Erzbischof Marini über Johannes Paul II.: Er war für mich ein zweiter Vater

27. Oktober 2026 in Chronik


Ein langer Händedruck und ein letzter Blick, so erinnert sich der langjährige Päpstliche Zeremonienmeister Erzbischof Piero Marini an den Abschied von Johannes Paul II., der damals nicht mehr sprechen konnte.


Rom (kath.net/Polnischsprachige Ausgabe von „Vatican News“/pl) „Er war für mich ein zweiter Vater“, bekannte der emeritierte Kurienerzbischof Piero Marini anlässlich der feierlichen Überbringung der Reliquien des heiligen Papstes Johannes Paul II. in die Kirche „Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe“ an der Via Merulana in Rom. In seiner Predigt berichtete der langjährige Leiter der päpstlichen Liturgiefeiern von gemeinsamen Reisen, Bischofsweihen und einer Verbundenheit, die sein Leben prägte. Das berichtete Łukasz Bankowski, Priester und Redakteur der polnischsprachigen Ausgabe von „Vatikan News“.

Begegnung in Krakau

Die Geschichte dieser Bekanntschaft begann im Mai 1973. Während eines mehrtägigen Aufenthalts in Krakau lernte Pfr. Piero Marini den damaligen Metropoliten, Kardinal Karol Wojtyła, kennen. Fünf Jahre später, als der Krakauer Erzbischof zum Papst gewählt wurde, war Marini bereits als päpstlicher Zeremonienmeister tätig. Wie er sich erinnerte, begegnete er damals erneut jenem Hirten, den er in Polen kennengelernt hatte.

In seiner Predigt ordnete er diese Bekanntschaft in den Kontext göttlicher Vorsehung ein. Rückblickend auf seinen Lebensweg erkannte er die Gegenwart Gottes in den Menschen, die ihm halfen und ihm mit Liebe begegneten. Johannes Paul II. war für ihn einer dieser „Engel“.

Mit dem Papst durch die Welt

Im Jahr 1987 ernannte Johannes Paul II. ihn zum Zeremonienmeister für die päpstlichen liturgischen Feiern. Erzbischof Marini erinnerte daran, dass er den Papst auf 74 apostolischen Reisen ins Ausland – bei denen sie mehr als hundert Länder besuchten – sowie auf etwa fünfzig Reisen innerhalb Italiens begleitete.

Jeder Reise ging ein Vorbereitungsbesuch voraus. Auf diese Weise lernte er die örtlichen Gemeinschaften kennen und erlebte die Verbindung zwischen der Liturgie und deren jeweiliger Kultur. Wie er betonte, faszinierte diese Beziehung den polnischen Papst zutiefst.

Unter Bezugnahme auf Worte von Johannes Paul II. bekannte er, dass auch er sich als „Pilger“ gefühlt habe, der „ein besonderes Heiligtum besucht: das Volk Gottes“. In den Menschen, denen er begegnete, konnte er das Antlitz Christi betrachten – „einmal am Kreuz entstellt, ein anderes Mal strahlend vor Licht, wie am Ostermorgen“.

„Du bist in den heiligsten Augenblicken an meiner Seite“

Einen besonderen Platz in seinen Erinnerungen nimmt die Bischofsweihe ein, die Johannes Paul II. ihm am 19. März 1998 spendete. Erzbischof Marini sprach bewegt von der Handauflegung durch den Papst und den Worten, die er während der Predigt vernahm.

„Indem du diese Aufgabe erfüllst, bist du in den heiligsten Augenblicken an meiner Seite“, sagte der Papst damals und dankte ihm für seinen Einsatz im liturgischen Dienst sowie für seine treue Begleitung, wohin auch immer ihn sein Petrusdienst führte. Er drückte zudem die Überzeugung aus, dass die Bischofsweihe seine Sensibilität und seinen Eifer für die Ehre Gottes sowie für das geistliche Wohl der Gläubigen noch weiter vervollkommnen werde.

Ein Abschied ohne Worte

Das persönlichste Zeugnis bezog sich auf die letzte Begegnung Anfang April 2005. „Ich bewahre die lebendige Erinnerung an einen langen Händedruck und einen letzten Blick, mit dem sich der heilige Johannes Paul II. – da er nicht mehr sprechen konnte – ein letztes Mal von mir verabschiedete“, erinnerte sich Erzbischof Marini. Der Papst lag damals, kurz vor seinem Tod, auf seinem Bett. „Er war für mich wie ein zweiter Vater gewesen“, fügte er hinzu. 

Liebe, die zum Zeugnis wird

Erinnerungen an den heiligen Papst begleiteten die Betrachtung über das höchste Gebot. Erzbischof Marini betonte, dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten untrennbar miteinander verbunden sind und dass sich die Größe der Kirche in einer Liebe ausdrückt, die fähig ist, Hass, Verachtung und Gleichgültigkeit zu überwinden.

„Wenn wir die Kirche verlassen, beginnt unser christliches Zeugnis“, erinnerte er. Er wies zudem darauf hin, dass der Empfang der Eucharistie dazu verpflichtet, im täglichen Leben selbst zum Leib Christi zu werden. Er schloss mit dem Gebet, dass die Gedanken, Worte, Gesten und Taten der Gläubigen zu Gedanken, Worten, Gesten und Taten des Herrn werden mögen.

Verehrung der Reliquien des großen Papstes

Ein Anlaufpunkt für polnische Pilger

Das Heiligtum Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe an der Via Merulana ist auch ein Anlaufpunkt für polnische Pilger in Rom. Für die Seelsorge der polnischen Gemeinschaft ist der Redemptorist P. Marek Kordecki zuständig. Heilige Messen in polnischer Sprache finden sonntags um 9:30 Uhr und 12:30 Uhr, mittwochs um 17:30 Uhr sowie donnerstags um 15:30 Uhr statt. Der Eucharistiefeier am Mittwoch geht um 17:00 Uhr eine Novene voraus.

Archivfoto: Papst Johannes Paul II. und Erzbischof Marini


© 2026 www.kath.net