Der unbekannte Bekannte: St. Martin

1. November 2026 in Interview


Kölner Priester Prof. Alexander Krylov im KATH.NET-Interview über seine brandneue Video-Dokumentation „Im Schatten des Mantels: Martin von Tours und sein heiliges Leben“ – Von Petra Lorleberg – VIDEO


Köln (kath.net/pl) Der Kölner und Priester Professor Alexander Krylov (Link) ist den Katholiken in Deutschland nicht nur durch seine Bücher und katechetische Projekte bekannt, sondern auch durch mehrere christliche Dokumentationen. Zu Allerheiligen ist seine neue Dokumentation „Im Schatten des Mantels: Martin von Tours und sein heiliges Leben“ erschienen. Über die unbekannten Seiten des heiligen Martin, über die Heiligen in unserem Leben und über den neuen Film ist KATH.NET mit ihm ins Gespräch gekommen.

kath.net: Der heilige Martin ist einer der bekanntesten Heiligen in Deutschland. Warum haben Sie sich entschieden, ausgerechnet über ihn eine Dokumentation zu drehen? Und warum heißt Ihr neuer Film „Im Schatten des Mantels“?

Pfr. Prof. Dr. Krylov: Aus vielen Gesprächen habe ich erfahren, dass die Menschen den heiligen Martin fast nur mit der Mantelteilung oder vielleicht noch mit den Gänsen verbinden. Die Mantelteilung war ein entscheidender Moment in seinem Leben. Aber es wäre ungerecht, sein ganzes heiliges Leben und Wirken darauf zu reduzieren. Auch viele bisherige Videos und Dokumentationen berichten zu wenig darüber, was diesen Heiligen ausmacht. Der Mensch und der Bischof Martin bleibt meistens im Schatten seines Mantels. Wenn wir genauer hinschauen, können wir uns überraschen lassen.

kath.net: Gibt es in dieser Dokumentation tatsächlich Überraschungen?

Krylov: Ich denke schon, dass die vielen Zuschauer einiges erfahren werden, was sie bisher nicht mit dem heiligen Martin in Verbindung gebracht haben.

kath.net: Der heilige Martin war Bischof von Tours, einer Stadt in der gallischen Provinz. Wie kann man seine große Beliebtheit in ganz Europa erklären?

Krylov: Man kann sagen, dass der heilige Martin ein „europäischer“ Heiliger ist. Er wurde in Sabaria, dem heutigen Szombathely in Ungarn, geboren, wuchs im italienischen Pavia auf und lebte später in Mailand. Er verbrachte einige Zeit auf der Insel Gallinara und kam schließlich nach Gallien, wo er in Ligugé ein Kloster gründete und später Bischof von Tours wurde. Gestorben ist er in Candes.

Für seine Zeit war der heilige Martin erstaunlich viel unterwegs, immer auf Wanderschaft, um zu evangelisieren und den christlichen Glauben in die Welt zu tragen. Deswegen war es mir wichtig, auch seine Wirkungsorte zu zeigen. Einige habe ich selbst besucht, andere konnte ich dank Kontakten mit den Experten vor Ort virtuell kennenlernen. 

kath.net: Und welche Verbindungen hatte der heilige Martin nach Deutschland?

Krylov: Auch darüber wird in der Dokumentation erzählt. Wie und warum der heilige Martin Worms und Trier besuchte und welche Verbindungen er nach Köln und Paderborn hatte. 

kath.net: Was bewegt Sie dazu, solche Filme zu drehen? Das ist doch viel Arbeit!

Krylov: Jeder Film ist mein Urlaubsprojekt. Ich kann ja in meinem Urlaub nicht am Strand liegen. Viel spannender ist es für mich, auf den Spuren der Heiligen zu gehen. So lasse ich mich von ihnen faszinieren, entdecke viel Neues, was auch mich und meinen Glauben stärkt. 

So freue ich mich dann, diese Entdeckungen mit anderen zu teilen. Statt viele kleine Videos zu produzieren, wie es zahlreiche YouTuber machen, habe ich mich entschieden, lieber ein oder zwei größere Projekte im Jahr zu verwirklichen. Mir ist wichtig, dass die anderen aus diesen Filmen etwas mitnehmen können und dass vielleicht auch etwas davon bleibt.

kath.net: Sie waren einer der Ersten, die bereits vor vier Jahren künstliche Intelligenz für die Darstellung der Heiligen eingesetzt haben. Wie arbeiten Sie heute mit KI?

Krylov: In letzter Zeit wurden mit KI zahlreiche faszinierende Dokumentationen produziert. Sie zeigen Bilder, die wie echte Aufnahmen aussehen, und lassen die Zuschauer die Vergangenheit auf eine bisher unbekannte Weise erleben. Einige dieser Filme habe ich zuerst mit Begeisterung über die neuen Möglichkeiten angeschaut. Dann habe ich gesehen, dass diese Filme tolle Bilder und interessante Inhalte haben, aber keine Seele. Deswegen war es mir wichtig, in meinen Dokumentationen reale Experten sprechen zu lassen.

kath.net: Im Vergleich zu vielen YouTubern erzählen Sie nicht alles selbst, sondern laden immer wieder interessante Experten ein. Wer ist dieses Mal dabei?

