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Papst traf Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez

16. September 2013 in Weltkirche, 5 Lesermeinungen
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Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag mitteilte, begrüßte der Papst den 85-jährigen Dominikaner bereits am Mittwoch nach der Frühmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta


Vatikanstadt (kath.net/KNA) Papst Franziskus ist mit dem prominenten peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez (Foto) zusammengetroffen. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag mitteilte, begrüßte der Papst den 85-jährigen Dominikaner bereits am Mittwoch nach der Frühmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Der Präfekt der Römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hatte vor einer Woche eine Zusammenkunft seines Freundes Gutierrez mit dem Papst angekündigt. Dies nährte die Erwartung, Franziskus werde Gutierrez, der als einer der Väter der Befreiungstheologie gilt, offiziell zu einer Privataudienz empfangen.


Die Befreiungstheologie stand lange im Visier der Glaubenskongregation, vor allem unter ihrem damaligen Präfekten Kardinal Joseph Ratzinger. Rom warf Teilen der Bewegung eine Übernahme marxistischer Überzeugungen vor. Zahlreiche Theologen und Priester wurden deswegen vom Vatikan gemaßregelt.

Unterdessen lobte der einst von Ratzinger gemaßregelte brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff (74) den emeritierten Papst Benedikt XVI. Dieser verdiene Anerkennung dafür, dass er mit seinem Rücktritt die Kirche über seine eigene Person gestellt habe, sagte Boff in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung «La Stampa» (Sonntagsausgabe). Zu seiner Maßregelung durch Ratzinger im Jahr 1984 sagte Boff: «Wir waren Freude». Ratzinger sei eine äußert feinsinnige Person und sei ihm stets mit Respekt begegnet. Nach seiner Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation sei er jedoch «zu deutsch» geworden. Das sei das «Problem» gewesen, so Boff. Er, Boff, habe eine Kirche gepredigt, welche die Freiheit in der Gesellschaft fördere. Ratzinger habe dies jedoch als Protestantismus aufgefasst und ihm gesagt, so habe Luther gesprochen. Er habe Ratzinger erwidert: «Gut zugehört». 500 Jahre lang habe die Kirche dies im Fall Luthers nicht ausreichend getan.

Mit seinem 1971 erstmals veröffentlichten Buch «Theologie der Befreiung» hatte Gutierrez der Bewegung ihren Namen gegeben. Er selbst geriet nie ernsthaft in Konflikt mit Rom, obwohl auch sein Werk eingehend geprüft wurde. Vor einer Woche hatten Müller und Gutierrez im norditalienischen Mantua die italienische Fassung eines gemeinsamen Buchs über die Befreiungstheologie vorgestellt.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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Lesermeinungen

  17. September 2013 
 

Mit Vorsicht genießen

@Wiederkunft - Bin ganz Ihrer Meinung. Und der selige Papst Johannes Paul II. konnte das trübe Wasser in jenem von außen scheinbar sauberen Glas ganz deutlich sehen!


1
 
 Wischy 16. September 2013 
 

Die Befreiungstheologie

hatte viele Facetten. Ihr Protest gegen krasse soziale Unterschiede und extreme Ausbeutungsverhältnisse war prophetisch. Entscheidend war, auf welchem Weg man eine Lösung anstrebte. Revolutionäre Gewalt und Diktatur des Proletariats wäre natürlich purer Marxismus. Hier betonte Rom stets, neben Überwindung der "strukturellen Sünde" die Notwendigkeit der personalen Bekehrung und Gerechtigkeitssuche.


1
 
 Wiederkunft 16. September 2013 
 

Johannes Paul II

Ich kann mich noch gut an die Kritik von Johannes Paul II an der Befreiungstheologie erinnern. Ich denke diese 2 Päpste haben sich sicher in ihrer Einschätzung dieser nicht geirrt. Der Marxismus spielt hier immer wieder hinein. Das Ganze ist mit Vorsicht zu genießen.


8
 
  16. September 2013 
 

ich bin sehr froh ...

... dass die Theologien der Befreiung nicht mehr nur aufgrund "einiger Aspekte" (vgl. Erklärung der Glaubenskongregation von 1984) verurteilt wird, sondern in ihrer großen Bedeutung für die Kirche und die Welt wahrgenommen wird. Es ging immer und geht um die Nachfolge Christi im Kontext unvorstellbarer Armut - und hier sind wir alle gefordert.
Wir alle können Papst Franziskus nicht genug dafür danken, dass er uns immer wieder auf diese zentrale Wahrheit des Christentums hinweist.
So wie schon sein Vorgänger, Benedikt XVI., in der Enzyklika "Deus caritas est" gesagt hat: "Liebe zu üben für die Witwen und Waisen, für die Gefangenen, für die Kranken und Notleidenden welcher Art auch immer, gehört genauso zu ihrem Wesen wie der Dienst der Sakramente und die Verkündigung des Evangeliums. Die Kirche kann den Liebesdienst so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort."
Zum wahren und unverkürzten Einsatz für das Leben gehört die vorrangige Option für die Armen unverzichtbar dazu.


4
 
 AlbinoL 16. September 2013 

aus einem Artikel...

Seit dem 28. Februar gibt es ein neues, untrügliches Erkennungsmerkmal für Progressive in der Kirche. Wenn sie auf Benedikt XVI. zu sprechen kommen, loben sie einzig, dies aber mit Verve seinen „Mut“ zum Rücktritt.


5
 

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