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Tony Blair: 'Die Stimme des Glaubens darf nicht fehlen'

19. September 2009 in Interview, keine Lesermeinung
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Der ehemalige britische Premierminister über seine Konversion, die Kirche, politische Herausforderungen und Vaterschaft.


London (kath.net/Zenit) Religion spielt eine zentrale und einzigartige Rolle in der Gesellschaft und in ihrer Entwicklung, meinte der frühere britische Premierminister Tony Blair im Interview mit dem Osservatore Romano.

Blair ging in dem Gespräch ausführlich auf seine Konversion zum katholischen Glauben ein. „Meine spirituelle Reise begann, als ich anfing, mit meiner Ehefrau die Messe zu besuchen", so Blair. „Damals beschlossen wir, unsere Kinder katholisch taufen zu lassen. Es war eine Reise, die 25 Jahre dauerte, oder vielleicht sogar länger. Mit der Zeit schien mir die katholische Heimat emotional, intellektuell und rational die Richtige zu sein."

Nachdem Blair seine Tätigkeit als Premierminister beendet hatte, sei sein Übertritt zur katholischen Kirche das gewesen, „was ich wirklich tun wollte".

Die Religion habe ihn auch seiner Frau näher gebracht. „Es war sehr interessant zu entdecken, dass meine künftige Ehefrau sehr aktiv in katholischen Studentenorganisationen und anderen Jugendorganisationen war. Für junge Menschen von 23 oder 24 Jahren - in dem Alter lernten wir uns kennen - war es eher unüblich, ein gemeinsames Interesse für Religion zu entdecken."

Blair bekräftigte, dass ihm zusätzlich zum Einfluss seiner Frau auch eine Begegnung mit Papst Johannes Paul II. half. Er besuchte eine Messe, die der Heilige Vater in seiner Privatkapelle feierte. „Es ist noch immer eine sehr lebendige Erinnerung, eine Episode, die mich sehr beeindruckte. Es ist zwar wahrscheinlich, dass ich auch sonst zu meiner Konversion gefunden hätte, aber ohne Zweifel war es eine wichtige Etappe, die meine Entscheidung grundlegend bestärkte."


Am meisten anziehend an der katholischen Kirche findet Tony Blair „ihre universale Natur. Als Katholik kann man irgendwohin in der Welt gehen und die Messe besuchen. Ich war in der Messe in Kigali, Beijing, Singapur ... Die Tatsache, dass man überall in Gemeinschaft mit anderen ist, ist wirklich beeindruckend. Die Weltkirche ist ein wichtiges Modell für eine globale Institution."

Der britische Politiker widmet sich heute der „Tony Blair Faith Foundation" für interreligiösen Dialog, die in Afrika und im Nahen Osten besonders aktiv ist. Auf die Frage, ob es dabei von Vorteil sei, ein Katholik zu sein, meinte Tony Blair: „Ehrlich gesagt hielt ich es nie für ein Problem. Nie. Im Gegenteil, ich denke, dass in der modernen Welt der Glaube die Fähigkeit erhöht, zu Personen mit anderen Glaubensüberzeugen in Beziehung zu treten.

Es ist wahr, dass manchmal das Gegenteil passiert ... Jedoch angesichts der Einflüsse der Säkularisierung, die den Glauben einem scharfen und aggressiven Angriff aussetzen, werden Menschen unterschiedlichen Glaubens Verbündete."

Blair lobte auch die Enzyklika Caritas in veritate von Benedikt XVI., die er „las und wieder las". Beeindruckt zeigte er sich etwa über die Bekräftigung des Papstes, dass „die christliche Religion und andere Religionen nur dann einen Beitrag zur Entwicklung leisten können, wenn Gott Platz im öffentlichen Raum bekommt". Und: „Persönlich stimme ich völlig mit dem überein, was der Papst in der Enzyklika schreibt."

Blair hob hervor: „Der Punkt ist, dass der Glaube jedes Recht hat, in den öffentlichen Bereich einzutreten und zu sprechen. Er darf nicht still sein. Die Stimme des Glaubens darf bei öffentlichen Debatten nicht fehlen." Auf die Anmerkung, dass es sehr schwierig sein werde, die vom Papst in der Enzyklika geforderte Politik durchzusetzen, antwortete Blair: „Die Menschen missverstehen oft Politik. Politik ist ein Zusammenspiel von Idealismus und Realismus. Generell ist sie nicht der Triumph des einen über das andere."

Freilich könne die Kirche auch die Politik unterstützen: „Als wir 2005 beschlossen, die Armut in Afrika in das Zentrum des G-8-Gipfeltreffens in Gleneagles zu stellen, wurde das von der katholischen Kirche und von Johannes Paul II. sehr unterstützt. Und das war entscheidend." Denn: „Die Tatsache, dass Gespräche darüber stattfinden und die Position stark von der katholischen Kirche unterstützt wird, kann in der Tat dem Politiker helfen, die richtige Entscheidung zu fällen. Es ist wahr, es beseitigt nicht das Problem, aber es hilft. ...

Als ich [den Briten] erzählte, dass wir unsere Hilfe für Afrika maßgeblich erhöhen, wurde mir viel dadurch geholfen, dass die Kirche öffentlich sagte, dass es die richtige Entscheidung sei, dass es etwas moralisch Gutes sei."

Schließlich sprach der Osservatore Romano mit Blair noch über seine persönlichen Erfahrungen als Vater. Die Rolle des Vaters, so Blair, müsse „mit Verantwortung und ohne Arroganz" übernommen werden. „Egal für wie gut oder intelligent ich mich hielt, ich fand es immer sehr schwierig, Vater zu sein. Und ich denke noch immer so."

Blair bekräftigte, dass Väter „entscheidende" Personen in der Familie seien, „unentbehrlich" für das Wachstum und die Bildung der Kinder. „In mancherlei Hinsicht wird die Idee der Familie wieder entdeckt." Auch hier hätten „religiöse Gemeinschaften eine Rolle zu spielen.

Es ist wahr: Familien haben ihre Probleme, sie zerbrechen - was, wie ich fürchte, weiterhin passieren wird. Allerdings war ich immer der Auffassung, dass die Hinweise der Kirche für familiäre Angelegenheiten nützlich sind."

Eine funktionierende Ehe verlange Aufwand und Vaterschaft, betonte Blair. „Aber ich denke wirklich, dass es im Hinblick auf die großen Veränderungen, die auch im sozialen Bereich stattfinden, notwendig ist wiederzuentdecken, dass Vaterschaft eine Verantwortung und eine Notwendigkeit ist."


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