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Volksfrömmigkeit: Evangelientreue, Kirchlichkeit, Missionsstreben

5. Mai 2013 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Franziskus: drei Worte. Die Volksfrömmigkeit ist ein Weg, der zum Wesentlichen führt, wenn sie in der Kirche in tiefer Gemeinschaft mit den Hirten gelebt wird. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) Messe für die Bruderschaften und die Volksfrömmigkeit mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz unter strömendem Regen: rund 50.000 Angehörige katholischer Bruderschaften halten sich gegenwärtig im Rahmen des Jahres des Glaubens auf Einladung des Vatikans zu einer internationalen Zusammenkunft in Rom auf.

In seiner Predigt ging der Papst vom Evangelium des sechsten Ostersonntags aus, eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu im Kontext des Letzten Abendmahls wiedergibt. Jesus vertraue den Aposteln seine letzten Gedanken wie ein geistliches Testament an, bevor er von ihnen geht.

Der heutige Text betone nachdrücklich, dass der christliche Glaube ganz auf die Beziehung zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist ausgerichtet ist: „Wer Jesus, den Herrn, liebt, nimmt ihn und den Vater in seinem Innern auf, und dank dem Heiligen Geist empfängt er das Evangelium in seinem Herzen und in seinem Leben. Hier wird uns die Mitte gezeigt, von der alles ausgehen und zu der alles hinführen muss: Gott lieben und Jünger Christi sein, indem man das Evangelium lebt“.

Franziskus erinnerte daran, dass sein Vorgänger Benedikt XVI. den Bruderschaften gegenüber das Wort „Evangelientreue" gebraucht habe. Der Papst betonte, dass die Volksfrömmigkeit, die in den Bruderschaften einen bedeutenden Ausdruck finde, „ein Schatz ist, den die Kirche besitzt und den die lateinamerikanischen Bischöfe bezeichnenderweise eine Spiritualität, eine Mystik genannt haben, die ein ‚Raum der Begegnung mit Jesus Christus’ ist“. Der Papst rief dazu auf, immer aus der unerschöpflichen Quelle, die Christus ist, zu schöpfen: „Stärkt euren Glauben, indem ihr für eure geistliche Bildung sorgt und das persönliche wie gemeinschaftliche Gebet und die Liturgie pflegt“.


Über Jahrhunderte „sind die Bruderschaften Schmiede der Heiligkeit vieler Menschen gewesen, die in Einfachheit eine intensive Beziehung zum Herrn gelebt haben. Geht entschlossen den Weg der Heiligkeit; gebt euch nicht mit einem mittelmäßigen christlichen Leben zufrieden, sondern eure Zugehörigkeit sei vor allem für euch ein Ansporn, Jesus Christus mehr zu lieben“.

Auch der Abschnitt aus der Apostelgeschichte spreche zu uns vom Wesentlichen: „In der werdenden Kirche ergab sich sofort die Notwendigkeit zu unterscheiden, was wesentlich ist für das Christsein, für die Nachfolge Christi, und was nicht. Die Apostel und die anderen Ältesten hielten in Jerusalem eine wichtige Versammlung, ein erstes ‚Konzil’ zu diesem Thema ab wegen der Probleme, die aufgetaucht waren, nachdem das Evangelium den Heiden, den Nichtjuden verkündet worden war“. Das sei eine günstige Gelegenheitgewesen, um zu begreifen, was wesentlich sei, „nämlich an Jesus Christus zu glauben, der für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist, und einander zu lieben, wie er uns geliebt hat“.

Eindringlich betonte Franziskus, dass die Schwierigkeiten nicht außerhalb, sondern innerhalb der Kirche überwunden wurden.

Darin liegt für den Papst ein zweites Element, „an das ich euch, wie seinerzeit Benedikt XVI., erinnern möchte: die Kirchlichkeit“. Die Volksfrömmigkeit sei ein Weg, der zum Wesentlichen führt, „wenn sie in der Kirche in tiefer Gemeinschaft mit euren Hirten gelebt wird. Liebe Brüder und Schwestern, die Kirche liebt euch! Seid eine aktive Gegenwart in der Gemeinde als Zellen voller Leben, als lebendige Steine“.

