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Die letzte Konsequenz der Menschwerdung Gottes

8. Dezember 2011 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Geburt und Tod des Erlösers, man könnte sagen: „Krippe und Kreuz“, sind auf das engste miteinander verbunden“ - Von P. Bernhard Speringer ORC / Schweizerisch-katholisches Sonntagsblatt


Goldach (kath.net/Schweizerisch-katholisches Sonntagsblatt)

LEBEN UND TOD

Im Advent sind wir gerufen uns sowohl durch Gebet, Busse und froher Erwartung als auch in der Betrachtung des Weihnachtsgeheimnisses auf das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus vorzubereiten. Wenn wir die letzten Konsequenz Seiner Menschwerdung in Armut und Not betrachten, ergeben sich interessante Aspekte, die uns im Glauben wachsen lassen, unsere Liebe vertiefen und uns vor allem zu einer großen Dankbarkeit gegenüber Gott führen.

Bereits einen Tag nach Weihnachten feiert die Kirche den ersten Märtyrer, den hl. Diakon Stephanus. Er war der erste in der 2000-jährigen Kirchengeschichte, der für seinen Glauben, der für Christus sein Leben hingegeben hat. Und schon drei Tage nach dem Hochfest der Geburt unseres Herrn und Erlösers feiern wir das Fest der „Unschuldigen Kinder“, der Opfer des Kindermordes in Betlehem. Der hl. Augustinus und mit ihm eine Vielzahl von Kirchenväter haben die kindlichen Märtyrer gerühmt und verehrt. Ihnen war es „vergönnt“, wie der hl. Augustinus sagt, „nicht nur als Zeugen (Märtyrer) für Jesus, sondern stellvertretend für ihn zu sterben.“ Sie mögen zwar nicht die ersten gewesen sein, die bewusst und aus eigener freier Entscheidung ihr Leben für Christus hingegeben haben – so wie eben der hl. Stephanus. Und dennoch. Sie sind um Christi willen gestorben. Sie sind stellvertretend für ihn gestorben, denn das eigentliche Ziel des Kindermordes in Betlehem war ja Jesus selbst.

Allein diese zeitliche Aufeinanderfolge lässt uns bewusst werden, wie nahe Leben und Tod, wie nahe Weihnachten und Ostern, Bethlehem und Golgotha, Krippe und Kreuz beieinander liegen.

MENSCHWERDUNG UND ERLÖSUNG

Die „Passio Domini“, das Leiden unseres Herrn beschränkt sich nicht auf die drei österlichen Tage, auf das Leiden unseres Herrn vom Ölberg bis zum Tod am Kreuz. Die Passion des Herrn beginnt im weitesten Sinne bereits mit der Menschwerdung.

- Betrachten wir im Advent nicht das „Kommen des HERRN in seiner Niedrigkeit“?

- Betrachten wir nicht die unendliche Herablassung und Verdemütigung des HERRN, des Schöpfers, des SOHNES GOTTES, der sich nicht scheut, Mensch zu werden?

- Ist nicht die Herbergsuche ein Kreuzweg für den HERRN, der leidet, weil er in sein Eigentum kommt, aber die Seinen ihn nicht aufnehmen?

- Ist Bethlehem nicht auch ein Ölberg, an dem der HERR und besonders auch Maria und Josef Todesangst litten, da sie keine Herberge für den SOHN GOTTES, der ihnen anvertraut war, finden konnten?

- Ist der Stall von Bethlehem nicht auch ein Golgotha, wo der HERR sein Leben in einer Krippe beginnt um es 33 Jahre später an einem anderen Holz, am Holz des Kreuzes hinzugeben?

Die Passio Domini begann mit der Menschwerdung und setzt sich fort über die Ablehnung des Messias in Bethlehem und seine Geburt in einem kalten, schmutzigen Stall, über die Prophezeiung des Simeon und die Flucht vor Herodes nach Ägypten bis hin zum letzten Kapitel dieser Passio: den Tod am Kreuz.

Geburt und Tod des Erlösers, man könnte sagen: „Krippe und Kreuz“, sind auf das engste miteinander verbunden! Geboren am Holz der Krippe, die in der Regel bereits in der Form eines Kreuzes gefertigt ist – stirbt der Herr an einem Anderen Holz, dem Holz des Kreuzes – und das alles, auf Grund der Sünde, welche am Holz des Baumes der Erkenntnis im Paradies geschah.


Es gibt nicht nur eine Wissenschaft des Kreuzes (vgl. Edith Stein),
sondern auch eine Wissenschaft der Krippe.

