Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  4. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  5. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  6. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  7. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  8. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  9. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  10. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  11. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  12. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  13. US-Diözese errichtet Pfarre, die dem Märtyrer Matthew Ayariga geweiht ist
  14. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette
  15. Jerusalemer Patriarch will zwischen Putin und Selenskyj vermitteln

Verschieden und doch komplementär

27. März 2013 in Chronik, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Von Benedikt XVI. zu Papst Franziskus. Von Lucetta Scaraffia (Osservatore Romano)


Vatikan (kath.net/Osservatore Romano) Zunächst hat die Vorstellung, dass es zwei Päpste geben könnte, manche Leute erschreckt. Manch einer sprach von einer Entweihung, ja von einem Niedergang der Gestalt des Papstes. Wieder andere haben in einer fernen Vergangenheit die komplizierten und konfliktgeladenen Geschichten von Päpsten und Gegenpäpsten wieder ausgegraben. Aber all diese Befürchtungen lösen sich in nichts auf angesichts der einfachen Realität des Fotos, auf dem wir den Papst und seinen Vorgänger Seite an Seite miteinander beten sehen. So unterschiedlich sie ihrem Aussehen, ihrer Biographie und ihrer Persönlichkeit nach auch sein mögen, so nah sind sie sich doch in der Innigkeit des Gebets und in ihrer Liebe zur Kirche.

Es ist also klar geworden, dass gerade die Unterschiede zwischen den Päpsten, die im Lauf der Geschichte aufeinander folgten, bis heute den Reichtum der Kirche ausmachen, gerade so wie die unterschiedlichen Charismen der verschiedenen Ordensgemeinschaften, der Bewegungen und natürlich auch der Heiligen. Die Stärke der Kirche liegt gerade darin, aus untereinander durchaus sehr verschiedenen Individuen zu bestehen, die sich gegenseitig ergänzen und Kraft verleihen, sofern sie sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern es verstehen, richtig zusammenzuarbeiten.


Es geht um das gegenseitige Sich-Ergänzen von Benedikt XVI. und Franziskus – dem Gelehrten und dem Hirten, wenn wir es auf Stichworte reduzieren wollen –, das klar auch ihren Büchern entnommen werden kann. Dort arbeiten beide – wenn auch auf unterschiedliche Art und in einem sehr verschiedenen Stil – für das, was die Aufgabe eines jeden christlichen Intellektuellen und Seelenhirten ist: die Lehren Christi in unserer Gegenwart präsent zu machen.

Jetzt sind zwei Meditationen Jorge Mario Bergoglios ins Italienische übersetzt worden. Die eine ist der Selbstanklage gewidmet, also der Fähigkeit, das eigene Gewissen einer strengen Prüfung zu unterziehen; die andere der Korruption. Sie stammen ganz eindeutig aus der Feder eines Jesuiten, eines Priesters, der hervorragend für die Seelsorge ausgebildet ist, da er die Fehler und die schädlichen Gewohnheiten der Menschen kennt, aber auch deren potentielle Fähigkeit, spirituelle Höhen zu erklimmen.

Beide Texte zielen im Grunde darauf ab, den Lesern die Schwere und Gefährlichkeit ihrer Mängel bewusst werden zu lassen und sie dazu zu bringen, sie zu bereuen. Tatsächlich ist dies der einzige Weg, der dahin führt, Gott um Vergebung und folglich um Erlösung zu bitten. Besser ein Sünder, der anerkennt, dass er ein solcher ist – so schreibt er –, als ein Mensch, dessen Seele so verdorben ist, dass er die Sünde nicht mehr zu erkennen, sondern nur noch zu rechtfertigen vermag. Das sind die Worte des wahren Arztes, der kein unnützes Mitleid zeigt, sondern der den Kranken durch Selbsterkenntnis und durch die Arznei des Erbarmens heilen will.

Bei der Lektüre dieser klaren, harten Analyse kommen dem Leser viele Reden und Schriften Benedikts XVI. in den Sinn, der ein Großteil seiner Reflexionen der Aufgabe gewidmet hatte, die kulturellen Manipulationen zu entlarven, die in der heutigen Gesellschaft die Sünde in etwas Positives, ja gar Erstrebenswertes verwandeln wollen. Eine Neubearbeitung, die, wie der Erzbischof von Buenos Aires schrieb, die Sünde »gesellschaftlich akzeptabel« macht und sie dadurch in eine Form der Korruption verwandelt.

In den nun erneut publizierten Texten lädt Jorge Mario Bergoglio dazu ein, den Mut aufzubringen, »auf all unsere Verkleidungen zu verzichten, damit die Wahrheit ans Licht kommen kann«, also aus jener spirituellen Lehre »der Selbstanklage« zu lernen, die nur durch eine strenge Gewissensprüfung möglich wird. Und nur durch den Glauben an die Existenz der Wahrheit (wie es Benedikt XVI. oft wiederholt hat), dass jedes menschliche Wesen sich selbst ganz ehrlich analysieren kann, ohne sich durch Ideologien oder kulturelle Einflüsse verwirren zu lassen (beispielsweise durch gewisse Methoden der Psychologie oder Psychoanalyse), die den Menschen von seiner Verantwortung befreien wollen, gleichsam als stelle die Eliminierung der Schuldgefühle den wahren Weg zur Glückseligkeit dar.

Es macht betroffen, wie sehr sich die beiden Botschaften ergänzen. Wieder einmal schauen Gläubige und Nicht-Gläubige mit neuer Hoffnung auf die Kirche. Eine Hoffnung, die weniger auf Menschen als vielmehr auf die Weisheit baut, die diese zu vermitteln vermag: die Hoffnung, die Jesus uns gegeben hat, die, wie Papst Franziskus sagt, keiner sich nehmen lassen darf.

Foto: Papst Franziskus und Papst emeritus Benedikt XVI. beten gemeinsam



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Papst

  1. Leo XIV. über Papst Franziskus: Ein großes Geschenk für die Welt
  2. Papst Hadrian VI. (1522-1523) und sein Besuch in Monaco
  3. Kardinal Müller: „Von der ‚Kirche des Franziskus‘ zu sprechen“, „das ist für mich eine Häresie“
  4. Leo XIV. in den Vatikanischen Grotten: Er betet auch an den Gräbern von Pius XII. und Benedikt XVI.
  5. Bemerkenswerte Rede von Papst Leo über Kardinal Merry del Val, Mitarbeiter von Leo XIII. und Pius X.
  6. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 4
  7. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 3
  8. Leo XIV. Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie - Leseprobe 2
  9. Leo XIV., Brückenbauer für die Kirche - Die Biographie
  10. Kardinal Müller: Der nächste Papst muss der Homo-Lobby die Stirn bieten






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. Jüngerschaft in Wien und darüber hinaus
  4. ‚Wir steuern auf eine Katastrophe zu‘: Warnung vor gescheiterter Integration in Deutschland
  5. Polizei in Papst-Städtchen auf E-Bikes im Einsatz
  6. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  7. Goethes Lieblingsheiliger: Ein Meister der Freude und der Seelenschau
  8. Papst erlässt neues Verfahren zu Absetzung ostkirchlicher Patriarchen
  9. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  10. Papst Leo XIV. beruft obersten Kolumbusritter in den Vatikan
  11. Nur der Weg der Liebe ist der Weg des Lebens
  12. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  13. USA: Rosenkranz-Teams besuchen Altersheime
  14. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  15. Papst würdigt Norwegens König Harald für "hingebungsvollen Dienst"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz