Fatima-Tag in Berlin

26. Oktober 2026 in Kommentar


Tausende beteten am Brandenburger Tor für den Frieden. Gastbeitrag von Vianney Verena Fabekovec


Berlin (kath.net) um fünften Mal organisierte die Initiative „Deutschland dankt Maria und beten für den Frieden“ des deutschen katholischen Historikers und Bestsellerautors Dr. hc. Michael Hesemann am 12. Oktober einen großen „Fatima-Tag“ in Berlin. Wie auch in den Vorjahren kamen dazu tausende Pilger aus allen Teilen des Landes und, ein Novum, auch aus dem benachbarten Polen. Sie beteten auch für die Genesung von Papst Leo XIV.

Die Idee dazu war 2017 im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima entstanden. Hesemann, der diverse Bücher über Marienerscheinungen und Themen der Kirchengeschichte sowie eine vielbeachtete Biografie des hl. Johannes Paul II. („Johannes Paul, der Große“) verfasst hat, teilte die Überzeugung des großen polnischen Papstes, dass der Fall der Mauern in Europa und die deutsche Wiedervereinigung 1989-90 nur möglich waren, weil dieser am 25. März 1984 Russland und die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht hatte. Genau das hatte die Gottesmutter bei ihrer dritten Erscheinung am 13. Juli 1917 in Fatima erbeten und prophezeit: „Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden“. Tatsächlich kam innerhalb eines Jahres nach der Weihe Michail Gorbatschow an die Macht, der einen neuen Weg, die Perestroika, verkündete. Nur vier Jahre später fielen in ganz Europa die Mauern, im siebten Jahr nach der Weihe, Ende 1991, kollabierte die kommunistische Sowjetunion und Russland wurde wieder ein christliches Land. In manchen Jahren wurden bis zu 1000 Kirchen neu geweiht, drei an jedem Kalendertag. Doch dann, mit dem neuen Jahrtausend, kam es anders. Der Glaube wurde politisiert, mit ihm rechtfertigte Vladimir Putin 2022 seinen Angriffskrieg in der Ukraine, mit dem eine 33jährige Friedenszeit in Europa endete.
 
Bischof Marian Eleganti, OSB und Michael Hesemann

„Wir haben das Geschenk des Friedens und der Wiedervereinigung empfangen, ohne uns dafür zu bedanken“, erklärte Hesemann, der seit 2013 dem Ritterorden der Schwarzen Madonna von Jasna Gora (Rycerze Jasnogórskiej Bogarodzicy) angehört. „Stattdessen lebten wir schon in den hedonistischen 1990ern, trotz der Mahnung des großen, polnischen Papstes, als ob es Gott nicht gäbe, huldigten im Westen ab der Jahrtausendwende antichristlichen Ideologien. Kein Wunder also, dass es zu neuen Kriegen kam, die laut der Botschaft von Fatima die Konsequenz daraus sind, dass wir Gott beleidigen und so leben, als ob es ihn nicht gäbe.“ 

Der Historiker hätte sich spätestens zum Fatima-Jubiläum 2017 eine Dankwallfahrt der deutschen Bischöfe gewünscht – aber nichts geschah. „Wenn die Deutschen nicht nach Fatima pilgern, müssen wir Fatima nach Berlin holen“, beschloss er, suchte sich Mitstreiter und gründete den Verein „Deutschland dankt Maria“, der seit 2022 an jedem 12. oder 13. Oktober in Berlin mit 2-4000 Teilnehmern eine große Lichterprozession mit der Fatima-Madonna veranstaltete. Im Angesicht des Ukraine-Krieges wurde der ursprüngliche Name von „Deutschland dankt Maria“ auf Anregung des damaligen Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, durch den Zusatz „und betet für den Frieden“ ergänzt. 

Der Weg der Lichterprozession konnte symbolischer nicht sein: Er verläuft von der Kirche St. Clemens, die nahe der ehemaligen DDR-Grenze steht und wo heute aus Indien stammende Vinzentinerpatres rund um die Uhr eine eucharistische Anbetung abhalten, hin zum Brandenburger Tor, den Symbol schlechthin für das geteilte und 1990 friedlich wiedervereinigte Deutschland. Von ihm sagte der hl. Johannes Paul II., der es am 23. Juni 1996 in Begleitung des damaligen deutschen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl durchschritt: 

„Nirgendwo sonst haben sich während der gewaltsamen Teilung Ihres Landes die Sehnsüchte nach Einheit so sehr mit einem Bauwerk verbunden wie hier. Das Brandenburger Tor wurde von zwei deutschen Diktaturen besetzt. Den nationalsozialistischen Gewaltherrschern diente es als imposante Kulisse für Paraden und Fackelzüge, und von den kommunistischen Tyrannen wurde dieses Tor mitten in dieser Stadt zugemauert. Weil sie Angst vor der Freiheit hatten, pervertierten die Ideologen ein Tor zur Mauer. Gerade an dieser Stelle Berlins, die zugleich zur Nahtstelle Europas wurde, zur unnatürlichen Schnittstelle zwischen Ost und West, gerade an dieser Stelle offenbarte sich für alle Welt sichtbar die grausame Fratze des Kommunismus, dem die menschlichen Sehnsüchte nach Freiheit und Frieden suspekt sind. Vor allem aber fürchtet er die Freiheit des Geistes. Auch sie wollten die braunen und roten Diktatoren zumauern. 