Krylov: Dieses Mal kommen tatsächlich sehr viele faszinierende Experten zu Wort. Unter anderem der Bischof von Szombathely, dem Geburtsort des heiligen Martin, Kardinal Kurt Koch, Weihbischof Matthias König und Bischof Clemens Pickel. Auch mehrere Theologieprofessoren und Historiker sind dabei, wie Prof. Ohly, Prof. Becker-Huberti, die italienische Kunsthistorikerin Dr. Malovini und mehrere Priester. Ganz besonders habe ich mich auf die Gespräche in Tours gefreut, mit dem Generalvikar des Erzbistums Tours, Prof. Christophe Raimbault, und mit dem Domdechanten von Tours, François du Sartel.

Es ist fast ein Jahr her, seit Martin Lohmann (Link) nicht mehr unter uns ist. Als ich mit der Arbeit an diesem Film begann, wollte er unbedingt mitmachen. Nun beten wir und hoffen, dass er im Himmel seinem heiligen Namenspatron begegnen und mit ihm ins Gespräch kommen kann.

kath.net: Da wir gerade Allerheiligen feiern, möchte ich Sie fragen, ob Ihre biografischen Dokumentationen Ihren Umgang mit den Heiligen verändert haben?

Krylov: Und wie! Je mehr man sich in das Leben der Heiligen vertieft, je mehr man auf den Straßen geht, auf denen sie gegangen sind, und die Orte besucht, an denen sie gewirkt haben, desto mehr beginnt man, ihr Leben zu teilen. Genau das fasziniert mich am meisten. Jedes Mal entwickeln sich solche Reisen auf den Spuren der Heiligen zuerst zu einer Zeitreise und dann zu einer tieferen Begegnung, zu einer Freundschaft.

kath.net: Vielleicht ist das auch eine wichtige Botschaft an unsere Leser zu Allerheiligen.

Krylov: Die Heiligen sind mehr als Personen hinter schönen Legenden und spannenden Biografien. Wenn man ihnen näherkommt, werden sie lebendig und gegenwärtig. Und genau diese Erfahrung möchte ich mit meinen Zuschauern teilen. Es war mir wichtig, den Menschen und den Heiligen hinter der Geschichte der Mantelteilung kennenzulernen. Es ist wichtig, sich auch für die anderen Heiligen Zeit zu nehmen, wie wir uns Zeit für unsere Freunde und unsere Lieben nehmen. Dann gewinnen wir einen Fürsprecher im Himmel. Dann kann aus der Begegnung mit einem unbekannten Bekannten eine Beziehung entstehen, die unser Leben über den Tod hinaus bereichern und erfüllen kann. 

Hintergrundinformation zum Film:  IM SCHATTEN DES MANTELS - Martin von Tours und sein heiliges Leben
Dokumentation von Alexander Krylov

Ein geteilter Mantel machte Martin von Tours in der ganzen Welt bekannt. Die bewegende Geschichte eines suchenden Menschen und sein heiliges Leben als Mönch, Bischof und Verteidiger des Glaubens bleiben nicht selten im Schatten seines Mantels.
Diese Dokumentation erzählt von entscheidenden Wendepunkten im Leben des Heiligen und folgt seinen Spuren durch Ungarn, Italien, Deutschland und Frankreich. Renommierte Experten, überlieferte Geschichten und faszinierende Legenden helfen den Zuschauern, den heiligen Martin als Menschen und Heiligen kennenzulernen.

Mit Beiträgen von
Prof. Dr. Kurt Kardinal Koch
Bischof János Székely – Bischof von Szombathely, Ungarn
Weihbischof Matthias König
Bischof Clemens Pickel 
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti – Theologe und Buchautor
Dr. Cecilia Malovini – Kunsthistorikerin, Pavia
Prof. Dr. Christoph Ohly – Theologieprofessor KhkT
Prof. Dr. Christophe Raimbault – Generalvikar des Erzbistums Tours und Theologieprofessor in Paris
Tobias Schäfer – Dompropst von Worms und leitender Pfarrer von St. Nikolaus Worms-Wonnegau
Maria Elisabeth Schmidt – katholische Publizistin
Abbé Pauljo von Loe – Priester der Communauté Saint-Martin CSM
Dr. Josef Wieneke – Kirchenhistoriker und leitender Pfarrer von St. Matthias Berlin

Sprecher
Harald Wachter
Manuelle Vollmer
Heike Lohmann
Stefan Schertgens
Drehbuch, Konzept und Produktion:
Pfarrer Prof. Dr. Alexander Krylov

Foto (c) Alexander Krylov


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