So heißt es in einem Gebet:
„Herr,
durch Deine Geburt hast Du Dich auch dem Tod überliefert,
an Deiner Krippe hast Du das Holz des Kreuzes erstmals gespürt und erlebt
und Dein erstes Kinderschluchzen ist emporgestiegen vor das Angesicht des Vaters.
Damit hat Dein Erlöserleiden begonnen.“

KRIPPE UND KREUZ

Auf einer Steinzeichnung von Wilhelm Geyer ist vom Stall von Bethlehem nur noch ein Stück Gebälk übrig geblieben. Und dieses Stück Gebälk steht nun über dem Kind und seiner Mutter wie ein drohend aufgerichtetes Kreuz. Je länger man das Bild betrachtet, desto mehr rücken das Kind und seine Mutter in den Hintergrund. Gewiss bilden die beiden Personen die Mitte des Bildes. Aber immer stärker tritt das galgenhafte Gebälk hervor und bestimmt die Aussage der Darstellung von der Geburt CHRISTI, die der Künstler machen will.

Von der Künstlerin Beate Heinen stammt ein Bild mit dem Titel „Krippe und Kreuz“. Im Vordergrund sieht man eine Felsenhöhle mit dem neugeborenen Jesuskind – nicht in einer Krippe, sondern in einer Art Trog, der wie ein Sarg aussieht. Von der Krippe weg führt ein Weg durch einen blühenden Garten. Je länger der Weg wird, umso kahler werden die Bäume, umso düsterer die Farben.

Am hinteren Bildrand ist ein Hügel mit drei Kreuzen zu erkennen. Der Weg schlängelt sich nach oben, er ist steil. Dort wächst nichts mehr. Dort ist es nicht einmal mehr grün, nur noch grau. Es ist kein Ort des Lebens, sondern des Todes. Wir kennen den Namen des Berges: Golgotha.

Der Weg führt von der Krippe zum Kreuz.

Jesus musste diesen Weg gehen. Es war sein Lebensweg. Die Malerin stellt mit ihrem Bild eines ganz deutlich heraus: Kreuz und Krippe gehören zusammen. Es ist nicht möglich, einen Teil des Lebens Jesu für sich zu nehmen – denn alles hängt zusammen, alles ist ineinander verwoben. Daher auch der Titel des Bildes von Beate Heinen: Kreuz und Krippe. Vielleicht mag der eine oder andere denken: Jetzt ist Weihnachten, da soll der Blick doch auf das freudige Ereignis der Geburt gerichtet sein. Selbstverständlich. Aber vielleicht fehlt dann doch etwas?

Nicht erst die modernen Künstler heben den Zusammenhang zwischen Krippe und Kreuz hervor. In einem Kreuzgang eines Südtiroler Klosters befindet sich ein bekanntes Bild: Gott Vater sendet seinen Sohn zur Erde nieder, um in Maria Mensch zu werden; Jesus aber, der als kleines Kind dargestellt ist, trägt schon das Kreuz. Die Künstler machen uns in der Tat aufmerksam auf etwas ganz Ungewohntes in der Weihnachtsgeschichte. Sie machen uns aufmerksam auf die letzte Konsequenz, die mit der Menschwerdung Jesu Christi verbunden ist: auf seinen Tod, auf sein Sterben am Kreuz von Golgotha.

DIE LETZTE KONSEQUENZ DER MENSCHWERDUNG GOTTES

Aber nicht nur die Künstler haben diesen Zusammenhang gesehen. Auch die Heiligen haben diesen Zusammenhang erfasst.

So heißt es im Exerzitienbüchlein des heiligen Ignatius:
„Wir sollen in und an der Weihnachtsgeschichte "schauen und erwägen, was Maria und Josef tun: wie sie eine Reise machen, wie sie sich abmühen, damit der Herr in der größten Armut geboren werden kann, um am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, von Hitze und Kälte, von Schmähungen und Beschimpfungen am Kreuz zu sterben - und alles das für mich.“

Auch die Evangelien weisen darauf hin, dass das Kreuz über der Krippe alles andere als bloße Verzierung ist. Herodes trachtet dem neugeborenen Jesuskind nach dem Leben. Er weiß nur noch nicht, wo er es finden kann. Der Tod steht in der Tat da als drohende Möglichkeit. Wir sind allerdings gewohnt, um den neugeborenen Jesus nur Glanz und Herrlichkeit zu sehen. Die Künstler, die Heiligen, aber auch und erst recht die Evangelien wissen es besser:

Geburt und Tod Jesu Christi, Krippe und Kreuz gehören unlösbar zusammen. Gott wurde Mensch, um als Mensch für uns zu sterben. Gott wurde in Bethlehem geboren, um sein Leben auf Golgotha hingeben zu können aus Liebe zu den Menschen!

