
5. November 2026 in Spirituelles
Papst Leo XIII. erhob den hl. Nikolaus von Tolentino 1884 zum Patron der leidenden Seelen im Fegefeuer. Eine Vision veränderte das Leben des italienischen Ordensmannes grundlegend.
Tolentino (kath.net/rn)
Wenigen ist bekannt, dass die katholische Kirche einen offiziellen Schutzpatron für die Seelen im Fegefeuer hat: Es handelt sich um den hl. Nikolaus von Tolentino, einen Augustiner-Eremiten aus dem 13. Jahrhundert. Die Patronatserklärung geht auf Papst Leo XIII. zurück, der den Heiligen im Jahr 1884 zum Patron aller leidenden Seelen ernannte, die auf ihre Vollendung und den Eintritt in den Himmel warten.
Die Verbindung zwischen dem Augustinerorden und dem Heiligen Stuhl hat historischen Tiefgang. Papst Leo XIII. pflegte zeitlebens eine besondere Nähe zu den Augustinern und unterstützte deren Reformen im 19. Jahrhundert. Der hl. Nikolaus von Tolentino selbst nimmt in der Ordensgeschichte eine Pionierrolle ein: Er war der erste Augustiner-Mönch überhaupt, der offiziell von der Kirche heiliggesprochen wurde – am 5. Juni 1446 durch Papst Eugen IV. Sein Gedenktag in der Kirche ist der 10. September, sein Todestag im Jahr 1305.
Nikolaus verbrachte die letzten 30 Jahre seines Lebens im italienischen Tolentino und war weit über die Region hinaus für seine tiefe Frömmigkeit und seine kraftvollen Predigten bekannt. Was ihn jedoch prädestinierte, als Fürsprecher für die Armen Seelen verehrt zu werden, waren außergewöhnliche mystische Erfahrungen.
Überliefert ist eine Begegnung in einer Samstagnacht: Während Nikolaus betete, hörte er eine klagende Stimme aus der Dunkelheit. Auf seine Frage, wer spreche, antwortete die Stimme:
„O Nikolaus, o Mann Gottes, höre mich. Ich bin die Seele von Bruder Pellegrino aus Osimo, der dir einst diente. Ich befinde mich nun in den Feuern des Fegefeuers.“
Bruder Pellegrino flehte den Mönch an, an diesem Tag das Heilige Messopfer für ihn darzubringen, um ihn von seinen Qualen zu befreien, und fügte hinzu, er spreche im Namen vieler anderer leidender Seelen, die auf diesem Weg Erlösung erhofften.
Tief bewegt widmete der hl. Nikolaus daraufhin die kommenden sieben Tage ganz den Armen Seelen und feierte jeden Tag die Heilige Messe für ihre Linderung. Am siebten Tag erschien ihm Bruder Pellegrino erneut und verkündete, dass zu dieser Stunde eine riesige Menge von Seelen aus dem Fegefeuer in den Himmel eingegangen sei. Der Heilige selbst soll den Trost gehabt haben, diesen prächtigen Zug in die ewige Glückseligkeit schauen zu dürfen.
Aufgrund dieser Ereignisse pflegen die Augustiner bis heute die sogenannte „Septinarium-Andacht des heiligen Nikolaus von Tolentino“ – eine siebentägige Andacht und Fürbitte für die Verstorbenen und die Seelen im Fegefeuer. Diese Frömmigkeitsform passt besonders zum Monat November, der in der katholischen Kirche traditionell den Armen Seelen gewidmet ist.
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