
16. März 2005 in Aktuelles
Wiener Pastoraltheologe bei Tagung in Dortmund: Volkskirche ist am Ende - "Es wird nur noch von Geld und nicht mehr von Gott geredet."
Dortmund (kath.net/idea)
Für einen visionsgeleiteten Umbau der Kirche anstelle einer Altbausanierung des Kirchenbetriebs hat sich der Professor für katholische Pastoraltheologie und Religionssoziologe Paul Michael Zulehner (Wien) ausgesprochen. Er referierte beim Presbytertag der Evangelischen Kirche von Westfalen am 12. März in Dortmund. Wie er im Forum Gemeinde leiten sagte, sei die Volkskirche am Ende: Es ist erstaunlich, wie uns Geld, Christen und Gemeinden immer mehr abhanden kommen.
In den Kirchenleitungen denke man nur noch darüber nach, wie man den finanziellen Supergau verhindern könne: Es wird nur noch von Geld und nicht mehr von Gott geredet. Kritisch äußerte sich Zulehner zu Empfehlungen von Beratungsunternehmen wie McKinsey, sich auf das Kerngeschäft zu besinnen und den Betrieb zu verkleinern. Bei hauptamtlichen Mitarbeitern führe das zur Depressivität: Es bleibt bei denen, die nicht entlassen wurden, das Gefühl: Arbeite möglichst unauffällig, damit sie dich bei der nächsten Strukturanpassung übersehen. Zulehner plädierte statt dessen für einen tiefgreifenden Strukturwandel ohne Abhängigkeit von Kirchensteuern. Aus Kirchenmitgliedern müßten Zeugen Christi werden, die davon überzeugt seien, daß die Kirche ohne ihre Mitwirkung ärmer werde, die gerne die Gottesdienste besuchten und die sich auch finanziell engagierten. Ferner müßten sich die Kirchengemeinden zu Netzwerken formieren, die von Ehrenamtlichen geleitet würden. Zulehner schlug vor, daß die Kirchen Laientheologen ausbilden und ihnen eine Zweitausbildung finanzieren, die zum Lebensunterhalt dient: Diese Theologen gehören in die Welt.
© 2005 www.kath.net