Menschen waren durch Mauern und tödliche Grenzen voneinander getrennt. Und in dieser Situation wurde das Brandenburger Tor im November 1989 Zeuge davon, dass Menschen das Joch der Unterdrückung abschüttelten und zerbrachen. Das geschlossene Brandenburger Tor stand da wie ein Symbol der Trennung; als es endlich geöffnet wurde, wurde es zum Symbol der Einheit und Freiheit …“

Der Gottesmutter für diese Einheit und Freiheit danken und darum beten, dass sie erhalten bleibt, wollten an diesem 12. Oktober wieder fast 2000 Deutsche. Vorausgegangen war der Lichterprozession ein feierliches Pontifikalamt mit dem Schweizer Bischof Marian Eleganti, der wie kein anderer die Botschaft von Fatima zu seiner eigenen gemacht hat. In seiner Predigt konzentrierte er sich auf das Gebet von Fatima, das der „Engel von Portugal“ – es wird vermutet, dass es der hl. Michael war – schon 1916, als Vorbereitung auf die Marienerscheinungen, die Seherkinder von Fatima lehrte: "Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben." In ihm sah er die Kernbotschaft des Christseins, glauben, beten, hoffen und lieben und dabei in liebevollem Mitgefühl zu den Nichtgläubigen stehen, die unseres Gebetes bedürfen, weil sie selber nicht beten. Das sei umso wichtiger in einer agnostischen Stadt wie Berlin, in der Christen nur eine Minderheit sind. Durch unser Gebet können wir sie mit uns zum Heil führen. Das sei umso dringlicher in einer Zeit, in der die Politik einen Krieg vorzubereiten scheint, wo erstmals seit Jahrzehnten wieder hochgerüstet wird, denn, das lehrte die Gottesmutter in Fatima, durch unser Gebet können wir Kriege verhindern. „Der Rosenkranz ist eine mächtigere Waffe als die Atombombe“, lehrte auch der hl. Pater Pio. In den anschließenden Fürbitten wurde auch für die Genesung von Papst Leo XIV. gebetet, der ausgerechnet am Fatima-Tag, dem 13. Oktober, zu einer Lungenoperation in die römische Gemelli-Klinik zu gehen angekündigt hatte.

Anschließend, nach dem feierlichen Segen mit den Reliquien der Kinder von Fatima, zog Bischof Eleganti mit den Gläubigen, die Marienlieder sangen und den Rosenkranz beteten, durch die nächtlichen Straßen Berlins. Gerade in diesen Tagen veranstaltet die deutsche Hauptstadt ein „Festival der Lichter“, sind Denkmäler und moderne Hochhäuser mit surrealen Farbenmustern und bildlichen Motiven angestrahlt, was in einem reizvollen Kontrast zum Flackern der Prozessionskerzen stand. Hinter dem Bischof wurde eine Statue der Gottesmutter von Fatima getragen, die „Deutsche Fatima-Friedensmadonna“, die vor einem Jahr von Papst Leo XIV. speziell für „Deutschland dankt Maria“, die Berliner Prozessionen, gesegnet worden war. Ihm voran zogen Priester und Ordensleute, die zehn kostbare Reliquien trugen, darunter Knochen-, Haar- und Blutreliquien der Kinder von Fatima, des hl. Johannes Paul II., des hl. Carlo Acutis, dessen Festtag der 12. Oktober ist und der hl. Schwester Faustyna Kowalska, aber auch der hl. Edith Stein, einer zum Katholizismus konvertierten jüdischen Philosophin, die in den Karmeliterinnenorden eintrat und von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet wurde. Sie sollte ein Zeichen setzen gegen den in Deutschland neu aufflackernden Antisemitismus muslimischer Einwanderer, der gerade in Berlin für Besorgnis sorgte.

Vor dem Brandenburger Tor angekommen, kniete Bischof Eleganti vor der Statue der Muttergottes nieder und sprach das Weihegebet des hl. Johannes Pauls II. vom 25. März 1984, das mit dem Flehen an die heiligste Jungfrau endet: „Von Hunger und Krieg: befreie uns!  Von Atomkrieg, unkontrollierbarer Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!  Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns! Vom Hass und von der Missachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns! Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns! Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns! Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!“

Es waren friedvolle, lichterfüllte Stunden in dem ansonsten so quirligen Berlin, die auch die Passanten und Touristen, die Deutschlands Hauptstadt besuchten, berührten; viele schlossen sich spontan dem Prozessionszug an. Auch ihnen versprach Hesemann, dass es nicht der letzte Fatima-Tag in Berlin sein würde. 2027, zum 110. Jahrestag des Sonnenwunders von Fatima, wird Deutschland wieder in einer Lichterprozession durch das Herz Berlins der Gottesmutter danken und den Frieden erbitten.

Foto (c) Vianney Verena Fabekovec


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