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Eigentlich müsste ich längst tot sein

21. April 2012 in Interview, keine Lesermeinung
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Markus Hänni leidet seit frühester Kindheit an einer schweren Stoffwechselkrankheit. Im Interview mit kath.net spricht er über sein Leben mit der Krankheit und seine Beziehung zu Gott. Von Johannes Graf


Toffen (kath.net/jg)
Er ist knapp 31 Jahre, schreibt Theaterstücke und Musicals und steht als Schauspieler auf der Bühne. Doch eigentlich sollte er längst tot sein. Als Markus Hänni zwei Jahre alt war, diagnostizierten die Ärzte bei ihm die erbbedingte Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Wenn es gut geht, würde er 20 oder 25 alt werden, sagte man seinen Eltern damals.

Heute leitet er den künstlerischen Bereich des ICF (International Christian Fellowship) und hat ein Buch über sein Leben geschrieben. Im Interview mit kath.net gibt er Auskunft über seinen Alltag mit der Krankheit und warum Gott die Hauptrolle in seinem Leben spielt.

kath.net: Was ist Muskoviszidose und warum ist die Krankheit so gefährlich?
Markus Hänni: Mukoviszidose ist die häufigste Erbkrankheit der weißen Bevölkerung. In der Schweiz leiden rund 1.000 Menschen an Mukoviszidose und in Deutschland 8.000. Die Krankheit führt dazu, dass lebenswichtige Organe von Schleim verstopft sind. Die unheilbare Stoffwechselerkrankung, in der Schweiz Cystische Fibrose (CF) genannt, entsteht durch einen Fehler im Erbgut.

Von dem Gendefekt sind vor allem Lunge und Verdauungstrakt betroffen. CF ist der häufigste Grund für Lungentransplantationen. Im Verdauungstrakt verhindert die Krankheit, dass lebenswichtige Nährstoffe vollständig vom Körper aufgenommen werden. Bauchschmerzen, Durchfall und ungenügende Gewichtszunahme sind die Folge. Dank medizinischer Fortschritte hat sich die Lebenserwartung stark verbessert. Neugeborene mit CF haben heute gute Chancen, 50 Jahre oder älter zu werden.
Die Mukoviszidose ist eher eine unberechenbare Krankheit als eine gefährliche. So können immer wieder unvorhersehbare Infekte in der Lunge entstehen, die mit einer 14-tägigen Kur behandelt werden müssen, bei der man Antibiotika intravenös verabreicht bekommt, oder Lungenblutungen, die sehr unangenehm sind. Das sind allerdings nur zwei von vielen Beispielen.

kath.net: Wann wurde die Krankheit bei Ihnen diagnostiziert?
Markus Hänni: Bei mir wurde die Mukoviszidose im Frühjahr 1983 diagnostiziert, als ich zwei Jahre jung war und eine Bronchitis bekam, die nicht mehr aufhören wollte. So wurde ich für weitere Untersuchungen in die Kinderklinik in Bern eingeliefert, wo die Diagnose gestellt wurde.

kath.net: Wie sieht der Alltag mit dieser Krankheit aus?
Markus Hänni: Ich persönlich mache jeden Morgen und Abend je eine Stunde Atem-Thearapie. D.h. Feuchtinhalationen, die die Bronchien öffnen, Atemübungen in Seitenlage, um den Schleim zu mobilisieren und anschliessend nochmals Feuchtinhalationen mit Antibiotika, um Endzündungen zu hemmen. Hinzu kommen bis zu 25 Tabletten pro Tag: Enzyme, Vitamine, Endzündungshemmer, Antibiotika... Auch den reduzierten Energiehaushalt sowie das eingeschränkte Lungenvolumen beeinträchtigen den Tagesablauf maßgebend.

kath.net: Wie war Ihr Leben bis zu Ihrem Selbstmordversuch? Waren sie gläubig?
Markus Hänni: Bis zum heutigen Tag verbrachte ich drei Jahre angehängt an einer Infusion, über die mir kontinuierlich Antibiotika verabreicht wurde und die mir auch immer wieder Besserung verschaffte. Doch die ständigen rasanten Verschlechterungen, die mich immer und immer wieder ins Spital brachten, waren zermürbend. Die Einschränkungen im Beruf und allgemein im Leben fingen an zu stressen und stimmten mich in all dem Leid depressiv. So spielte ich einige Zeit mit dem Gedanken, mich von diesem Leiden zu erlösen und meine Familie und Freunde mit meinem Ableben zu erleichtern. Als ich in einer gesundheitlich besonders schlechten Phase war und viele Zeit im Spital, verbunden mit Schmerzen, Lungenendzündung und Blut husten, verbrachte, lief das Fass über und ich machte einen Suizid versuch.

kath.net: Was hat sich nach dem Selbstmordversuch geändert?
Markus Hänni: Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich diesen Versuch, mir das Leben zu nehmen, überlebt habe und ich eine zweite Chance erhalten habe. Mir ist auch bewusst geworden, dass ich niemandem zur Last falle mit meiner Erkrankung und es weder für meiner Familie, noch für meine Freunde eine Erleichterung gewesen wäre, wenn ich meinem Leben eigenhändig ein Ende gesetzt hätte. Im Gegenteil, ich hätte eine große Lücke hinterlassen, Schuldgefühle und Verzweiflung. Heute sehe ich dem Leben positiv entgegen und möchte von meiner Lebensfreude und meinen Erfahrungen auch etwas weiter geben.

kath.net: Wie leben Sie heute? Welche Rolle spielt Gott in Ihrem Leben?
Markus Hänni: Heute möchte ich die Mukoviszidose in der Bevölkerung bekannter machen. Nur wenn die Leute informiert sind, wissen, um was es geht, kann von ihnen Verständnis erwartet werden. Zudem möchte ich Hemmschwellen zwischen „Gesunden und Kranken“ abbauen. Und ja, auch Hoffnung und Lebensfreude vermitteln und deutlich machen, dass wir jeden Moment genießen und alles Schöne um uns herum nicht vergessen sollten.

Gott spielt in meinem Leben die Hauptrolle und es ist mir ein Anliegen, dass ich mit meinen Theaterstücken und Musicals mithelfen kann, Kirche innovativ und kreativ zu gestallten, die am Puls der Zeit steht und bei der der Tiefgang nie zu kurz kommt.

kath.net: Vielen Dank für das Interview.


kath.net-Lesetipp
Markus Hänni
Eigentlich müsste ich längst tot sein. Leben lernen von einem, der jeden Tag als Geschenk begreift
adeo Verlag 2012
Gebunden, 173 Seiten
ISBN 978-3942208550
Preis: € 15,40

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