Franziskus erinnerte an das Dokument von Aparecida der lateinamerikanischen Bischöfe, in dem es heiße, dass die Volksfrömmigkeit „eine legitime Weise ist, den Glauben zu leben, eine Art, sich als Teil der Kirche zu fühlen" (Dokument von Aparecida, 264). „Liebt die Kirche! Lasst euch von ihr führen! Seid in den Pfarreien, in den Diözesen eine wahre ‚Lunge’ des Glaubens und des christlichen Lebens! Ich sehe auf diesem Platz eine große Vielfalt der Farben und Zeichen. So ist die Kirche: eine große und reiche Vielfalt an Ausdrucksformen, in denen alles auf die Einheit zurückgeführt wird, auf die Begegnung mit Christus“.

Als drittes Kennzeichen der Bruderschaften stellte der Papst das Missionsstreben heraus: „Ihr habt einen besonderen und wichtigen Auftrag, nämlich die Beziehung zwischen dem Glauben und den Kulturen der Völker, denen ihr angehört, lebendig zu erhalten, und ihr tut dies durch die Volksfrömmigkeit. Wenn ihr zum Beispiel mit großer Verehrung und Liebe gegenüber dem Herrn den Gekreuzigten in einer Prozession tragt, dann vollzieht ihr nicht eine bloß äußerliche Handlung, sondern weist auf die Zentralität des österlichen Geheimnisses des Herrn – seines Leidens, Sterbens und Auferstehens – hin, das uns erlöst hat, und zeigt zuallererst euch selbst und der Gemeinde, dass man auf dem konkreten Lebensweg Christus nachfolgen muss, damit er uns verwandelt“.

Die „erhabenste Verwirklichung des christlichen Lebens“ brächten die Bruderschaften durch die tiefe Verehrung für die Jungfrau Maria zum Ausdruck, für jene Frau, „ welche durch ihren Glauben und durch ihren Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes sowie durch ihr Betrachten des Wortes und Handels Jesu die vollkommene Jüngerin des Herrn ist (vgl. Lumen gentium, 53)“.

Diesen Glauben, der aus dem Hören auf das Wort Gottes hervorgehe, „bringt ihr in Formen zum Ausdruck, welche die Sinne, die Gefühle und die Symbole der verschiedenen Kulturen einbeziehen… Und auf diese Weise tragt ihr dazu bei, ihn den Menschen zu vermitteln, besonders den einfachen, denen, die Jesus im Evangelium ‚die Kleinen’ nennt“. "Seid auch ihr wirkliche Boten des Evangeliums! Mögen eure Initiativen „Brücken" sein, Wege, die zu Christus führen, um mit ihm zu gehen. Und achtet in diesem Geist immer auf die Nächstenliebe": jeder Christ und jede Gemeinschaft sei in dem Maße missionarisch, „in dem sie das Evangelium bringt und lebt und die Liebe Gottes zu allen, besonders zu den Notleidenden bezeugt. Seid Missionare der zärtlichen Liebe Gottes! Seid Missionare der Barmherzigkeit Gottes, der immer verzeiht, immer wartet, uns so sehr liebt!“.

„Evangelientreue, Kirchlichkeit, Missionsstreben. Bitten wir den Herrn, dass er unseren Geist und unser Herz immer auf ihn hin ausrichte, als lebendige Steine der Kirche, damit all unser Tun, unser ganzes christliches Leben ein strahlendes Zeugnis seiner Barmherzigkeit und Liebe sei. Und so werden wir dem Ziel unserer irdischen Pilgerschaft entgegengehen, dem himmlischen Jerusalem. Dort gibt es keinen Tempel mehr: Gott selbst und das Lamm sind ihr Tempel; und an die Stelle des Lichtes von Sonne und Mond tritt die Herrlichkeit des Höchsten. So sei es.“

Predigt als VIDEO




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