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«... declaro me ministerio Episcopi Romae renuntiare»

11. Februar 2014 in Chronik, 3 Lesermeinungen
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Vor einem Jahr kündigte Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt an. Von Johannes Schidelko (KNA)


Vatikanstadt (kath.net/KNA) «Quapropter ... declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, ... renuntiare». 18 Zeilen lang und mit brüchiger Stimme in der Kirchensprache Latein vorgetragen war der Text, mit dem Papst Benedikt XVI. am späten Vormittag des 11. Februar die Sensation ankündigte. Da seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nachließen und für eine angemessene Dienstausübung nicht mehr reichten, erkläre er seinen Rücktritt vom Amt des Bischofs von Rom. Der Stuhl Petri werde zum 28. Februar 2013 um 20.00 Uhr vakant; ein Konklave müsse einberufen werden, sagte das 85-jährige Kirchenoberhaupt den verdutzten Kardinälen.

Die Nachricht schlug ein wie der Blitz aus heiterem Himmel. Nur ganz wenige Vatikanmitarbeiter waren eingeweiht. Und die mussten einzeln Geheimhaltung schwören. So war es die lateinkundige Redakteurin Giovanna Chirri von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA, die dem Livestream des Konsistoriums folgte und die die Worte verstand, die der Papst zum Abschluss hinzufügte. Nach Rücksprache mit Vatikansprecher Federico Lombardi verbreitete sie die erste Meldung vom Papstrücktritt - und landete damit einen Scoop.

Die Nachricht war so sensationell, dass die großen Agenturen sie ohne zusätzliche Bestätigung sofort weiterverbreiteten - unter Berufung auf ANSA. Erst als der Wortlaut der Papsterklärung in Übersetzungen bekanntwurde und Lombardi die Vatikanisten zusammentrommelte, wurde deutlich, dass das Unglaubliche stimmte. Giovanna wurde zur Heldin - auch wenn sich Teilnehmer des ersten Pressebriefings verwundert die Augen rieben, als dort auch eine Handvoll «spontan» über Nacht aus den USA eingeflogener Journalisten erschien.


Überraschend war weniger der Rücktritt selbst als der Zeitpunkt. Dassdie physischen Kräfte des Papstes seit einem halben Jahr erheblich eingebrochen waren, war überdeutlich. Die Stimme hatte nachgelassen, er bewegte sich langsam, wirkte erschöpft. Daher hatten Beobachter die Möglichkeit eines freiwilligen Amtsverzichts durchaus im Blick. Man wusste, dass der frühere Kurienpräfekt eine zwiespältige Haltung zum Leitungs- und Machtvakuum zum Ende der Amtszeit Johannes Paul II. (1978-2005) hatte - als nicht mehr alle Entscheidungsprozesse an der Kirchenspitze transparent waren. Allerdings sprach die Gerüchteküche von einem späteren Zeitpunkt, nach seinem 86. Geburtstag Ende April. Doch Benedikt XVI. legte seinen Rücktritt bewusst an den ruhigen Beginn der Fastenzeit - so dass zu Ostern ein Nachfolger gewählt wäre.

Die letzten beiden Amtswochen nach dem angekündigten Rückzug waren bewegend. Benedikt XVI. setzte sein Arbeitsprogramm wie gewohnt fort, verzichtete auf große Abschiedszeremonien und einen formellen Rechtsakt zum Abschied. Der sei nach der eindeutigen und rechtskonformen Rücktrittserklärung nicht erforderlich, bestätigten Juristen.

Viele wollten den Papst noch einmal sehen, sich verabschieden. Sonderaudienzen gab es aber nur noch für Italiens Staats- und Ministerpräsidenten. Am vorletzten Amtstag leitete Benedikt XVI. wie jeden Mittwoch die Generalaudienz auf dem Petersplatz - vor einer gewaltigen Menschenmenge.

Am 28. Februar traf er um die Mittagszeit mit dem Kardinalskollegium zusammen. Im Damasushof verabschiedete er sich von seinen engsten Mitarbeitern - die bewegter schienen als Benedikt XVI. selbst. Und begleitet vom Geläut der Glocken Roms stieg dann der Papsthubschrauber auf, zum letzten Flug vom Vatikan nach Castel Gandolfo. Spätestens bei seinem kurzen Auftritt auf dem Balkon der Sommerresidenz wurde deutlich, wie erschöpft und völlig ausgelaugt der Papst war.

Der freiwillige Amtsverzicht von Benedikt XVI. fand weltweit hohen Respekt. Er habe dem Papsttum einen enormen Dienst erwiesen und es zugleich vermenschlicht, als er angesichts nachlassender Kräfte auf sein Amt zugunsten eines Nachfolgers verzichtete, meinte kürzlich der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. «Und wie er sich zurückgezogen verhält, und wie Franziskus immer wieder an ihn anknüpft: Das könnte nicht besser sein, bei aller Verschiedenheit der Persönlichkeiten und Ausrichtungen.»



Papst Benedikt XVI.: Abschied und Abflug aus dem Vatikan


Papst Benedikt XVI. Rücktritt: Ankunft in Castel Gandolfo - Letzte Worte - Letzter Segen


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