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Machtlos

23. Oktober 2006 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Was setzt das Evangelium der Macht entgegen? Den Dienst – eine Macht für andere, nicht über die anderen. Kommentar von P. Raniero Cantalamessa.


Rom (www.kath.net / zenit) Macht, Machtmissbrauch und das große Thema des christlichen Dienstes stehen im Mittelpunkt dieses Kommentars von P. Raniero Cantalamessa OFM Cap. zum Evangelium des kommenden Sonntags.

Anhand der Lesungen des Tages (Jes 53,2a.3a.10-11; Hebr 4,14-16; Mk 10,35-45) entlarvt der Prediger des Päpstlichen Hauses die subtilen Herzensregungen, durch die das eigene Ich seine vermeintlichen Rechte durchsetzen will, ohne an die anderen zu denken. Demut und Stille eröffnen den Raum, in dem nach Worten des Kapuzinerpaters Liebe und Dienstbereitschaft die Oberhand gewinnen.

Die Mächtigen missbrauchen ihre Macht

„In jener Zeit rief Jesus die Jünger zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein“ (Mk 10,42-44).

Nachdem das letzte Sonntagsevangelium den Reichtum zum Thema hatte, führt uns das Evangelium dieses Sonntag das Urteil Christi über einen weiteren Götzen vor Augen, der in unserer Welt sehr verbreitet ist: die Macht. Macht ist ja – genauso wenig wie das Geld – nicht in sich schlecht. Gott tritt selbst als der „Allmächtige“ auf, und in der Schrift heißt es: „Bei Gott ist die Macht“ (Ps 62,12).

Aber der Mensch hat die Macht missbraucht, die Gott ihm zubilligte, und aus ihr die Herrschaft des Stärkeren und die Unterdrückung der Schwachen gemacht. Was tut Gott daraufhin? Um uns ein Beispiel zu geben, entäußerte er sich: Vom „Allmächtigen“ wurde er zum „Ohnmächtigen“: „Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave“ (Phil 2,7). Er verwandelte Macht in Dienst.

In der ersten Lesung vernehmen wir eine prophetische Beschreibung dieses „machtlosen“ Retters: „Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht“ (Jes 53,2a-3).

Somit wird eine neue Macht offenbar, die Macht des Kreuzes: „Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen“ (1 Kor 1,27). Die Jungfrau Maria nimmt all das im Magnifikat singend vorweg – die stille Revolution, die durch das Kommen Christi begonnen hat: „Er stößt die Mächtigen vom Thron“ (Lk 1,52).

Wer wird durch diese Abmahnung der Macht unter Anklage gestellt? Nur die Tyrannen und die Diktatoren? Wenn es so wäre, gäbe es keine Probleme, denn in diesem Fall würde es sich ja immer nur um Ausnahmen handeln. Es geht uns aber alle an. Die Macht besitzt Verzweigungen, die kein Ende haben; sie dringt überall ein, wie eine bestimmte Art von Sand in der Sahara, wenn der Wüstenwind Schirokko weht.

Die Macht dringt sogar in der Kirche ein. Das Problem der Macht stellt sich also nicht nur in der Welt der Politik. Wenn wir das behaupten würden, würden wir uns zu jener Gruppe gesellen, die immer nur auf die Brust der anderen schlagen – und das, obwohl es um ihr eigenes Verschulden geht.

Es ist immer sehr leicht, kollektiven Missbrauch zu entlarven oder die Irrtümer der Vergangenheit; schwieriger wir es allerdings, wenn es um die eigenen und die heutigen Fehler geht.

Maria sagt, dass Gott diejenigen zerstreut, „die im Herzen voll Hochmut sind“, und dass er die Mächtigen vom Thron stoße (vgl. Lk 1,51). Sie verweist damit indirekt auf jenen Bereich, wo es gilt, gegen den Willen zur Macht vorzugehen: auf das eigene Herz.

Unser Verstand – die Gedanken des Herzens – kann zu einer Art Thron werden, auf dem wir uns niederlassen, um Gesetze zu schmieden und gegen jene vorzugehen, die sich unserem Willen nicht unterwerfen wollen. Wir sind, zumindest gedanklich und manchmal sogar tatsächlich, selbst die „Mächtigen auf dem Thron“.

In der Familie ist es leider Gottes schon möglich, dass unser angeborener Wille zur Herrschaft und zum Anecken ausgesprochen kraftvoll zutage tritt und für jene, die ihm zum Opfer fallen, unaufhörliches Leid bedeutet – häufig, wenn auch nicht immer, ist die Frau davon betroffen.

Was setzt das Evangelium der Macht entgegen? Den Dienst – eine Macht für andere, nicht über die anderen. Macht verleiht herrschaftliche Autorität, der Dienst aber eine Autorität, die Respekt bedeutet, Zuneigung, etwas wahrhaft Erhabenes im Vergleich zu ersterem.

Der Macht setzt das Evangelium auch die Gewaltlosigkeit entgegen, eine Macht ganz anderer Art, eine Macht, die moralischer und nicht physischer Natur ist. Jesus sagt, dass er den Vater hätte bitten können, zwölf Legionen Engel zu schicken, um seine Feinde zu besiegen, die dabei waren, ihn zu kreuzigen (vgl. Mt 26,53), aber er hat es vorgezogen, für seine Feinde zu beten. Und so kam es, dass er den Sieg davontrug.

Der Dienst macht nicht von sich reden, sondern er wirkt in der Stille und indem er sich unterordnet. Manchmal kann er allerdings dazu führen, tapfer die Stimme zu erheben, um gegen die Macht und ihren Missbrauch vorzugehen. So hat Jesus gehandelt. Er erfuhr während seines irdischen Lebens den Missbrauch der politischen und religiösen Macht der damaligen Zeit.

Aus diesem Grund ist er allen nahe, die die Erfahrung einer bösen und tyrannischen Macht durchmachen – wo sie sich auch immer aufhalten mögen: in der Familie, in einer Gemeinschaft, in der Zivilgesellschaft. Mit seiner Hilfe ist es möglich, dem Bösen nicht zu erliegen, sondern das Böse durch das Gute zu besiegen (vgl. Röm 12,21).

ZENIT-Übersetzung des italienischen vom Autor zur Verfügung gestellten Originals

Foto: (c) Maasburg



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