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Kardinal Marx: Die Armen sind unsere Lehrmeister

28. März 2013 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Der Erzbischof von München und Freising ruft in der Chrisam-Messe zu einem Perspektivwechsel auf


München (kath.net/pem) Kardinal Reinhard Marx hat die Gläubigen aufgerufen, eingefahrene Wege zu verlassen und zu lernen, die Welt aus dem Blickwinkel der Armen zu sehen. „Die Armen sind die Lehrmeister, damit wir erkennen, wir sind ganz abhängig von der Gnade und Liebe Gottes“, sagte der Erzbischof am Mittwochabend, 27. März, bei der Chrisammesse im Münchner Liebfrauendom. Darin, dass Papst Franziskus die Armen ins Zentrum stelle, liege eine „große Herausforderung für die ganze Kirche, die wir langsam Schritt für Schritt begreifen“. Schon im Buch Jesaja ergehe als erster Auftrag an den Gottesknecht, die Frohe Botschaft den Armen zu verkünden, und Jesus greife diesen Satz dann explizit auf.

Marx warnte davor, so zu tun, als wären die real Armen damit gar nicht gemeint: „Es wäre eine Verkürzung, wenn man die Armut gleich wieder spiritualisieren würde. Und genauso verkehrt wäre es, dieses Wort von der Armut als soziales Programm zu sehen.“ Natürlich gelte es, die Armut in der Welt zu überwinden. Aber es gehe hier noch um viel mehr. Kardinal Bergoglio habe vor seiner Wahl in den Diskussionen vor dem Konklave gefordert, dass der zukünftige Papst an die Grenze gehen müsse: „Denn von der Grenze, der Peripherie, von den Armen her muss man auf das Ganze schauen. Von oben herab kann man nicht die ganze Wirklichkeit sehen.“


Im Evangelium seien die Armen diejenigen, die begriffen hätten, dass Gott ihr einziger Schatz sei. „Die Armen sind ein Kriterium, ob wir auf dem wahren und richtigen Weg sind“, sagte Marx. Es sei von ihnen zu lernen, „dass wir vor Gott keine Ansprüche haben, sondern dass wir auf das reine Geschenk der Güte Gottes warten und offen dafür sind“. In der Hinwendung zu den Armen erlebe die Kirche die Armut zugleich auch real.

Innere Voraussetzung der Gläubigen müsse die Armut sein. Wer sich lediglich materiell bereichere oder geistig zumauere mit seinen Vorurteilen, der schaffe keinen Raum für die Gnade und Güte Gottes. Im Sinne der Seligpreisung „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ gelte es, sich immer wieder neu zu bereiten. Gemeinsam mit Papst Franziskus könnten die Christen lernen, was es heiße, arm zu sein vor Gott, „verbunden sein mit den Armen und sie nicht als Außenseiter zu betrachten, sondern als Brüder und Schwestern, die uns helfen, den wahren Schatz zu entdecken: Christus selber und das Evangelium“.

Der Erzbischof stellte diese Frage nach dem Zentrum des christlichen Glaubens auch in den Horizont einer Selbstvergewisserung der Kirche. Selten habe die katholische Kirche derart im Mittelpunkt des medialen und öffentlichen Interesses gestanden wie in den vergangenen drei Monaten: „Negativ, positiv, hin und her, gerüttelt und geschüttelt.“ Da frage man sich: „Wer sind wir wirklich? Sind wir die, über die in den Zeitungen berichtet und über die in den Talkshows im Fernsehen geredet wird? Ist das die Kirche?“ Er sei dankbar dafür, dass die Medien berichteten, versicherte Marx: „Denn es ist immerhin das Interesse für etwas Lebendiges, wenn es auch von vielen abgelehnt oder als unverständlich und schwierig angesehen wird.“ Kirche sei etwas, das in der heutigen Gesellschaft verstöre, Fragen und Kritik auslöse, eine Gemeinschaft, mit der man sich auseinandersetzen müsse. „Aber wir müssen uns immer wieder fragen: Geht diese Auseinandersetzung, auch in unseren Familien und unseren Pfarreien, wirklich ins Zentrum?“

Foto Kardinal Marx (c) Erzbistum München


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