Krippe und Kreuz bilden also eine Einheit. Und sowohl die Krippe als auch das Kreuz sind für uns Offenbarung der Liebe Gottes. Gott hat uns so sehr geliebt, dass er es nicht scheute, für uns in einer Krippe Mensch zu werden. GOTT hat den Menschen so sehr geliebt, dass er es nicht scheute, für ihn am Kreuz zu sterben.

In einem Kreuzweg für die Adventszeit heißt es bei der 1. Station:

„Nun knie dich hin, o Mensch, schließe deine Augen und schau nach innen: JESUS wird zum Tode verurteilt: Da liegt das neugeborene Kindlein, allen Gesetzen der Natur unterworfen: ... Kälte, Hunger, Blöße, Armut warten Seiner. Schon die erste Stunde JESU im Stall von Bethlehem ist Erlösungstat - Sühne, Rettung, Genugtuung.
Wir beten Dich an, o Herr JESUS, und preisen Dich, denn durch Dein heiliges Kreuz schon von der ersten Stunde Deines Lebens an, Dein Leiden und Sterben hast DU die ganze Welt erlöst.“

Der Gründer der Johannesgemeinschaft, P. Marie-Dominique Philippe, hat einmal gesagt:
„Die Zeit des Advents ist ganz hingeordnet auf Weihnachten, und Weihnachten ist hingeordnet auf das Kreuz. Jesus ist auf die Welt gekommen, um uns zu retten. Maria ist Mutter geworden, damit wir von dem Heil leben können, das Jesus uns schenken will.“

In einem fiktiven Text wendet sich der Herr sterbend am Kreuz zur Seite und spricht zum Menschen:
„Sieh, Mein Kind, Krippe und Kreuz sind eins, nur verwandelt.
In der Krippe bekam ich das Kreuz als Pfund. Am Kreuz gab ich das Pfund zurück als Sieger.

In der Krippe legte MICH MARIA aus dem ewigen in das zeitliche Leben, aus den Armen des VATERS in die Arme der Welt.

Am Kreuz legt MICH MARIA aus dem zeitlichen in das ewige Leben, aus den Armen der Welt (den Kreuzbalken) in die Arme Meines VATERS zurück.

Dort unter dem Kreuz hat MARIA euch alle empfangen. Für Euch alle wurde ich als Mensch geboren in der Krippe.
Für euch habe ich mein Blut vergossen am Kreuz, für euch hat MARIA ihr Herz durchbohren lassen!

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch einige Weihnachtslieder, die ebenso die Einheit von Krippe und Kreuz bezeugen oder anders formuliert, die den Sühnetod Christi am Kreuz in engen, ja unzertrennlichen Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeheimnis sehen. Wir alle kennen das „O du fröhliche“. Oft ist es so, dass wir uns bekannt Kirchenlieder irgendwie automatisch mitsingen und weil sie uns so geläufig sind, gar nicht mehr so genau auf den Text achten.

In der 3. Strophe des „O du fröhliche“ heißt es:

„O du fröhliche, O du selige, Gnadenbringende Weihnachtszeit
Christ ist erschienen, für uns zu sühnen
Freue, freue dich, o Christenheit“

„Christ ist erschienen – für uns zu sühnen.“ Mit anderen Worten: Christus wurde Mensch um unsere Schuld zu sühnen. Er wurde in das Holz der Krippe geboren um am Holz des Kreuzes unsere Schuld wieder gut zu machen, zu sühnen – aus Liebe zu uns und um uns das ewige Leben zu erwirken.

Wir kennen alle das Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“. Es klingt sehr nach Krippenidylle. Doch in der fünften Strophe heißt es:

„O betet: Du liebes, du göttliches Kind, was leidest du alles für unsere Sünd!
Ach hier in der Krippe schon Armut und Not,
am Kreuze dort gar noch den bitteren Tod.“

Auch hier ganz deutlich: Kreuz und Krippe gehören zusammen. Sie sind Anfang und Ende des irdischen Lebensweges, Anfang und Ende der Erlösungstat Jesu Christi.

Die letzte Konsequenz der Menschwerdung Christi ist sein Leiden und Sterben am Kreuz.
Die Letzte Konsequenz von Betlehem ist Golgotha.
Die letzte Konsequenz der Liebe Gottes ist unsere Erlösung.

Weiterführende kathTube-Tipps:

Foto: Beate Heinen, Krippe und Kreuz


Der Text in englischer Übersetzung:
P. Bernhard Speringer ORC: Die letzte Konsequenz der Menschwerdung Gottes

Lied: Becky Van Volkinburg, Cradle and the Cross (Krippe und Kreuz)



Lied: Hallerin H. Hill, The Cross Is My Christmas Tree (Das Kreuz ist mein Weihnachtsbaum)



Foto des Bildes von Beate Heinen, „Krippe und Kreuz“: © Beate Heinen/Schweizerisches Katholisches Sonntagsblatt


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