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Katholisches Volksfest in rot-weiß-blau

22. Februar 2014 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Kardinal Müller bewirtet seine Gäste mit Bratwürsten und Bier. Von Christoph Renzikowski (KNA)


Vatikanstadt (kath.net/KNA) An sich ist so eine Kardinalserhebung eine ernste Sache. Die neuen Senatoren der katholischen Kirche schwören dem Papst die Treue «bis zum Blutvergießen». Daher rührt auch ihr scharlachrotes Gewand. Doch am Samstag herrscht nach dem schlichten Wortgottesdienst im Petersdom bayerische Volksfeststimmung unter weiß-blauem Himmel. Zumindest im Palast der Glaubenskongregation.

Deren Präfekt, Gerhard Ludwig Müller, hat seine Gäste zu einer deftigen Brotzeit mit Leberkäs, Kartoffelsalat und allerlei Gegrilltem geladen. Passend zum Hort der reinen Lehre wird Gerstensaft ausgeschenkt, der nach dem Reinheitsgebot gebraut ist. Der 66-Jährige wollte seine Beförderung in den Kreis der Papstwähler bewusst nicht in kleiner Runde begehen, sondern volkstümlich-familiär. Dem gebürtigen Rheinländer ist Bayern zur Heimat geworden, nicht erst als Bischof von Regensburg, sondern schon durch die Professorenjahre in München.

Gerade noch rechtzeitig nach Rom geschafft hat es eine Reisegruppe aus Müllers Geburtsort Mainz-Finthen. Gestoppt durch den Streik der Sicherheitskräfte am Frankfurter Flughafen mussten Verwandte und Bekannte aus gemeinsamen Jugendtagen auf dem Bolzplatz kurzfristig auf einen Bus umsteigen. Nach 18 Stunden Fahrt sind sie da und können mitfeiern.


Beim Betreten des Heiligen Offiziums steigt sofort der Duft frischer Bratwürste in die Nase. Unter den Klängen eines Streichquartetts bilden sich vor den Zapfhähnen der Regensburger Brauerei Bischofshof rasch lange Schlangen. Müller hat die Organisatoren vor eine spezielle Herausforderung gestellt. Sie sollten sich für 500 Gäste bevorraten, es könnten aber auch 1.000 kommen, lautete seine Ansage. Nach zwei Stunden zeigen sich die Mitarbeiter von Brauerei und Metzgerei erleichtert. Es wird reichen für alle. Auch ohne wundersame Brotvermehrung.

Zur illustren Festgesellschaft zählen nicht nur Bischöfe, Kardinäle und akademische Schüler Müllers. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis lässt sich sehen, dazu Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon, der Chef der Vatikanbank, Ernst von Freyberg, und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Auch der in Limburg in Ungnade gefallene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat für diesen Anlass sein Exil bei den Mettener Benediktinern verlassen und gönnt sich ein Bierchen.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat im einsetzenden Gedränge Mühe, zum frisch kreierten Kardinal vorzustoßen. Bevor er die Grüße seines Ministerpräsidenten und «die große Freude Bayerns» übermitteln kann, sind die Kötztinger Pfingstreiter an der Reihe. Lange haben sie warten müssen auf ihren Auftritt. Wenn sie schon nicht in den Petersdom vorgelassen wurden, wollen sie wenigstens jetzt die ersten Gratulanten sein.

Zwölf wackere Mannsbilder in Lederstiefeln, roter Samtweste und blauem Lodenfrack nehmen vor dem Brunnen Aufstellung mit ihren Bannern. Der Kötztinger Kurdirektor Sepp Barth schmettert einen Fanfarensalut durch den Hof. Dann bedankt sich Oberzugordner Dieter Casaretto bei Müller dafür, dass dieser vor zehn Jahren das jahrhundertealte Brauchtum der Reiterprozession von einem oberflächlichen Spektakel zum ursprünglich religiösen Sinngehalt zurückgeführt hat. «Für uns sind Sie der richtige Mann am richtigen Ort», sagt Casaretto und der Gelobte ist gerührt.

Die Kötztinger kennen ihren prominenten Förderer nicht als strengen Glaubenswächter, sondern als volksnahen Seelsorger, der sich nach dem stundenlangen Umritt, nach Gebet und Gottesdienst auch noch gern für eine Maß unter die Leute mischt. Und als einen, der nicht nur in dogmatischen Fragen sattelfest ist. Am 9. Juni will Müller für die «Eucharistische Prozession zu Pferde» wieder in das oberpfälzische Kneippheilbad kommen.

Schon einen Monat vorher, am 4. Mai, kehrt Müller zum ersten Mal als Kardinal in seine frühere Bischofsstadt Regensburg zurück. Und auch dort werden wieder alle Bürger eingeladen sein, auf sein Wohl anzustoßen.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.


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