29 Juli 2013, 15:30
Wieder ein Papst in Krakau
 
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Die Pilgerstadt in Polen richtet den nächsten Weltjugendtag aus. Von Markus Nowak (KNA)

Warschau (kath.net/KNA) Wenn in Krakau die Sigismund-Glocke erklingt, ist gerade ein Weltereignis geschehen: Die 10.980 Kilogramm schwere Glocke läutete bei der Wahl des Polen Karol Wojtyla zum Papst Johannes Pauls II., bei seinem Tod, auch beim Rücktritt seines Nachfolgers Benedikt XVI. und zuletzt nach der Wahl von Papst Franziskus. Im Sommer 2016 dürfte Polens bekanntester Glockenschlag immer wieder zu hören sein, wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche zusammen mit Hunderttausenden jungen Christen zum 30. Weltjugendtag in die Weichselstadt kommt.

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Krakau gilt als religiöse Hauptstadt zwischen Oder und Bug. Die Stadt mit den über 100 Kirchen war 14 Jahre Wirkungsstätte von Wojtyla als Erzbischof, rund ein halbes Dutzend Mal Ziel seiner Besuche, aber auch der ersten Auslandreise seines Nachfolgers Benedikt XVI. Schon im Mittelalter sah sie religiöse Ereignisse von weltgeschichtlicher Tragweite. Vom 11. bis 17. Jahrhundert war Krakau Hauptstadt des Königreichs Polen. Hier wurde im Jahre 1386 der litauische Großfürst Jagiello an der Weichsel getauft und damit Litauen christianisiert.

Die über 600-jährige Befestigungsanlage Barbakan, das tausend Jahre alte Wawel-Schloss am Weichselbogen oder der größte europäische Marktplatz des Mittelalters, auf dem 1525 Albrecht, der Großmeister des Deutschen Ordens, dem polnischen König huldigte und den Ordensstaat auflöste - die Liste der Sehenswürdigkeiten ist lang.

Publikumsmagnet aber ist die Marienkirche auf dem Hauptmarkt: Zu jeder vollen Stunde blicken Krakau-Besucher hinauf zum Glockenturm und warten, dass der Turmbläser erscheint. Mit seiner Trompete bläst er die Hejnal-Melodie, ein polnisches Triumphsymbol. Doch auch das Kircheninnere zieht Besucher in seinen Bann: Der spätgotische Flügelaltar wurde vom Bildhauer Veit Stoß gestaltet und besteht aus 200 teils monumentalen geschnitzten Figuren.

Die UNESCO ernannte die quirlige Weichselstadt vor 25 Jahren zum Weltkulturerbe. Doch schon lange gilt Krakau nicht nur als Geheimtipp unter Touristen, erklärt die Fremdenführerin Jadwiga Sypek. Auf dem nach Johannes Paul II. benannten Krakauer Flughafen landen Besucher, die während eines Krakau-Besuchs häufig auch einen Abstecher in eine der ältesten Salzminen nach Wieliczka unternehmen. Ein anderes, ernsteres Ziel: das eine halbe Autostunde entfernte Oswiecim fahren, Ort des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz.

Aber immer häufiger kommen auch Pilger nach Krakau, beobachtet Sypek. Sie reisen zum Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in den Stadtteil Lagiewniki oder wandern auf dem «Papst-Weg». Sypek zeigt auf ihren Rundgängen auch Räume, in denen Karol Wojtyla als Krakauer Erzbischof wohnte, oder das «Papstfenster», aus dem er seine Landsleute begrüßte. Weiter draußen, auf den Blonia-Wiesen mit einer Ausdehnung von fast 70 Fußballfeldern, feierte Johannes Paul II. mit 2,5 Millionen Menschen - weshalb die größte Grünanlage der Stadt auch den Namen «Papstwiese» trägt.

Auf jener Fläche werden sich 2016 die Hauptveranstaltungen des Weltjugendtages abspielen. Wieder dürfte die Teilnehmerzahl die zwei Millionen übersteigen. Schon beim Weltjugendtag 1991 im Marienwallfahrtsort Tschenstochau kam die bis dahin größte Besucherzahl von 1,6 Millionen zusammen. Und Krakau wird wieder ein Heimspiel für polnische Jugendliche, die bei den Weltjugendtagen eine der größten Besuchergruppe bilden dürften.

«Das wird eine große Herausforderung für die Stadt und die Kirche, auf die wir uns aber alle freuen», sagt Krzysztof Tomasik, Journalist des katholischen Informationsdienstes KAI. 2016 fällt auf das 1.050. Jubiläum der Christianisierung Polens, mit einem Besuch des Papstes zwischen Oder und Bug hatten ohnehin viele gerechnet, so Tomasik. Fremdenführerin Sypek ergänzt mit einem Schmunzeln: «Die EM 2012 konnte Krakau nicht ausrichten, also zeigen wir 2016, was wir können.»

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.







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