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Kirche bauen…

29. September 2013 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Für den heiligen Franziskus beginnen Reform und Erneuerung der Kirche zuerst bei sich selbst. Er hat sein eigenes Leben von Grund auf verändert, er hat die Kirche geliebt. - Von Bischof Heinz Josef Algermissen (Bonifatiusbote)


Fulda (kath.net/pbf/Bonifatiusbote) Es mag sonderbar aussehen, wenn erwachsene Männer vor einem Blatt Papier auf dem Boden knien. Ungefähr ein Dutzend Leute, jeder gesammelt, vertieft in das, was er liest. Die Blätter stammen von dem einzigen Buch, das sie haben. Jeder von ihnen will ganz aufmerksam dem nachspüren, was sie so zusammengebracht hat. Es handelt sich um das Wort Jesu, das sie lesen.

Und die da lesen, tragen ganz einfache, gar dürftige Kleider. Sie sehen so aus, wie sie es gelesen haben in diesem Buch, wie es einer von ihnen verstanden hat, wortwörtlich: „Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab.“ (Matthäus 10, 9-10). An diesen Tag, als er in der Hl. Messe das Wort Jesu hörte, hat Franziskus, dessen Fest wir am kommenden Freitag feiern, sich immer erinnert. Von da an, es war exakt der 24. Februar 1209, fühlte er sich beim Wort genommen.

Franziskus hatte ─ wie Jesus es seinen Jüngern aufgetragen ─ den Brüdern den Friedensgruß mit auf den Weg gegeben: „Sagt jedem, den ihr trefft: Der Friede sei mit dir!“ Sie wussten sich diesem Auftrag buchstäblich verpflichtet. Deswegen nahmen sie keinen Stab mit, das einfachste Werkzeug der Selbstverteidigung. Wer Frieden ernten will, muss Vertrauen säen. In entwaffnender Arglosigkeit waren sie unterwegs. Keine Einschüchterung, keine Bedrängnis, nicht einmal Schläge konnten sie von ihrer Wehrlosigkeit abbringen. Das unbedingte Festhalten am Frieden hatte heilsame Wirkung.


Da ist aber zunächst das Ereignis im Jahr 1206 in San Damiano. Franziskus war bereits aus dem normalen bürgerlichen Leben ausgebrochen. Nach Gefangenschaft und schwerer Krankheit treibt ihn eine Unruhe um. „Nichts von dem, was den Augen Freude bereitet, konnte ihn entzücken…“ (Thomas von Celano). Er fängt an, die Kirchen der Stadt Assisi zu besuchen und dort still zu beten. Er sucht seinen Weg. In dem kleinen Kirchlein San Damiano außerhalb der Stadt kniet er vor dem großen byzantinischen Kreuz. Da hört er plötzlich den gekreuzigten Jesus sagen: Franziskus, bau mein Haus auf, das zerfällt!“ Das trifft ihn direkt und er gehorcht auf der Stelle. Sehr konkret macht er sich ans Werk, bessert die Kapellen der Umgebung aus, sammelt Steine und bringt sie auf einem Karren herbei. Er bittet die Bauern der Umgebung, ihm dabei zu helfen.
Jahre später träumt Innozenz III., der mächtigste Papst des Mittelalters, wie die Mauern seiner Laterankirche in Rom einzustürzen drohen. Aber der schmächtige Franziskus stemmt sich mit seiner kleinen Schulter dagegen und verhindert die Katastrophe.

Die Berufung des jungen Franziskus zeigt etwas Typisches. Für ihn ist ganz klar: Er begreift, dass Jesus zu ihm gesprochen hat. Da gibt es nicht die Spur eines Zweifels. Jesus Christus und sein Evangelium sind für Franziskus ganz gegenwärtig. Die Unmittelbarkeit, das direkte Gegenüber hat die Biographen immer wieder betroffen gemacht. Jesus und Franziskus von Assisi – er die Ikone des Heilands und Erlösers.

Franziskus begreift noch ein Zweites: Bau meine Kirche auf! Der Ruf gilt nicht nur seiner persönlichen Bekehrung, bleibt nicht eine private Sache, sondern wird ein Auftrag für alle in der Kirche. Christ kann man nicht rein privat sein, man ist es immer auch für andere. Jede und jeder Getaufte hat eine unmittelbare Verantwortung für die Kirche.

Liebe Leserinnen und Leser!

Vielen Menschen, auch engagierten Katholiken, fallen allzu leicht die Fehler der Kirche ein. Sie sehen ihre Schattenseiten und registrieren sie ganz genau. Aber nur mit überlangem Finger auf die Fehler zeigen, genügt nicht.

Sensibel für die Schatten hat Franziskus mehr als alle Gegner der Kirche erkannt, was das Evangelium verdunkelt: Anmaßung, Machtgehabe und Anpassung, Prunk und Prestige, Sünde und Schuld bei denen, die Kirche sind, besonders schmerzlich bei jenen, die die Kirche leiten.

Für Franziskus beginnen Reform und Erneuerung der Kirche zuerst bei sich selbst. Er hat sein eigenes Leben von Grund auf verändert, hat die Kirche geliebt, weil sie Christus in der Welt darstellt und heilsnotwendig ist.

Franziskus ist mit 44 Jahren gelähmt, blind, schwerkrank. Man sagt ihm, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat. Da lässt er sich auf den bloßen Boden legen, nackt, wie er geboren war: letztes Symbol radikal gelebter Armut. Und er lässt den Satz aufschreiben: „Gelobt seist du, mein Herr, für unseren Bruder, den leiblichen Tod.“

So redet kein Schwächling oder Phantast. Das ist die Haltung eines Mannes, der ernst nahm, was er glaubte; der tat, was er sagte. Er war unnachgiebig gegen sich selbst, weil das Evangelium keine faulen Kompromisse kennt. Er war grundgut zu allen Menschen, weil das Evangelium unbegreiflich gut ist.

Vorstehender Beitrag des Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen (Foto) erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“ vom 29. September 2013
Foto: (c) Bistum Fulda


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