwerke zwischen Menschen und Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen. Venezuela sei dafür ein aktuelles Beispiel. Nach dem Erdbeben hat Samaritan’s Purse rund 270 Tonnen Hilfsgüter ins Land gebracht. Die Verteilung wurde von einem Netzwerk lokaler Organisationen getragen, welches nicht zuletzt durch „Weihnachten im Schuhkarton“ entstanden ist.
„Mission ist kein Gegensatz zu nachhaltiger Hilfe“ betont Sylke Busenbender. Nachhaltige Veränderung zeige sich auch darin, wie Menschen sich selbst und andere sehen. Der christliche Glaube eröffne hier neue Perspektiven. Jeder Mensch ist von Gott geliebt und gewollt. Diese Gewissheit gebe Hoffnung und begründe Verantwortung füreinander.
„Wort und Tat gehören für uns zusammen“, betont Busenbender. „Samaritan’s Purse betreibt in Krisengebieten Feldkrankenhäuser, errichtet Notunterkünfte und versorgt Menschen mit Lebensmitteln und sauberem Wasser. Diese Einsätze sind gelebter christlicher Glaube. Und wir verschweigen nicht, was uns antreibt.“
Samaritan’s Purse geht davon aus, dass das Bistum Trier die sachlich unzutreffenden Darstellungen überprüft und korrigiert. Zugleich bietet der Vorstand einen offenen Austausch über das Verständnis von Mission und christlicher Hilfe an.
„Weihnachten im Schuhkarton“ ist Teil einer internationalen Aktion, die 1993 begonnen hat. Seither haben mehr als 244 Millionen Kinder einen Schuhkarton erhalten. 2025 waren es über 12 Millionen, rund 276.000 Schuhkartons kamen aus dem deutschsprachigen Raum.
Foto: Samaritan's Purse, Weihnachten im Schuhkarton in Ruanda
© 2026 www.kath.net